// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 3754 Zuschauer mit warmer Bratwurst in der Hand - und ein SV Steinbach, der nach kurzem Schreckmoment aufdreht wie eine Rockband beim Gitarrensolo. Am ersten Spieltag der Regionalliga D feierten die Steinbacher einen 4:1-Heimsieg gegen die SG Spergau, der so deutlich war, dass selbst der Stadionsprecher beim Abpfiff kurz ungläubig die Anzeigetafel musterte. Dabei sah es zu Beginn gar nicht nach einem Fußballfest aus. Schon in der 7. Minute schlug Spergaus Routinier Kylon Alexiou zu - und das mit der Abgeklärtheit eines Stürmers, der vermutlich schon Tore geschossen hat, als einige seiner Gegenspieler noch mit dem Sammelheft beschäftigt waren. "Ich hab gesehen, dass der Keeper zu weit draußen stand", griente der 34-Jährige später. "Da musste ich einfach abdrücken." 1:0 für Spergau, und die Steinbacher Hintermannschaft blickte sich an, als hätte jemand den falschen Film eingelegt. Doch die Antwort kam schnell - und sie war jugendlich, stürmisch und ziemlich sehenswert. In der 28. Minute setzte der erst 20-jährige Christoph Vogt auf der rechten Seite zum Sprint an, flankte butterweich in die Mitte, wo Adrian Kristinsson volley abzog: 1:1. Zwei Minuten später drehte Cesar Juarez mit einem platzierten Schuss aus 18 Metern die Partie komplett. "Ich dachte eigentlich, Max Henning will den Ball klären", witzelte Trainer Martin Schmittel danach, "aber dann hat Juarez einfach beschlossen, ihn ins Tor zu schießen. Auch eine Lösung." Mit 2:1 ging es in die Pause, und die Fans sangen sich schon warm. Spergau hatte zwar mehr Ballbesitz (knapp 54 Prozent), aber Steinbach mehr Ideen, mehr Zug, mehr Torschüsse - 18 insgesamt, und fast jede zweite Szene roch nach Gefahr. In der zweiten Halbzeit schien Spergau bemüht, die Kontrolle zurückzugewinnen. Doch was half das, wenn Steinbachs Offensive das Spiel einfach nicht loslassen wollte? In der 68. Minute kam der junge Adrien Van Royen nach seiner Einwechslung zum großen Auftritt: Nach feinem Zuspiel von Hartmut Philipp ließ er den Spergauer Torwart Agemar Simao mit einem trockenen Schuss ins linke Eck alt aussehen - 3:1. Sein Jubel? Eine Mischung aus ungläubigem Lächeln und jugendlicher Übermut. "Ich wollte eigentlich querlegen, aber dann war das Tor plötzlich so groß", sagte Van Royen später - und grinste, als hätte er gerade die Mathearbeit bestanden, die keiner bestehen wollte. Spergau versuchte noch einmal, den Anschluss zu finden, doch der Wille verpuffte irgendwo zwischen Mittellinie und Strafraumgrenze. Nur drei eigene Torschüsse standen am Ende zu Buche - das nennt man wohl Effizienz ohne Wirkung. Und dann kam die 77. Minute: Julius Simon, frisch eingewechselt, bekam den Ball von - na klar - Kristinsson serviert und hämmerte ihn aus spitzem Winkel ins Netz. 4:1, Vorhang zu. Ab da war es nicht mehr das Spiel um drei Punkte, sondern eine kleine Gala. Steinbach kombinierte, als stünde ein Pokal im Schaufenster, und Spergau kämpfte tapfer, aber vergeblich. Kurz vor Schluss noch etwas Dramatik: Swen Fuhrmann musste nach einer Verletzung vom Platz, während Max Henning sich zuvor schon Gelb abgeholt hatte - möglicherweise, um wenigstens einmal in der Statistik der Gäste aufzutauchen. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen", erklärte SG-Trainer (der namentlich nicht überliefert ist) nach Abpfiff mit leicht resigniertem Lächeln. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber Steinbach hatte mehr Tore. Das ist leider die Statistik, die am Ende zählt." Steinbach-Coach Martin Schmittel sah das naturgemäß entspannter: "Wenn du nach sieben Minuten hinten liegst und dann so zurückkommst, sagt das alles. Wir haben Charakter gezeigt. Und vielleicht ein bisschen Spaß gehabt." Die Fans hatten ihn ganz sicher. Als die Spieler nach Abpfiff die Arme hoben, klang es aus der Kurve: "So kann’s weitergehen!" - und man glaubte ihnen jedes Wort. Ein gelungener Auftakt also für den SV Steinbach: 4:1, vier verschiedene Torschützen, und eine Stimmung, die selbst die Februar-Kälte kurz vergessen ließ. Wenn das die Messlatte für die Saison ist, darf man sich in Steinbach auf einen heißen Frühling freuen - und in Spergau auf ein paar intensive Trainingseinheiten zur Torabschlussschulung. Oder, wie es Julius Simon beim Rausgehen lakonisch zusammenfasste: "Manchmal läuft’s einfach. Heute war manchmal." 30.05.643990 00:10 |
Sprücheklopfer
Man sollte die Presse nicht wichtiger machen, wie sie wichtig gemacht wird.
Lothar Matthäus