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Es war einer dieser Abende, an denen selbst der Platzwart die Pfeife zur Halbzeit nicht hören wollte: 4:4 endete das wilde Duell zwischen Valencia CF und dem FC San Sebastian - ein Spiel, das weniger an taktische Spanferkel als an ein offenes Feuerwerk erinnerte. 35.206 Zuschauer standen Kopf, und selbst die Reportertribüne wackelte, als acht Tore in 90 Minuten fielen. "Ich weiß gar nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll", lachte Valencias Trainer Sascha Schmidt nach Abpfiff. "So viele Tore schießen wir sonst in einem ganzen Monat - aber vier kassieren wir auch nicht alle Tage." Schon nach fünf Minuten begann der Wahnsinn: Rutger Haswell, Valencias bulliger Mittelstürmer, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Ediz Güven ins Netz - 1:0. Die Fans hatten sich gerade hingesetzt, da glich San Sebastian durch Pau Vasquez im Gegenzug aus. Der junge Flügelspieler nutzte eine Schlafmützigkeit in der heimischen Abwehr, und sein Schuss zischte unhaltbar für Francisco Pelegrin ins lange Eck. Es ging weiter Schlag auf Schlag. In der 17. Minute brachte Martin Dobias Valencia wieder in Front - nach einer butterweichen Flanke von Arno Baus. Nur 25 Minuten waren gespielt, und die Torschützenliste war schon so lang wie der Einkaufszettel eines Großfamilienvaters. Doch San Sebastian blieb eiskalt, vor allem ihr rechter Wirbelwind Jakob Larsson. Der Schwede stellte in der 42. Minute nach Vorlage von Vasquez den Ausgleich her - allerdings nur für zwei Minuten. Denn George Leech, Valencias Routinier mit der Stürmermentalität eines Straßenkickers, legte vor der Pause noch einen drauf. Nach Pass von Ernesto Nuno hämmerte er den Ball zum 3:2 unter die Latte. "Wir hatten das Gefühl, dass jeder Schuss ein Tor ist - und leider auch jeder gegnerische", grinste Leech später in der Mixed Zone. "Ich hätte nie gedacht, dass wir heute noch vier Stück kassieren, aber gut - Unterhaltung war’s allemal." Nach dem Seitenwechsel blieb Valencia zunächst tonangebend, mit 56 Prozent Ballbesitz und einer Passquote, die den Statistikern gefiel. Als Leech in der 56. Minute nach Vorlage von Esteban Ibano auf 4:2 stellte, sah alles danach aus, als würde Valencia die Punkte im Mestalla behalten. Doch San Sebastian dachte gar nicht daran, sich in die Pyrenäen zurückzuziehen. Nur zwei Minuten später verkürzte erneut Jakob Larsson, diesmal nach Vorarbeit von Michele Ferrari - ein Name, der auch auf einer Rennstrecke gut klingen würde. Dann kam die Phase, in der Valencia den Faden verlor. Vielleicht lag es an der Verletzung von Arno Baus (57.), vielleicht an der Gelben Karte für San Sebastians Jozef Kisel, die das Spiel etwas ruppiger machte. Jedenfalls übernahmen die Gäste zunehmend die Kontrolle - 20 Torschüsse insgesamt sprechen eine klare Sprache. In der 73. Minute war es soweit: Roberto De Luca, stets mit dem Charme eines Italo-Filmhelden, erzielte nach feinem Zuspiel von Ferrari den Ausgleich. 4:4 - und das Stadion vibrierte. Trainer Daniel Derksen von San Sebastian rieb sich nach dem Schlusspfiff die Hände: "Ich sag’s mal so - ich bin fast zufrieden. Wir wollten offensiv spielen, und das haben wir konsequent getan. Dass wir hinten vier kriegen, gehört wohl zum Konzept." Valencia-Coach Schmidt sah das naturgemäß etwas anders: "Wir haben zu naiv verteidigt. Aber wenn das Publikum am Ende klatscht, hast du als Trainer wenigstens das Gefühl, dass du nicht alles falsch gemacht hast." Die letzten Minuten waren pure Dramatik. Zwei Verletzungen, mehrere Schussversuche von San Sebastian, ein verzweifelter Rettungsversuch des eingewechselten Frank Fricke auf der Linie - und ein Publikum, das zwischen Herzrasen und Applaus pendelte. Als Schiedsrichter Martínez in der 94. Minute abpfiff, fiel selbst die elektronische Anzeigetafel erleichtert in den Ruhemodus. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum dieses Spiel in Erinnerung bleiben wird: Valencia 56 Prozent Ballbesitz, aber nur 10 Torschüsse - San Sebastian 20 Abschlüsse, dafür weniger Kontrolle. Beiden Mannschaften war die Offensive wichtiger als defensive Stabilität, und genau das machte den Abend zu einem Fußballfest. Zum Schluss sagte Valencias Torhüter Pelegrin mit einem Augenzwinkern: "Ich glaube, ich hatte heute mehr Ballkontakte im eigenen Netz als sonst im Training. Aber hey - Hauptsache kein 0:0." Und das fasst es wohl am besten zusammen: Ein Spiel wie ein Sommersturm - laut, wild, unberechenbar. In Valencia weiß man jetzt wieder, warum man Eintritt zahlt. Wer Tore sehen will, sollte sich das nächste Duell dieser beiden merken - am besten mit Ersatz-Herztabletten im Gepäck. 22.02.643987 19:30 |
Sprücheklopfer
Der Herr Kemmling müsste heute normalerweise richtig auf die Fresse kriegen.
Mario Basler