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Es gibt Fußballabende, an denen das Ergebnis lauter spricht als jede Analyse. Das 0:3-Debakel von Sakhnin United gegen Tirat Carmel FC am 11. Spieltag der 1. Liga Israel war genau so einer - ein Spiel, das zunächst nach Gleichgewicht roch und dann in 14 Minuten in seine Einzelteile zerfiel. Vor 40.457 Zuschauern im ausverkauften Stadion von Sakhnin begann die Partie harmlos, fast freundlich. Beide Teams tasteten sich ab, Ballbesitz fast pari (48,7 zu 51,3 Prozent), Pässe sauber, Torschüsse verteilt. Tirat Carmels Coach Babsi Klemm schickte ihre Elf mit einer klar offensiven Marschroute über die Flügel aufs Feld, während Sakhnin-Trainer Dani Schu auf offensives, aber geordnetes Spiel durch die Mitte setzte. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte Schu später mit einem leicht gequälten Lächeln. "Leider hat das ab Minute 57 nicht mehr ganz so geklappt." Bis dahin war es tatsächlich ein offenes Duell. Eli Cohen prüfte in der 4. Minute Carmels Torwart Edward Whitman, und auch Pinchas Liwni sorgte in der 14. Minute für ein Raunen auf den Rängen. Doch Whitman hatte einen dieser Abende, an denen er wohl auch mit verbundenen Augen gehalten hätte. Dann, in der 57. Minute, fiel der erste Dominostein. Rasmus Clausen hatte auf der rechten Seite Platz wie auf einem Trainingsplatz, flankte präzise auf Jelle Brill, der den Ball per Kopf in den Strafraum verlängerte. Dort stand Isidoro Oliveira, Tirats bulliger Mittelstürmer, und drosch das Leder unaufhaltsam unter die Latte - 0:1. Der Jubel der Gäste war laut, aber nicht übertrieben; man ahnte wohl, dass da noch was ging. Nur zwei Minuten später tat derselbe Oliveira das, was er am liebsten tut: Tore schießen. Diesmal nach feiner Vorarbeit von Clausen, der Sakhnins Abwehr mit einem simplen Haken aushebelte. Oliveira nahm Maß, ein kurzer Blick - und schon zappelte der Ball wieder im Netz. 0:2. Trainer Klemm drehte sich zur Bank und grinste: "Ich hab’s euch gesagt, der Isidoro ist heiß heute." Sakhnin versuchte, sich zu fangen. Schu reagierte und brachte in der 58. Minute den erfahrenen Samuel Roades für Joseph Donovan. Doch die Ordnung blieb brüchig. In der 69. Minute kassierte Rechtsverteidiger Jitzchak Eschkol Gelb, nachdem er Frans Dahl resolut - manche sagen übermotiviert - stoppte. Zwei Minuten später dann der endgültige Knockout: Der eingewechselte Sigurd Carlsen, frisch und frech, nutzte eine schöne Kombination über Espen Brinkerhoff und Frans Dahl zum 0:3. Carlsen blieb nach dem Tor seelenruhig, ließ sich von seinen Mitspielern feiern und meinte später trocken: "Ich hab einfach geschossen, weil keiner da war, der’s verhindert hätte." Ab da war’s eine Lehrstunde. Tirat Carmel spielte die Partie clever runter, ließ Ball und Gegner laufen und gönnte sich noch einige Distanzschüsse - 14 Torschüsse insgesamt, doppelt so viele wie die Gastgeber. Oliveira durfte in der 77. Minute unter Applaus raus, Claude Gaudin kam rein. "Ich wollte ihm den Moment lassen", sagte Klemm später. "Er hat’s sich verdient - zwei Tore, keine Manier, aber viel Stil." Sakhnin United dagegen wirkte ratlos. Ben Katzaw mühte sich im Sturmzentrum ab, hatte in der 80. und 90. Minute noch zwei ordentliche Abschlüsse, doch Whitman blieb unbezwingbar. Nach Abpfiff stand Trainer Schu mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte: "Wir haben offensiv gespielt, aber offenbar das falsche Tor im Kopf gehabt." Taktisch war’s ein Spiegelbild der Statistik: Carmel mit leichtem Ballbesitzvorteil, höherer Aggressivität, effektivem Pressing ab der 46. Minute und eiskalter Chancenverwertung. Sakhnin dagegen blieb bemüht, aber harmlos - sieben Schüsse aufs Tor, null Treffer, kein Trost. "Manchmal musst du Lehrgeld zahlen", meinte Kapitän Fernando da Costa und zuckte mit den Schultern. "Heute war’s teuer." Für Tirat Carmel FC war es ein Statement-Sieg - Auswärtsspiel, Flutlicht, drei Tore, kein Gegentor. Für Sakhnin United bleibt die Erkenntnis, dass offensives Denken ohne defensive Balance selten belohnt wird. Oder, wie eine ältere Dame auf der Tribüne beim Verlassen des Stadions sagte: "Schöne Pässe, aber Tore zählen halt mehr." Ein Fazit, das Dani Schu wohl unterschreiben würde - wenn er nicht gerade das nächste Abwehrtraining plant. 07.03.643994 06:07 |
Sprücheklopfer
Das Chancenplus war ausgeglichen.
Lothar Matthäus