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Es war einer dieser Abende, an denen sich das Fußballschicksal ein bisschen launisch zeigt. 57.566 Zuschauer im Estadio Jalisco sahen, wie Deportivo Pachuca mit einem frühen Treffer die Leones Negros aus Guadalajara 1:0 schlug - und anschließend 70 Minuten lang auf Messers Schneide balancierte. Dass am Ende die Gäste jubelten, lag an einem Rechtsverteidiger, der offenbar kein Interesse an geometrischer Ordnung hatte: Ümit Tas, der Mann für die Außenlinie, fand in der 19. Minute den Weg mitten hinein ins Zentrum - und ins Glück. Die Szene, die das Spiel entschied, hatte fast etwas Komödiantisches. Xavier Ximenis, Pachucas quirlige linke Mittelfeldrakete, tänzelte an zwei Gegenspielern vorbei, blickte kurz zur Bank und passte dann in den Rücken der Abwehr. "Ich hab’ nur gehofft, Ümit läuft wirklich da rein - normalerweise bleibt er hinten bei den Wasserflaschen", grinste Ximenis später. Tas aber lief, und wie: trocken, flach, unhaltbar - 0:1. Heimtrainer Joe Pass stand mit verschränkten Armen da, als wolle er den Ball persönlich zurückrufen. Leones Negros versuchten es danach mit allem, was sie hatten - vor allem mit langen Bällen, wie es die Statistik und der Trainerplan vorsahen. "Wir wollten kompakt stehen und dann schnell umschalten", erklärte Pass nach dem Spiel, "aber wenn du ständig den Ball suchst, wird das Umschalten schwierig." 42 Prozent Ballbesitz sprachen Bände: Pachuca diktierte das Geschehen, ohne allerdings ein Feuerwerk abzubrennen. Die Gastgeber kamen auf zwölf Torschüsse - also einen mehr als Pachuca - doch was nützt Quantität, wenn der gegnerische Keeper Otto Dietz einen Abend in bester Laune erwischt? Besonders in der 55. Minute, als Andre Boyer völlig frei zum Abschluss kam und Dietz den Ball mit einem Reflex über die Latte lenkte, hallte das Raunen durchs Stadion. "Ich hab den gar nicht gesehen, ich hab nur die Zuschauer schreien hören", scherzte Dietz später. Ein bisschen Drama durfte natürlich auch nicht fehlen: In der 70. Minute verletzte sich Innenverteidiger Matthew Bedard unglücklich bei einem Zweikampf, wurde durch Freddie Cawdor ersetzt. Zehn Minuten später flog Essi Litmanen - nein, nicht der berühmte Finne, aber ein entfernter Namensvetter - nach einem übermotivierten Tritt vom Platz. Rote Karte, 81. Minute, und plötzlich wurde aus dem Geduldsspiel ein Überlebenskampf. Trotz Unterzahl gaben die Leones Negros nicht auf. Louis Arnaud prüfte in der 84. Minute noch einmal Dietz, doch der Keeper blieb Herr der Lage. Andre Boyer holte sich in der 90. Minute Gelb, vermutlich aus Frust oder aus purer Nostalgie für Zeiten, in denen Fouls noch als Liebesbeweise galten. Trainer The Wizard - ja, er heißt wirklich so - zeigte sich zufrieden: "Wir haben kontrolliert, was zu kontrollieren war. Und was wir nicht kontrollieren konnten, hat der liebe Fußballgott geregelt." Seine Mannschaft blieb offensiv eingestellt, aber diszipliniert: keine wilden Pressingaktionen, kein Chaos, einfach solide Effektivität. Am Ende stand ein 0:1, das nüchtern klingt, aber alles andere als langweilig war. Es war ein Spiel voller kleiner Geschichten: ein Abwehrspieler als Matchwinner, ein Torwart mit Spiderman-Reflexen, ein Platzverweis, der fast noch Spannung brachte. Und mittendrin 57.000 Menschen, die sich fragen mussten, wie man so viel investiert und doch mit leeren Händen dasteht. Joe Pass nahm es mit Galgenhumor: "Wir haben verloren, aber wenigstens haben wir nicht unterkühlt - so viel gerannt sind wir." Sein Gegenüber Wizard lächelte nur und tippte sich an die Stirn: "Magie ist Vorbereitung, nicht Zufall." Vielleicht war’s am Ende genau das: ein Abend, an dem ein Zauberer gewann und die Löwen zähmen konnte. Und wenn Ümit Tas jetzt in den nächsten Tagen gefragt wird, warum ein Rechtsverteidiger im Strafraum auftaucht, wird er wohl wieder lächeln und sagen: "Weil’s funktioniert hat." Ein knappes, hartes, manchmal chaotisches, aber ehrliches Fußballspiel - und ein Sieg, der Pachuca in der Tabelle weiterträgt, während Leones Negros sich fragen muss: Wer soll’s beim nächsten Mal richten, wenn sogar der Zauberer gegen sie spielt? 01.01.643988 07:47 |
Sprücheklopfer
Die Brisanz dieses Spieles hat man daran erkannt, dass sich Franz Beckenbauer über unsere Tore gefreut hat.
Mehmet Scholl nach einem der Derby der Bayern gegen die Löwen