Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Tirat Carmel jubelt spät - Ramat HaSharon verliert den Faden

Es war einer dieser Abende im Stadion von Tirat Carmel, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott zuerst Kaffee oder Tee trinkt. 35.633 Zuschauer hatten sich am kühlen 7. Januar zum 7. Spieltag der 1. Liga Israel eingefunden - und bekamen zunächst eine Partie serviert, die nach 45 Minuten eher nach Baldriantee als nach Espresso schmeckte. Doch dann kam die 77. Minute, ein gewisser Joel Cantwell, und plötzlich war Feuer in der Bude.

Bis dahin war es ein zähes Ringen um Räume und Rhythmus. Tirat Carmel FC, unter der resoluten Leitung von Trainerin Babsi Klemm, begann offensiv ausgerichtet, mit Mut und mehr Enthusiasmus als Präzision. Schon in der 4. Minute prüfte Joel Miller mit einem satten Schuss den Gästetorwart Maurice Devereux - und der hielt, als wolle er seine Bewerbung fürs Nationalteam gleich mitschicken. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber der Kerl fliegt wie ein Känguru auf Red Bull", scherzte Klemm nach dem Spiel.

Ramat HaSharon, mit deutlich mehr Ballbesitz (54 Prozent), schien das Geschehen zunächst im Griff zu haben. Doch ihre Angriffe verpufften regelmäßig im Nirwana der Tirat-Abwehr. Carl Bischoff versuchte es in der 13. Minute, Hans Janssen kurz vor der Pause - beide Male stand Edward Whitman zwischen den Pfosten goldrichtig. "Er hat einfach eine magnetische Beziehung zum Ball", grinste Innenverteidiger Leandro Djalo später, "leider nur, wenn’s der eigene Torwart ist."

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Tirat Carmel rackerte, biss, schoss - und scheiterte. Espen Brinkerhoff, der quirlige Linksaußen, verzog in der 5. Minute, Rahim Erkin zielte in der 16. zu genau auf den Keeper, und Mittelstürmer Isidoro Oliveira hatte gleich drei gute Gelegenheiten, von denen jede in der Theorie ein Tor war - in der Praxis aber nur ein leicht verärgerter Blick zum Himmel.

Dann, Minute 77: Brinkerhoff zieht über links an, flankt butterweich ins Zentrum, wo Cantwell eingelaufen kommt. Ein kurzer Blick, ein flacher Schuss - 1:0. Das Stadion explodiert. Der Torschütze ballt die Fäuste, Klemm springt wie von der Tarantel gestochen an der Seitenlinie, und Ramat HaSharon schaut sich verdutzt an, als habe jemand die Spielregeln geändert. "Das war kein Zufall", sagte Cantwell hinterher mit einem Grinsen. "Ich hab Espen vor dem Spiel gesagt: Wenn du die Flanke bringst, mach ich den rein. Er meinte nur: ’Dann bring du den Kaffee.’ Jetzt sind wir beide schuld."

Ramat HaSharon versuchte danach, wieder Ordnung ins Spiel zu bringen, doch Tirat Carmel roch Blut. Und in der 84. Minute kam der endgültige Stich: Innenverteidiger Djalo leitete mit einem langen Pass den Angriff ein, Rasmus Clausen zog von rechts nach innen und schlenzte das Leder sehenswert ins lange Eck - 2:0. Der rechte Mittelfeldmann jubelte ausgelassen, sah aber nur eine Minute später Gelb für zu intensives Feiern. "Ich hab einfach vergessen, dass ich schon einmal verwarnt war", gab er später zu. Dumm nur, dass er in der 88. Minute noch eine Gelb-Rote kassierte - ein kleines Souvenir an die Euphorie. "Er hat’s ein bisschen zu gut gemeint mit der Leidenschaft", kommentierte Klemm trocken.

Taktisch blieb Tirat Carmel seiner offensiven Linie treu, während Ramat HaSharon, so ausgeglichen sie sich auch gaben, am Ende wohl lieber etwas Mut getankt hätten. 15 Torschüsse - dreimal so viele wie die Gäste - sprechen eine deutliche Sprache. Und die Zweikampfquote von 55 Prozent zeigt, dass Einsatz auch ohne Ballbesitz belohnt wird.

Trainerin Klemm wirkte nach dem Schlusspfiff erleichtert, aber auch ein wenig verschmitzt: "Ich hab den Jungs in der Pause gesagt, wir müssen einfach weitermachen, irgendwann knackt es. Ich meinte die Abwehrreihe des Gegners - nicht den Geduldsfaden der Fans."

Auf der anderen Seite versuchte Ramat-Coach (dessen Name in den Unterlagen nur als "Gasttrainer" auftauchte) die Niederlage zu erklären: "Wir hatten den Ball, aber die Tore zählen nun mal vorne. Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal das Tor mitnehmen."

So endete ein Spiel, das lange auf der Kippe stand und dann doch klar entschieden wurde. Tirat Carmel FC siegt 2:0, bleibt im oberen Tabellenviertel und darf weiter vom europäischen Geschäft träumen - oder wenigstens vom nächsten Heimsieg.

Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, meinte ein älterer Fan auf der Tribüne trocken: "Schön, dass sie’s noch können - ich hatte schon mein Handy gezückt, um mir Cricket anzuschauen." Man kann ihm kaum widersprechen.

29.03.643987 13:50
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Muss ich das jetzt als Frage verstehen oder die Antwort so beantworten, wie Sie sie in Ihre Frage reingelegt haben? Sie haben Ihre Frage so gestellt, dass ich das Gefühl haben muss, als wenn ich das, was Sie gerade gesagt haben, vorher schon gesagt hätte. Das habe ich aber nicht gesagt. Dem, was ich gesagt habe, möchte ich nichts hinzufügen.
Erich Ribbeck
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