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Es war ein lauer Mai-Abend in Tirat Carmel, doch auf dem Rasen kochte es schon nach wenigen Minuten: 44.908 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen ein Spiel, das weniger von Taktiktafeln als von Herzblut lebte. Am Ende jubelte der Gastgeber - Tirat Carmel FC bezwang die Raanana Reds mit 2:1 (1:1) und feierte einen Sieg, der zwar knapp, aber verdient war. Trainerin Babsi Klemm hatte ihre Mannschaft offensiv eingestellt, und das war deutlich zu sehen. "Wir wollten zeigen, dass wir auch gegen technisch starke Teams wie Raanana mutig nach vorne spielen können", sagte Klemm später - und grinste, als sie hinzufügte: "Gut, dass unsere Innenverteidiger das offenbar wörtlich genommen haben." Denn das 1:0 fiel in der 24. Minute - und zwar durch Innenverteidiger Robert Catalano. Nach einer Ecke von Bram Sleeper stieg der bullige Abwehrmann höher als alle anderen, wuchtete den Ball per Kopf ins Netz und ließ sich feiern, als hätte er gerade das Champions-League-Finale entschieden. "Ich hab einfach gedacht: Wenn schon keiner trifft, mach ich’s halt selbst", lachte Catalano nach dem Spiel. Doch die Freude hielt nicht lange. Nur sechs Minuten später kombinierten sich die Gäste aus Raanana fein durch die Mitte: Rechtsverteidiger Michael Benado flankte butterweich in den Strafraum, wo Alexander Bail, der zentrale Mittelfeldlenker der Reds, volley zum 1:1 traf. Ein Tor, das die starke Spielanlage von Trainer Levi Ackermans Team unterstrich. "Ein schöner Angriff, ja", nickte Ackerman nachdenklich. "Aber Schönheit bringt keine Punkte." Die erste Halbzeit blieb danach ein Schlagabtausch zweier Teams, die offenbar beschlossen hatten, Defensive sei etwas für andere. 12:14 Torschüsse am Ende des Spiels sprechen Bände - und dass Raanana mit 53 Prozent Ballbesitz optisch überlegen schien, half ihnen auch nicht. Tirat Carmel spielte schnörkellos, manchmal wild, aber immer gefährlich. Nach dem Seitenwechsel dann der Moment, der das Spiel entschied: In der 58. Minute zog Rechtsmittelfeldspieler Rasmus Clausen nach einem feinen Zuspiel von Isidoro Oliveira von der Strafraumgrenze ab - flach, präzise, unhaltbar. 2:1 für Tirat Carmel. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", erklärte Clausen später. "Ich hatte einfach das Gefühl, dass der Ball genau da reingehen will." Die Reds versuchten danach alles. Menachem Shitrit prüfte Torhüter Georg Danielsen mehrfach, Miguel Salvadorez bekam in der 84. Minute Gelb, weil er bei einem Freistoß zu leidenschaftlich protestierte ("Ich wollte nur dem Schiedsrichter erklären, wie Physik funktioniert", verteidigte er sich). Doch Tirat Carmel verteidigte mit allem, was noch Beine hatte - und manchmal auch mit purem Willen. In der 65. Minute wechselte Ackerman frischen Wind ein: Dalia Levinger musste vom Feld, Nicolas Fryer kam. Doch die erhoffte Wende blieb aus. Stattdessen verfluchte der Raanana-Coach die Präzision seiner Stürmer. "Wir hätten noch eine halbe Stunde weiterspielen können, und Menachem hätte trotzdem ins Fangnetz gezielt", schimpfte er halb im Spaß, halb im Ernst. Während die Gäste mit zunehmender Verzweiflung anrannten, verlegte sich Tirat Carmel auf Konter. Besonders Frans Dahl hatte Chancen im Minutentakt - in der 70., 72., 76. und 88. Minute prüfte er den Gästekeeper Mordechai Sahar, der sich mehrfach auszeichnen konnte. "Wenn der Ball nicht rein will, will er halt nicht", meinte Dahl achselzuckend. "Aber egal - drei Punkte sind drei Punkte." Am Ende stand ein 2:1, das die Zuschauer mit stehenden Ovationen feierten. Die Statistik mag knapp gewesen sein, doch das Spiel hatte einen klaren Sieger in Sachen Leidenschaft. Tirat Carmel zeigte, dass Einsatz manchmal wichtiger ist als Ballbesitz, während Raanana an der eigenen Effizienz scheiterte. Babsi Klemm feierte nach Abpfiff ausgelassen mit ihrer Mannschaft, doch in der Pressekonferenz blieb sie gewohnt ironisch: "Ich sage meinen Jungs immer: Wenn der Innenverteidiger trifft, dann war das Spiel entweder chaotisch oder genial. Heute war’s beides." Und so verließ man das Stadion mit einem Schmunzeln. Die Fans sangen, die Trainer philosophierten, und irgendwo in der Kabine soll Robert Catalano gerufen haben: "Ich bleib jetzt Stürmer!" - worauf Klemm trocken antwortete: "Nur wenn du auch weiter triffst." Ein Abend, wie ihn der Fußball liebt - laut, emotional und mit dem kleinen Beweis, dass ein Verteidiger manchmal den Unterschied macht. 19.11.643999 11:53 |
Sprücheklopfer
Ich würde gegen die Italiener natürlich gerne mit zwei Stürmern spielen. Aber diese personellen Diskussionen werden bei uns gerne geführt. Wir haben in Österreich acht Millionen Einwohner, davon sind sechs Millionen Teamchef. Wenn man die alle fragen würde, hätten wir 3,5 Millionen verschiedene Aufstellungen.
Toni Polster