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Ein lauer Aprilabend, Flutlicht, 1929 Zuschauer und ein Spiel, das mit einem einzigen, aber goldwerten Treffer entschieden wurde: Der TSV Tettnang gewann am 29. Spieltag der Landesliga 20 mit 1:0 gegen RW Horn. Ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber auf dem Rasen eine ganze Geschichte von verpassten Chancen, hitzigen Zweikämpfen und einem Tor erzählte, das so schön war, dass selbst der Linienrichter kurz lächelte. Die Tettnanger begannen forsch, vielleicht ein bisschen zu forsch - kaum war die zweite Minute angebrochen, da sah Patrick Meier Gelb, offenbar ein frühes Zeichen an den Gegner: "Hier wird heute nicht kuschelig gespielt." Meier grinste später: "Ich wollte nur gleich zeigen, dass wir wach sind." RW Horn, das Team in Rot, hielt zunächst gut dagegen. In der 22. Minute prüfte Luka Siebert Tettnangs Keeper Frank Gärtner mit einem satten Schuss, den dieser allerdings so gelassen parierte, als hätte er gerade einen Brötchenkorb gefangen. "Der kam genau richtig für ein Foto", witzelte Gärtner nach dem Spiel. Dann kam die 25. Minute - die Szene, die alles entschied. Dennis Böhme, der linke Mittelfeldmotor der Tettnanger, flankte präzise auf Olav Mai, der sich im Rücken der Abwehr davongestohlen hatte. Mai nahm den Ball volley und drosch ihn mit solcher Wucht unter die Latte, dass RW-Keeper Stephan Witte nur noch den Kopf einzog. 1:0. Der Jubel war groß, die Erleichterung spürbar. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Mai später mit einem Grinsen. "Wenn man zu viel nachdenkt, geht der Ball sowieso vorbei." Das war der einzige Treffer des Abends, aber nicht das Ende der Unterhaltung. Tettnang hatte Lust auf mehr, schoss insgesamt 15 Mal aufs Tor, doch der Ball wollte kein zweites Mal hinein. Hermann Kroll, der fleißigste Schütze des Abends, versuchte es gleich siebenmal - von elegant bis verzweifelt. Einmal klatschte der Ball ans Außennetz, einmal flog er so hoch, dass ein Fan auf der Tribüne rief: "Der kommt erst morgen runter!" Horn dagegen blieb blass. Drei Schüsse aufs Tor, etwas weniger Ballbesitz (46 Prozent) und viel Frust im Gesicht von Trainerin - pardon, Trainer - der Gäste. "Wir haben es ordentlich gemacht, aber vorne hat uns der letzte Biss gefehlt", murmelte ein sichtlich angefressener Coach nach Abpfiff. "Tettnang hat das clever runtergespielt. Ein Tor mehr hätten sie aber auch nicht verdient." In der zweiten Halbzeit verwalteten die Gastgeber ihren Vorsprung mit erstaunlicher Nüchternheit. Kein wildes Pressing, kein riskantes Offensivspiel - es war fast taktisch meditativ. Beide Teams blieben bei ihrer ausgeglichenen Ausrichtung, als wollten sie sagen: Heute kein Risiko, danke. Dennoch blieb Tettnang gefährlicher, während Horns Angriffe meist an der stabilen Innenverteidigung um Jakob Hase abprallten. In der 91. Minute dann noch einmal ein unschönes Detail: Eri Krieger von Horn sah Gelb für ein Frustfoul, das man in der Kreisliga wohl als "emotionales Statement" verbucht hätte. Krieger zuckte danach die Schultern: "Ich war einfach genervt. Wir laufen, kämpfen, und am Ende steht’s 0:1. Da kann man schon mal kurz die Nerven verlieren." Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Tettnanger wie nach einem Pokalsieg - vielleicht auch, weil sie wussten, dass solche Arbeitssiege in der Landesliga mehr zählen als spektakuläre Schützenfeste. 1:0, drei Punkte, fertig. Trainer des TSV, der den Sieg mit verschränkten Armen und einem kaum sichtbaren Lächeln feierte, meinte trocken: "Wir wollten stabil stehen, vorne unsere Chance nutzen - das ist gelungen. Mehr kann man aus einem Dienstagabend kaum rausholen." Im Publikum klang das ähnlich pragmatisch. Ein älterer Fan, mit Tettnang-Schal und Wurst in der Hand, fasste es treffend zusammen: "Schön war’s nicht, aber schön war’s trotzdem." So endete ein Spiel, das in keiner Highlight-Show groß auftauchen wird, aber genau das verkörpert, was Fußball auf diesem Niveau so charmant macht: Kampf, Leidenschaft, ein bisschen Chaos - und ein einziger genialer Moment, der alles entscheidet. Und während RW Horn enttäuscht vom Platz schlich, feierte Tettnang seinen Helden Olav Mai. Der winkte kurz in die Menge und verschwand dann in der Kabine. Später hörte man ihn lachen: "Ein Tor reicht doch. Mehr wäre unhöflich gewesen." Ein Schlusswort, das man sich merken kann - zumindest bis zum nächsten Samstag, wenn der Ball wieder rollt und irgendjemand wieder behauptet, 1:0 sei kein richtiges Ergebnis. Doch in Tettnang wissen sie jetzt: Es ist das beste von allen. 30.12.643996 11:05 |
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