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Ein lauer Maiabend, 53.206 Zuschauer, Flutlicht - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst. Tirat Carmel FC und Hapoel Ramat PKI lieferten sich am 18. Spieltag der 1. Liga Israel ein Duell, das mehr Wendungen hatte als ein Tel Aviver Taxifahrer auf der Suche nach der schnellsten Route. Am Ende jubelten die Gäste aus Ramat PKI über ein 3:2, während die Hausherren aus Tirat Carmel sich fragten, wie man mit zehn Torschüssen und fast 49 Prozent Ballbesitz trotzdem als Verlierer vom Platz gehen kann. Der Auftakt war ein Weckruf mit Nebelhorn: Bereits in der 5. Minute traf Hapoels Innenverteidiger Giulio Celico nach einer Ecke von Anton Hanson per Kopf - ein Verteidiger als Torschütze, das sagt oft schon viel über die Entschlossenheit einer Mannschaft aus. "Ich wollte eigentlich nur klären, dann war der Ball drin", grinste Celico nach dem Spiel, während Trainer Marco Maciadi trocken kommentierte: "Wenn die Innenverteidiger treffen, läuft’s meist gut - oder sehr schlecht. Heute war’s das Erste." Tirat Carmel brauchte ein paar Minuten, um die Schockstarre abzuschütteln, fand dann aber über die Flügel zurück ins Spiel. In der 23. Minute zirkelte Rasmus Clausen den Ball nach Vorarbeit von Hjalmar Dalgaard ins lange Eck - ein technisches Kabinettstück, das selbst Trainerin Babsi Klemm kurz applaudieren ließ. "Rasmus hat das im Training ein paar Mal versucht - meistens landete der Ball auf dem Parkplatz. Heute passte alles", sagte sie mit einem Augenzwinkern. Doch wer glaubte, das Spiel würde sich nun beruhigen, wurde eines Besseren belehrt. Nur elf Minuten später schlug Hapoel erneut zu: Joao de Gogorza, eigentlich ebenfalls Innenverteidiger, köpfte nach Flanke von - richtig geraten - Giulio Celico das 2:1. Zwei Tore von Abwehrspielern - das hatte im Stadion fast etwas von einem Verteidiger-Festival. Kurz vor der Pause dann ein Schockmoment: Alfonso Djalo, Hapoels rechter Flügel, verletzte sich ohne Fremdeinwirkung und musste raus. Für ihn kam der junge Michael Dajan, 21 Jahre alt und sichtlich nervös. "Ich habe Babsi Klemm auf der anderen Seite gesehen und dachte kurz, das wäre meine Lehrerin - dann wusste ich: Wach bleiben!", scherzte Dajan später. Direkt nach Wiederanpfiff dann der erneute Ausgleich: Isidoro Oliveira verwertete eine butterweiche Vorlage von Clausen und schob zum 2:2 ein (47.). Tirat Carmel drückte nun aufs Gaspedal, angetrieben von den frenetischen Fans. Zwischen Minute 50 und 60 feuerten sie ein Offensivfeuerwerk ab, doch Sigurd Carlsen und Ethan Marley scheiterten jeweils knapp am glänzend reagierenden Gästekeeper Yekta Cakir. Als sich das Spiel in einen offenen Schlagabtausch verwandelte, setzte Hapoel den entscheidenden Stich. In der 70. Minute war es diesmal Sturmspitze Argün Aslan, der nach einem genialen Pass von Joao de Gogorza eiskalt blieb und zum 3:2 traf. Der Jubel war ohrenbetäubend - zumindest auf der kleinen Gästetribüne. "Wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben", sagte Aslan später, während sein Trainer Maciadi mit einem Grinsen ergänzte: "Ich überlege, ob ich Celico und de Gogorza in den Sturm stelle. Die Quote ist überragend." Tirat Carmel versuchte in der Schlussphase alles, doch Rahim Erkin vergab in der 74. Minute die große Ausgleichschance, und Carlsen setzte in der 87. den Ball freistehend über das Tor. Als Schiedsrichter Ben-Ari endlich abpfiff, sanken einige Carmel-Spieler auf den Rasen - erschöpft, enttäuscht, aber nicht chancenlos. Die Statistik sprach am Ende für ein ausgeglichenes Spiel: 10:9 Torschüsse, 48,6 zu 51,4 Prozent Ballbesitz, fast identische Zweikampfquoten. "Solche Spiele entscheiden Kleinigkeiten - und manchmal ein bisschen Glück", sagte Trainerin Klemm, die trotz der Niederlage gelassen blieb. "Wir haben offensiv gespielt, über die Flügel Druck gemacht, aber drei Gegentore durch Verteidiger - das hat was von Slapstick." Während Hapoel Ramat PKI jubelnd in die Kabine verschwand, blieb Tirat Carmel nachdenklich zurück. Doch die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus - vielleicht, weil sie spürten, dass da trotz der Niederlage etwas in Bewegung ist. Oder, wie ein älterer Fan im Ausgang murmelte: "Wenn wir so verlieren, können wir bald auch so gewinnen." Ein Satz, der Trainerin Klemm ein Lächeln entlockte, bevor sie Richtung Pressekonferenz ging - und wohl schon den nächsten Trainingsplan im Kopf hatte. Ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Ironie - und Verteidiger mit Tordrang. 04.01.644000 19:48 |
Sprücheklopfer
Ich würde gegen die Italiener natürlich gerne mit zwei Stürmern spielen. Aber diese personellen Diskussionen werden bei uns gerne geführt. Wir haben in Österreich acht Millionen Einwohner, davon sind sechs Millionen Teamchef. Wenn man die alle fragen würde, hätten wir 3,5 Millionen verschiedene Aufstellungen.
Toni Polster