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Ein Freitagabend in San Cristóbal, Flutlicht, 52.366 Zuschauer und eine Luft, die man schneiden konnte: UD Tachira und Real Caracas lieferten sich am 9. Spieltag der 1. Liga Venezuela ein Duell, das kein taktisches Lehrstück, dafür aber pure Emotion war. Am Ende stand ein 2:2, das beiden Seiten etwas gab - und zugleich niemanden wirklich glücklich machte. Trainer Peter Silie hatte seine Tachiristas offensiv eingestellt, Flügelspiel, mutige Vorstöße, Ballbesitz leicht über 51 Prozent. Sein Gegenüber King Lui bei Real Caracas blieb der Pragmatiker: "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht kontrolliert werden", erklärte er mit einem Lächeln, das zwischen Selbstironie und Überzeugung schwankte. Die Partie begann mit einem Feuerwerk an Torschüssen. Schon in der ersten Minute prüfte Roberto Aganzo den Gästetorhüter Julian Etxeita - und der musste gleich zeigen, dass seine Reflexe nicht eingerostet sind. "Ich dachte, das Ding sei schon drin", gab Aganzo später zu, "aber der Alte hat’s noch." Nach einer Viertelstunde hatte Caracas zwar mehr Abschlüsse, doch Tachira blieb gefährlich. Die Belohnung kam in der 26. Minute: Oscar Costinha flankte von rechts, Lionel Meira nahm den Ball direkt - und hämmerte ihn links oben in die Maschen. Das Stadion explodierte, Silie riss die Arme hoch, und Meira grinste: "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner im Weg steht." Doch Caracas antwortete kühl. Silvestre Pauleta, der 21-jährige Wirbelwind auf rechts, traf in der 39. Minute nach einem klugen Zuspiel von Innenverteidiger Miguel Carvalho - ein Konter wie aus dem Lehrbuch. Und weil es so schön war, legte Marcio Galvez kurz vor der Pause noch eins drauf: 45. Minute, Vorlage Ivan Poncela, Schuss flach ins Eck. 1:2 zur Halbzeit, und plötzlich herrschte im Estadio Polideportivo Táchira Schweigen, das selbst die tropische Nacht kurz innehielt. "Wir haben uns in der Pause gesagt: Wenn wir schon schwitzen, dann wenigstens für was", erzählte Kapitän Ruben Derlei nach dem Spiel. Silie reagierte taktisch kaum - offensiv blieb offensiv, aber der Einsatz wurde spürbar höher. Caracas wechselte indes doppelt: Der junge Keeper Asier Veloso kam für Etxeita, und Adriano Godo ersetzte den blassen Poncela im Mittelfeld. Die zweite Halbzeit war ein Geduldsspiel mit offenem Visier. Tachira suchte Chancen über außen, Caracas lauerte auf Konter. Elf Torschüsse zwischen der 55. und 73. Minute, doch immer wieder fehlten Zentimeter oder Fingerspitzen. Der eingewechselte Nelson Rivilla brachte frischen Schwung, und Meira blieb der Fixpunkt im Angriff. In der 86. Minute dann die Erlösung: Meira tankte sich über links durch, legte quer - und Roberto Aganzo drückte den Ball über die Linie. 2:2, und das Stadion bebte wieder. Aganzo rannte zur Eckfahne, riss das Trikot halb aus der Hose, und selbst Trainer Silie klatschte mit den Balljungen ab. Real Caracas wankte, aber fiel nicht. In der Nachspielzeit versuchte der junge Marco Matamoros noch einen Distanzschuss, doch Veloso lenkte ihn mit einer Flugeinlage über die Latte - und sicherte seinem Team den Punkt. Statistisch war’s ein Spiel auf Augenhöhe: 14 Torschüsse für Tachira, 13 für Caracas, Ballbesitz minimal beim Heimteam, Zweikampfquote praktisch ausgeglichen. "Wenn’s nach Zahlen geht, hätten wir beide gewonnen", witzelte King Lui später, "aber leider zählt immer noch das Ergebnis." Und Meira? Der Torschütze und Vorlagengeber des Abends lächelte nur: "Fußball ist manchmal wie ein Tanz - du führst, du wirst geführt, und am Ende stolpert ihr beide ein bisschen." Trainer Silie fasste es nüchterner: "Wir haben Charakter gezeigt. Die Jungs haben auf Druck reagiert, nicht mit Angst, sondern mit Mut. Genau das macht ein Team." So bleibt Tachira nach einem 2:2 mit einem Gefühl zwischen Stolz und leichtem Ärger zurück. Caracas hingegen kehrt heim mit dem Wissen, dass man auch ohne Sieg Eindruck hinterlassen kann. Und irgendwo in den Katakomben des Stadions hörte man einen Betreuer murmeln: "Wenn jedes Unentschieden so schön wär, würde keiner mehr gewinnen wollen." Ein Spiel, das keinen Sieger hatte - aber viele, die sich wie einer fühlten. 21.04.643987 15:42 |
Sprücheklopfer
Ich habe fertig.
Giovanni Trappatoni