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Es war ein lauer Aprilabend in Budapest, 31.573 Zuschauer im Stadion, und viele von ihnen dürften sich nach 90 Minuten verwundert die Augen gerieben haben. Was als offener Schlagabtausch begann, endete in einem Fußballabend, der irgendwo zwischen Slapstick und Gala pendelte: Interval Gyor besiegte Vacas Budapest mit 6:3 (2:2) - und bewies, dass Offensivgeist manchmal einfach genügt, um jede Abwehrlogik auszuhebeln. Schon die ersten Minuten hatten etwas von einem Boxkampf mit offenen Visieren. Nach 13 Minuten zappelte der Ball das erste Mal im Netz, als Paul Schröter für Vacas eine Hereingabe von Csaba Filkor volley verwertete - 1:0, das Stadion vibrierte. Schröter riss die Arme hoch, als wolle er sagen: "Seht ihr? So einfach ist das!" Doch Interval Gyor hatte andere Pläne. Nur 13 Minuten später antwortete Francesco Frascineto. Der italienische Mittelstürmer, 23 Jahre jung und mit einem Instinkt, der an frühere Torjägerzeiten erinnert, drückte nach feinem Zuspiel von Robert Kona zum 1:1 ein. Als dann Cesar Frechaut in der 36. Minute nach Frascinetos Vorlage das 2:1 für die Gäste markierte, schien das Pendel zu kippen - ehe Vacas’ Jungstürmer Inigo Calderon im Gegenzug (38.) ausglich. 2:2 zur Pause, und der neutrale Beobachter wusste: Das wird kein Spiel für schwache Nerven. "In der Kabine habe ich gesagt: Jungs, wir haben’s im Griff - zumindest theoretisch", grinste Gyors Trainer Bertalan Totka später. Theoretisch, ja. Praktisch begann die zweite Hälfte mit einem Paukenschlag: Stig Jeppesen brachte Interval in der 49. Minute mit einem satten Rechtsschuss erneut in Führung. Alexandre Herbst hatte den Dänen mit einem Pass in die Tiefe bedient, der so präzise war, dass man ihn eigentlich rahmen müsste. Vacas stemmte sich dagegen, hatte durch Elemer Braun und Andre Viola gute Chancen, doch Gyors Angriffstrio Frascineto-Frechaut-Eisenhoffer war an diesem Abend schlicht nicht aufzuhalten. Frascineto legte in der 64. Minute nach - sein zweiter Treffer, diesmal nach Vorarbeit von Jeppesen. "Ich wusste, dass der Ball mich findet", sagte Frascineto später, halb ernst, halb spöttisch. "Er liebt mich einfach." Das 5:2 fiel keine Minute, sondern acht später: Karoly Eisenhoffer netzte nach einem Zuspiel von Rechtsverteidiger Arpad Ujlaki. Die Budapester Verteidigung wirkte in diesem Moment wie eingefroren. Trainer der Gastgeber - dessen Name auf der offiziellen Liste kurioserweise fehlt - soll nur leise gemurmelt haben: "Das ist kein Abwehrverhalten, das ist ein Tag der offenen Tür." Noch einmal keimte Hoffnung auf, als Paul Schröter in der 72. Minute seinen zweiten Treffer erzielte. Nach einem Freistoß von Laszlo Bodola stand der Mittelfeldmann goldrichtig und verkürzte auf 3:5. Doch wer dachte, dass Vacas nun das Ruder herumreißen könnte, wurde eines Besseren belehrt: In der 88. Minute setzte Frechaut mit seinem zweiten Tor den Schlusspunkt - 6:3. Passgeber diesmal: Pavlos Nikoloudis. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 50,5 Prozent Ballbesitz für Vacas, 49,5 für Gyor, 11:15 Torschüsse. Doch während die Gastgeber ihre Chancen meist überhastet vergaben, bewiesen die Gäste eine beeindruckende Kaltschnäuzigkeit. Ein wenig Drama durfte natürlich auch nicht fehlen: Bereits in der 23. Minute sah Vacas’ Innenverteidiger Bodola Gelb, kurz darauf verletzte sich Linksverteidiger Andre Neufeld und musste durch Tamas Hidegkuti ersetzt werden. Auf Gyors Seite durfte sich der 17-jährige Janos Varga bei seinem Debüt ebenfalls eine Gelbe abholen - ein Einstand, den er wohl nicht so schnell vergisst. Nach dem Abpfiff standen die Spieler von Interval Gyor Arm in Arm vor der Kurve, während Totka mit einem breiten Lächeln sagte: "Wir wollten zeigen, dass Offensivfußball lebt. Sechs Tore sind eine gute Argumentation." Schröter, der trotz Niederlage zum Publikumsliebling avancierte, zuckte nur mit den Schultern: "Wenn du drei Tore zu Hause schießt und trotzdem verlierst, weißt du, dass irgendwo etwas schiefgelaufen ist." Vielleicht war es das perfekte Beispiel für ein Spiel, das in keiner Taktiktafel Platz findet - beide Teams offensiv, beide mit offenem Herzen und offener Abwehr. Die Zuschauer jedenfalls bekamen ihr Geld doppelt zurück. Und wer weiß: Vielleicht war das 3:6 nicht das Ende, sondern der Beginn einer legendären Rivalität zwischen Vacas Budapest und Interval Gyor. Denn eines ist sicher: Langeweile hatte an diesem Abend Hausverbot. 12.04.643997 22:20 |
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