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Wenn 35.235 Zuschauer in Haifa erst in der Nachspielzeit kollektiv seufzen, dann war es ein langer, mühsamer Abend im Sammy-Ofer-Stadion. Maccabi Haifa verlor am 16. Spieltag der 1. Liga Israel mit 0:2 gegen Tirat Carmel FC - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber in seiner Entstehung eine Geschichte aus Geduld, Härte und einem Hauch Fußball-Ironie erzählt. Von Beginn an machte der Gast aus Tirat Carmel klar, dass er nichts mitgebracht hatte außer Mut, Muskelkraft und einen unverschämten Offensivdrang. 16 Schüsse aufs Tor - eine Zahl, die man in Haifa zuletzt wohl nur aus Trainingsstatistiken kannte. Schon in der 9. Minute prüfte Claude Gaudin Haifas Keeper Pieter Mesick mit einem satten Linksschuss. "Ich wollte nur sehen, ob der wach ist", grinste Gaudin später. Er war es. Noch. Maccabi dagegen spielte kontrolliert, beinahe höflich. 50 Prozent Ballbesitz, aber kaum Biss. Trainer David Goldmann hatte seine Elf ausgewogen eingestellt, "balanced", wie es auf dem Taktikzettel stand. Übersetzt bedeutete das: Wir laufen mit, aber wir beißen nicht. Tirat Carmel coach Babsi Klemm, eine Frau, die für ihre schnörkellose Art bekannt ist, sah das naturgemäß anders. "Wir sind hier, um Tore zu schießen, nicht um den Rasen zu bewundern", bellte sie schon in der 20. Minute von der Seitenlinie. Ihre Abwehrspieler nickten - und ihre Stürmer verstanden. Nach einer halben Stunde schien Maccabi kurz aufzuwachen. Der junge Ghalib Wahbi zog über links an, probierte es in der 42. Minute mit einem Distanzschuss - der erste echte Torschuss der Hausherren. Doch Torwart Edward Whitman im Kasten der Gäste wirkte unerschütterlich, als würde er lieber Kreuzworträtsel lösen als Bälle fangen. Dann, in der 45. Minute, schlug Tirat Carmel zu. Ethan Marley, der zentrale Mittelfeldmann, nahm einen Pass von Innenverteidiger Eugenio Conte auf, drehte sich mit der Eleganz eines Stepptänzers und drosch den Ball aus 18 Metern ins Netz. 0:1 - pünktlich zum Pausentee. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Marley später lachend zu. "Aber der Ball hatte andere Pläne." Die zweite Halbzeit begann mit einem Versuch zur Rebellion: Menachem Tartman prüfte Whitman gleich nach Wiederanpfiff (46.), doch der Ball landete - wie so vieles an diesem Abend - in den sicheren Händen des Gästekeepers. Danach übernahm wieder Tirat Carmel das Kommando. Rahim Erkin, Sigurd Carlsen, Claude Gaudin - sie alle feuerten, als gäbe es für jeden Schuss einen Bonuspunkt vom Verband. Maccabis Antwort? Drei Gelbe Karten. Amit Shitrit (48.), Levi Goldmann (75.) und Filip Samuelsson (82.) sammelten Verwarnungen, als wollten sie wenigstens in dieser Statistik mithalten. Trainer Goldmann sah das anders: "Wir waren zu brav, bis wir zu spät frech wurden." Und so kam, was kommen musste. In der 94. Minute, als Haifa alles nach vorn warf, konterte Tirat Carmel mit chirurgischer Präzision. Wieder war Conte der Ausgangspunkt, diesmal schickte er den Norweger Sigurd Carlsen in die Tiefe. Der lief, schaute, schoss - 0:2. Ein Treffer wie ein kalter Windstoß durch das Stadion. "Ich hab nur gehofft, dass der Schiri endlich abpfeift, bevor noch einer von uns den Ball ins eigene Tor legt", murmelte ein Haifa-Fan auf der Tribüne, während die Grün-Weißen bedröppelt vom Platz schlichen. Statistisch gesehen war es ein ausgeglichenes Spiel - zumindest, wenn man den Ballbesitz betrachtet. Doch die Zahlen lügen nicht: 3 zu 16 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Tirat Carmel war einfach gieriger, mutiger, frecher. Und vielleicht auch ein bisschen besser gelaunt. Babsi Klemm brachte es auf den Punkt: "Wir haben offensiv gespielt, aggressiv, und manchmal sieht das chaotisch aus. Aber Chaos ist schließlich nur Ordnung, die noch Spaß hat." Für Maccabi Haifa bleibt nach diesem Abend vor allem die Erkenntnis, dass Ausgeglichenheit im Fußball selten belohnt wird. In einer Liga, in der jeder Punkt zählt, hat man an diesem Abend zwei verschenkt - und die Fans ein paar Nerven mehr. Oder wie ein älterer Herr beim Hinausgehen sagte: "Früher haben wir wenigstens schön verloren. Heute ist’s nur noch leise." Ein bitterer, aber ehrlicher Kommentar zu einem Spiel, das zeigte: Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - manchmal gewinnt einfach das Team, das öfter schießt. 01.12.643999 01:42 |
Sprücheklopfer
Ich würde gegen die Italiener natürlich gerne mit zwei Stürmern spielen. Aber diese personellen Diskussionen werden bei uns gerne geführt. Wir haben in Österreich acht Millionen Einwohner, davon sind sechs Millionen Teamchef. Wenn man die alle fragen würde, hätten wir 3,5 Millionen verschiedene Aufstellungen.
Toni Polster