El Diario
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Tigre Santa Cruz stiehlt drei Punkte in Sucre - dank Sestaks eiskalter Nerven

Es war einer dieser Abende in Sucre, an denen der Fußballgott offenbar seine ganz eigene Vorstellung von Gerechtigkeit hatte. 23.148 Fans im Estadio Olímpico Patria wollten einen Heimsieg ihres AD Sucre sehen - sie bekamen stattdessen eine Lehrstunde in Effizienz von Tigre Santa Cruz. 0:1 hieß es am Ende, und das einzige Tor fiel in der 74. Minute. Der Name des Übeltäters: Igor Sestak.

Dabei war die Partie über weite Strecken so ausgeglichen, dass man sie fast für ein Spiegelbild hätte halten können. 49 zu 51 Prozent Ballbesitz - man hätte eine Linie durch die Mitte ziehen können, und beide Teams hätten gleich viele Schuhe auf dem Rasen hinterlassen. Nur in den Torschüssen zeigte sich Tigre einen Hauch wilder: 11 zu 7, und dieser eine entscheidende Schuss kam eben von Sestak, der nach einem butterweichen Pass von Eduardo Barreda trocken abschloss.

"Ich hab einfach draufgehalten. Wenn ich zu viel nachdenke, geht der Ball wahrscheinlich auf den Parkplatz", grinste Sestak nach dem Spiel und verschwand mit einem Augenzwinkern in der Katakombe.

Bis dahin hatte Sucre eigentlich ordentlich mitgespielt. Vincent Zabaleta prüfte in der 50. Minute Tigre-Keeper Elliot Duchesne mit einem strammen Schuss aus der zweiten Reihe - der Franzose im Tor aber pflückte den Ball runter, als wäre es ein Apfel vom Baum. Kurze Zeit später scheiterte Jozef Krejci aus spitzem Winkel, und in der 87. Minute hatte Miroslav Dordevic per Kopf die größte Chance - doch wieder war Duchesne da.

"Wir haben alles versucht, aber wir haben das Tor einfach nicht getroffen", murmelte AD-Sucre-Trainer nach dem Spiel und kickte eine leere Wasserflasche weg. Sein Name wollte er an diesem Abend lieber nicht in der Zeitung lesen - verständlich, bei dieser Chancenverwertung.

Auf der Gegenseite freute sich Tigre-Coach Daniel "Dynamo" über den perfekten Auswärtstrip. "Wir wussten, dass Sucre zuhause stark ist. Aber wir haben ruhig gespielt, diszipliniert, und Igor hat uns belohnt. Der Mann ist 32, aber im Strafraum hat er das Temperament eines 20-Jährigen und die Ruhe eines Mönchs."

Das Spiel begann lebhaft, aber ohne größere Aufreger. Schon in der 5. Minute zog Tigres Markus Hietanen erstmals ab, dann Sestak in der 11., und noch einmal in der 23. Minute - man konnte fast den Eindruck gewinnen, er wolle das Tornetz persönlich kennenlernen. Sucre antwortete mit Härte: In der 30. Minute sah Tikhon Jakuschew Gelb, nachdem er Barreda an der Seitenlinie etwas zu herzlich "begrüßt" hatte.

Nach der Pause nahm die Partie Fahrt auf. Sucre presste höher, Tigre konterte. Die 74. Minute schließlich brachte die Entscheidung: Barreda eroberte den Ball im Mittelfeld, spielte einen feinen Doppelpass mit Leachman und legte dann quer auf Sestak, der aus acht Metern flach ins lange Eck traf. Torwart Cesc Pinto war zwar in der richtigen Ecke, aber Sekundenbruchteile zu spät.

Die Fans von Sucre verstummten für einen Moment - dann kochte das Stadion doch wieder, diesmal aus Wut. "Das war Abseits!", rief ein Zuschauer hinter der Pressetribüne, während er sein Bier fast in die Tastatur des Kollegen vor ihm schüttete. Doch die Wiederholung zeigte: alles sauber.

In den letzten Minuten warf Sucre alles nach vorne. Makar Sjomin schoss in der 91. Minute aus 20 Metern, Krejci in der 92. - beide Male knapp vorbei. Tigre verteidigte mit allem, was Beine hatte. "Wir haben uns hinten reingestellt wie eine Wand aus Beton", sagte Verteidiger Ramon Nene, der mit seinen 18 Jahren seinen ersten Startelfeinsatz feiern durfte. "Ich hab jeden Ball gefühlt mit dem Schienbein gestoppt."

Statistisch betrachtet war das Spiel kein Leckerbissen: kein rotes Kartenfestival, keine wilden Formationswechsel, beide Teams taktisch ausgewogen, fast schon meditativ. Aber es war ein hart umkämpftes, ehrliches 1:0 - das, was man in Südamerika wohl als "Partido con alma" bezeichnet.

Sestaks Treffer brachte Tigre Santa Cruz den zweiten Sieg in Serie und ein Lächeln auf die Gesichter der mitgereisten Fans. Sucre hingegen muss weiter auf den ersten Heimsieg warten. Beim Verlassen des Stadions murmelte ein älterer Anhänger: "Wenn wir schon keinen Sturm haben, dann wenigstens Wind."

Vielleicht weht der demnächst aus einer anderen Richtung. Bis dahin bleibt den Fans nur, sich an die alte Fußballweisheit zu erinnern: Wer vorne nicht trifft, kriegt hinten einen rein - und manchmal reicht eben ein einziger Schuss, um ganze Städte zum Schweigen zu bringen.

22.02.643987 19:28
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Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.
Andreas Möller
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