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Es war ein lauer Februarabend in Ramat HaSharon, 20:30 Uhr, Flutlicht, 36.436 Zuschauer - und vermutlich auch etliche, die sich gegen Ende fragten, warum sie den Regenschirm, aber nicht den Mut des Heimteams eingepackt hatten. Denn was Tirat Carmel FC im ersten Durchgang veranstaltete, war weniger Fußballspiel, sondern eher eine Lehrstunde in Sachen Flügelspiel und Konsequenz. Am Ende hieß es 1:3 (1:3), und das Ergebnis schmeichelte den Gastgebern fast noch. Dabei begann alles recht verheißungsvoll für die Hausherren. Nach elf Minuten donnerte Lionel Galindo, der linke Mittelfeldmann mit der Präzision eines Uhrwerks, den Ball nach Vorarbeit von Ramon Frechaut zum 1:0 ins Netz. Der Jubel war groß, die Hoffnung keimte - kurz. Denn was danach geschah, war Tirat Carmel pur: schnell, aggressiv, und immer einen Schritt früher am Ball. Trainer Babsi Klemm hatte ihre Mannschaft klar eingestellt: offensiv, druckvoll über die Flügel, aggressiv im Zweikampf. "Wir wollten sie gar nicht atmen lassen", lachte Klemm nach dem Spiel, als sie mit der Gelassenheit eines Menschen sprach, der wusste, dass ihr Plan aufging. Und wie! In der 30. Minute war es Joel Cantwell, der nach schöner Vorarbeit von Espen Brinkerhoff den Ausgleich erzielte. Ein Treffer, der sinnbildlich für das Spiel stand: links raus, Flanke, Volley - Tor. "Ich hatte kurz Angst, der Ball fliegt in die Kantine", witzelte Cantwell später, "aber dann passte er genau." Nur elf Minuten später drehte Ivica Jovanovic das Spiel endgültig. Erst verwertete er in der 41. Minute eine Vorlage von Claude Gaudin, dann legte er in der 43. Minute nach - diesmal nach Zuspiel von Hjalmar Dalgaard. Zwei Treffer, zwei Mal dieselbe Szene: rechte Seite, Tempo, Abschluss. Ramat HaSharons Abwehr wirkte in diesen Momenten wie ein Stuhlbein nach dem dritten Bier - wacklig, aber noch irgendwie aufrecht. Zur Pause stand es 1:3, und man hatte das Gefühl, dass Tirat Carmel noch Lust auf mehr hatte. Doch in der zweiten Hälfte beschränkten sich die Gäste darauf, das Spiel zu verwalten - und das taten sie souverän. Zwar hatte Ramat HaSharon mit 51,8 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch was nützt das, wenn der Ball meist in der eigenen Hälfte kreist? "Wir haben den Ball gut laufen lassen, aber irgendwie lief er selten in die richtige Richtung", murmelte Heimtrainer Joshua Douglas nach dem Schlusspfiff und kaute dabei auf seiner Wasserflasche herum. "Vielleicht hätten wir auch mal über die Flügel kommen sollen - aber das war ja heute eher das Ding der anderen." Die Zahlen sprechen ohnehin eine klare Sprache: 17 Torschüsse für Tirat Carmel, nur 8 für die Gastgeber. Dazu eine Zweikampfquote von 53 zu 47 Prozent für die Gäste - keine erdrückende Dominanz, aber eine spürbare. Und wenn man ehrlich ist: Tirat Carmel spielte mit einer Selbstverständlichkeit, die an große Tage erinnerte. In der 68. Minute sah Kacper Wojciechowski noch Gelb - wohl die einzige Unachtsamkeit der Gäste, die sonst fast fehlerfrei agierten. Der Rest war Routine: sicherer Ballbesitz, cleveres Zeitspiel, ein Torwart, Edward Whitman, der mehr Bälle festhielt als ein Jongleur auf Koffein. Ramat HaSharon versuchte es noch einmal mit Luis Obregon und Gal Buzaglo, beide mit Abschlüssen, die jedoch mehr in die Kategorie "optimistisch" als "gefährlich" fielen. Und so tropfte die Partie irgendwann nur noch aus - wie ein Wasserhahn, den niemand mehr richtig zudreht. Nach dem Schlusspfiff herrschte gespenstische Stille auf den Rängen. Nur ein paar tapfere Fans klatschten, als Galindo sich bedankte. "Wir haben Herz gezeigt", sagte er, "aber Herz allein gewinnt halt keine Spiele." Stimmt, möchte man hinzufügen - besonders nicht gegen eine Mannschaft, die mit Flügeln spielt, als wären sie frisch gewachsen. Trainerin Klemm fasste es später trocken zusammen: "Wir haben Ramat HaSharon auf dem falschen Fuß erwischt - auf beiden, eigentlich." Und während sie lachte, schien klar: Diese Mannschaft hat nicht nur Tempo und Technik, sondern auch Humor. Ein Spiel, das zeigte, wie schmal der Grat zwischen Hoffnung und Ernüchterung ist - und wie schön es sein kann, wenn Fußball so leicht aussieht. Ramat HaSharon wird sich schütteln müssen, Tirat Carmel darf fliegen. Und wer weiß - vielleicht war dieser Abend der Beginn eines Höhenflugs. Oder, wie es ein Zuschauer im Abgang murmelte: "Wenn man Flügel hat, sollte man sie auch benutzen." Tirat Carmel tat genau das. 03.07.643990 19:33 |
Sprücheklopfer
Darüber muss sich jeder Einzelne ein Urteil machen. Ich mache das jedenfalls nicht.
Oliver Kahn auf die Frage, ob ein Tor auf seine Kappe gegangen sei