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Tirat Carmel FC siegt spät - Kiryat Shmona Red bricht in Unterzahl ein

36.000 Zuschauer im Kiryat-Stadion erlebten an diesem lauen Maiabend ein Lehrstück darüber, wie Geduld und physische Überlegenheit ein Spiel kippen können. Am Ende stand ein klares 0:3 (0:0) zwischen Kiryat Shmona Red und Tirat Carmel FC - ein Ergebnis, das die Gäste mit harter Arbeit, Nervenstärke und einem späten Offensivrausch erzielten.

Dabei hatte in der ersten Halbzeit noch wenig auf ein Schützenfest hingedeutet. Tirat Carmel begann zwar druckvoll, Claude Gaudin prüfte bereits nach einer Minute den heimischen Keeper Juanito Garcez, doch der 32-Jährige im roten Trikot hielt, was zu halten war. "Ich hatte das Gefühl, der Ball klebt an mir", grinste Garcez später - damals ahnte er wohl noch nicht, dass dieser Klebstoff in Hälfte zwei verdunsten würde.

Die Gäste schossen aus allen Lagen: 16 Torschüsse zählte die Statistik am Ende, während Kiryat Shmona ganze zwei harmlose Versuche zustandebrachte. Trotzdem blieb es lange torlos, auch weil Tirats Mittelfeldmotor Ivica Jovanovic nach 41 Minuten verletzt ausschied. Trainerin Babsi Klemm reagierte sofort: "Ich wollte kein Risiko. Rasmus Clausen war heiß wie Frittenfett - den musste ich bringen." Ein Satz, der sich später als prophetisch erweisen sollte.

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich das Kräfteverhältnis endgültig: Tirat Carmel blieb offensiv, aggressiv, mit starkem Pressing - Kiryat Shmona dagegen wirkte zunehmend gehemmt. In der 59. Minute dann der Knackpunkt: Rechawam Benado, gerade mal 18, grätschte übermotiviert in den schnellen Frans Dahl hinein. Rot. Ohne Diskussion. Während der junge Verteidiger mit verweinten Augen vom Platz schlich, kommentierte sein Trainer lakonisch: "Er wollte den Ball - leider auch die Beine."

Mit zehn Mann war Kiryat Shmona praktisch zum Überleben verurteilt. Tirat Carmel witterte Blut. In der 73. Minute war es dann soweit: Ansgar Henriksson steckte durch auf Claude Gaudin, der elegant an Garcez vorbeischob - 0:1. Der Franzose riss die Arme hoch, grinste breit und rief in Richtung Trainerbank: "Das war erst der Anfang!"

Und er sollte recht behalten. In der 84. Minute drosch Sigurd Carlsen, der bullige Rechtsaußen, nach einer Kopfballvorlage von Innenverteidiger Leandro Djalo den Ball humorlos ins Netz. 0:2. Die Fans auf der Gästetribüne feierten, als sei der Abstieg schon verhindert. Kiryat Shmona hingegen wirkte wie ein Boxer, der zwar noch steht, aber längst die Deckung verloren hat.

Der Schlusspunkt gehörte erneut Gaudin. In der 90. Minute - während die Heimabwehr mehr mit dem Schlusspfiff als mit dem Ball beschäftigt war - legte Rasmus Clausen uneigennützig quer, Gaudin schob ein. 0:3. Eiskalt, abgeklärt, typisch Tirat.

"Wir haben unsere Linie behalten, selbst als es zäh wurde", sagte Trainerin Klemm nach dem Spiel mit einem zufriedenen Lächeln. "Die Jungs wissen, dass man Spiele auch in der 90. Minute noch vergolden kann." Ihr Gegenüber dagegen suchte nach Worten. "Nach dem Platzverweis war’s wie Schach mit neun Bauern - da hilft auch kein Ballbesitz mehr", murmelte er. Tatsächlich hatte sein Team mit 47 Prozent kaum weniger vom Spiel, aber deutlich weniger daraus gemacht.

Die Statistik erzählte die Geschichte nüchtern: 16:2 Schüsse auf das Tor, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Tirat Carmel, drei Tore in 17 Minuten. Aber auf dem Platz fühlte es sich an wie ein schleichendes Drama - eines, das mit einem roten Karton begann und mit einem französischen Doppelschlag endete.

Fans von Kiryat Shmona Red verließen schon vor dem Abpfiff das Stadion. Ein älterer Herr in rotblauer Kappe schimpfte: "Die Jungs sind noch grün hinter den Ohren. Vielleicht sollten sie erst mal Abwehr üben, bevor sie TikToks machen."

Und so endete ein Abend, an dem Tirat Carmel FC mit eiserner Disziplin und späten Treffern seine Ambitionen in der 1. Liga Israel untermauerte - und Kiryat Shmona Red die bittere Lektion erhielt, dass Fußballspiele selten nach Sympathiepunkten entschieden werden.

Ein kleiner Trost bleibt: Auch ein 0:3 kann lehrreich sein. Und wer weiß - vielleicht ist Rechawam Benado in ein paar Jahren der coolste Verteidiger des Landes. Nur eben mit etwas besserem Timing.

08.02.644000 12:25
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