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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 20.000 Zuschauer - und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, dem Publikum ein verspätetes Weihnachtsgeschenk zu machen. KSK Tököl zerlegte am 13. Spieltag der ungarischen 1. Liga den FC Szombathely mit 3:0 und bewies dabei, dass solide Balance und gepflegter Ballbesitz (52,7 Prozent) manchmal aufregender sein können als jedes wilde Pressing. Von Beginn an war klar, wer hier die Musik spielt. Schon in der zweiten Minute prüfte Joel Voss den gegnerischen Keeper mit einem satten Schuss - der Ball rauschte knapp vorbei, aber es war eine klare Ansage: "Heute wird geschossen, bis der Tornetzbespanner schwitzt", grinste Voss später. Das war keine leere Drohung. Tököl feuerte insgesamt 14 Mal aufs Tor, während Szombathely sich mit zwei kümmerlichen Versuchen begnügte. Das erste Tor fiel in der 22. Minute. Wieder Voss, diesmal mit chirurgischer Präzision. Nach einem feinen Zuspiel von Linksverteidiger Jeno Kohut nahm er den Ball volley und versenkte ihn ins lange Eck. Der Jubel war groß, Kohut schrie etwas in Richtung Tribüne, das wie "So spielt man Flügelverteidiger!" klang. Trainer und Taktikliebhaber hätten ihre Freude gehabt - das war ein Angriff, wie er im Lehrbuch steht. Die Gäste dagegen wirkten, als hätten sie das Lehrbuch vergessen. Ihr Kapitän Gabor Nyilasi versuchte, Ordnung ins Chaos zu bringen, aber spätestens nach seiner gelben Karte in der 73. Minute war klar: Es lief nichts. "Wir haben versucht, ruhig zu bleiben, aber irgendwann war der Ball einfach immer bei denen", seufzte Nyilasi nach dem Spiel. Nach der Pause änderte sich wenig. Tököl blieb "balanced", wie es in den Taktik-Notizen steht, aber das sah auf dem Platz eher nach "hochkonzentriertem Dauerangriff" aus. In der 72. Minute fiel das 2:0 - Felix Nelsen, der bis dahin mehr mit eleganten Flanken als mit Toren geglänzt hatte, vollendete nach Vorlage von Voss. Ein klassischer Doppelpass der Sorte "einmal kurz, einmal trocken". Nelsen lief jubelnd zur Eckfahne, breitete die Arme aus und sagte später schmunzelnd: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber dann dachte ich, warum nicht mal aufs Tor?" Szombathely versuchte noch, die Fassung zu wahren, kassierte aber stattdessen Verwarnungen: Rechtsverteidiger Tököli sah Gelb in der 55. Minute - als einziger seiner Mannschaft, der wenigstens kurz auffiel. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", erklärte er lachend. Und während die Gäste auf Schadensbegrenzung hofften, schaltete Tököl in der Nachspielzeit noch einmal hoch. In der 94. Minute machte Nelsen mit seinem zweiten Treffer den Deckel drauf, nach Vorarbeit von Agemar Maniche, der das Spiel mit einem butterweichen Pass in die Tiefe eröffnete. 3:0. Der Schlusspfiff kam als Erlösung für Szombathely - und als Belohnung für ein Publikum, das an diesem Abend Zeuge eines Mannschaftsfußballs in Reinform wurde. Trainerkommentare? Natürlich. "Ich habe selten so viel Disziplin in der Offensive gesehen", sagte Tököls Coach mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung lag. "Wir wollten den Ball laufen lassen - und das haben wir wörtlich genommen." Der gegnerische Trainer hingegen gab sich zerknirscht: "Wir hatten einen Plan", sagte er, "aber der Plan hatte wohl keine Lust." Statistisch gesehen war es eine klare Sache: Tököl mit mehr Schüssen, mehr Ballbesitz, besserer Zweikampfquote (56,6 Prozent) - und einer Abwehr, die sich kaum die Schuhe schmutzig machte. Torwart Julio Morte musste in 90 Minuten genau zweimal eingreifen, beide Male eher aus Langeweile. Kurzum: Ein souveräner Auftritt der Hausherren, die damit weiter oben anklopfen dürften. Und für Szombathely bleibt immerhin die Erkenntnis, dass man auch mit "balanced" Taktik sehr unausgeglichen aussehen kann. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Wenn Tököl so weitermacht, wird’s bald schwierig, sie zu stoppen - höchstens der Schlusspfiff." Ein leichtes Augenzwinkern sei erlaubt: Manchmal ist Fußball eben einfach - und manchmal spielt Tököl. 16.06.643987 17:52 |
Sprücheklopfer
Die Flanken von außen sind auch Roberto Carlos und Cafu denen ihre Spezialität.
Andreas Brehme