Nemzeti Sport
+++ Sportzeitung für Ungarn +++

Torfestival in Fehérvár: Ujpest gewinnt 5:4 nach wildem Schlagabtausch

Das Stadion bebte, die Fans rieben sich verwundert die Augen - und der Schiedsrichter dürfte sich am Ende gefragt haben, ob er nicht versehentlich bei einem Eishockeyspiel gelandet war. SC Fehérvár und Ujpest Budapest lieferten sich am 34. Spieltag der 1. Liga Ungarn ein Spektakel, das in seiner Unbekümmertheit fast schon rührend war. Neun Tore, drei Gelbe Karten, unzählige Chancen und mindestens ebenso viele Schnappatmungen: Ujpest setzte sich am Ende mit 5:4 durch - und das vor 52.014 Zuschauern, die ihr Kommen sicher nicht bereuten.

Schon in der 9. Minute ging es los: Jeno Dalnoki, der flinke Linksaußen der Gäste, schlenzte den Ball nach Vorlage von John Primes ins Netz. Fehérvár antwortete prompt. In der 20. Minute zog Szabolcs Sztani nach Zuspiel von Karoly Feldmann ab - 1:1. Das Spiel war nun offen wie ein Scheunentor, und es sollte noch wilder werden.

In der 29. Minute schlug Innenverteidiger Ellis Lockhart zu - ja, Innenverteidiger! Nach einem Eckball fackelte er nicht lange und brachte Ujpest wieder in Führung. Doch kaum hatte sich die Anzeigetafel auf 1:2 eingestellt, glich Eskil Bruhn im Gegenzug aus (30.). "Ich dachte, ich träume", grinste der Fehérvár-Stürmer später, "so viel Platz hatte ich zuletzt auf dem Trainingsplatz der U12."

Und weil das noch nicht genug war, setzte Youngster Karoly Feldmann (19 Jahre jung) in der 37. Minute noch einen drauf. Nach feiner Vorarbeit von Alexander Koranyi tunnelte er den Torhüter - 3:2! Das Stadion tobte, Trainer Mina Aryabhata reckte die Fäuste in den Abendhimmel. "Wenn er so weitermacht, muss ich ihm den Führerschein bezahlen", scherzte sie später über ihren Shootingstar.

Doch wer dachte, nach dieser ersten Hälfte könne man sich entspannt zurücklehnen, kannte Ujpest nicht. Josh Allens Mannschaft kam aus der Kabine wie eine Dampflok. Erst traf Pekka Uusimäki in der 48. Minute zum Ausgleich, dann legte Lajos Szollar drei Minuten später mit einem wuchtigen Schuss nach - 3:4 aus Fehérvár-Sicht. Der Gästeblock explodierte. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön, sondern auch effizient spielen können", meinte Szollar nach seinem Doppelpack (er traf erneut in der 70. Minute).

Fehérvár stemmte sich gegen die drohende Niederlage. Fjodor Konowalenko gelang in der 64. Minute der Anschlusstreffer, wieder nach Vorlage von Koranyi - 4:4, und das Stadion stand Kopf. Doch dann kam jener Szollar erneut, der an diesem Abend einfach alles traf, was sich bewegte. Nach Pass von Ellis Lockhart schweißte er den Ball in der 70. Minute zum 5:4-Endstand ein. "Der Junge hat heute einen Magneten im Schuh", kommentierte ein ungläubiger Fan auf der Tribüne.

Die Schlussphase war dann ein wildes Durcheinander aus wütenden Angriffen, langen Bällen und dem verzweifelten Versuch, Ordnung in das Chaos zu bringen. Trainer Aryabhata brachte den 18-jährigen Kai Havertz und später Florentin Sandu - beide sorgten für frischen Wind, doch das Tor wollte nicht mehr fallen. In der 87. und 89. Minute prüfte Sandu den Ujpest-Keeper Garritt Hacker gleich zweimal, doch der rettete - mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat.

In der Nachspielzeit hatte Zoltan Koranyi noch einen Versuch für Ujpest, doch Fehérvár-Keeper Tamas Bene parierte - immerhin das. Nach Abpfiff sanken beide Teams erschöpft zu Boden, als hätten sie gerade ein Marathonfinale hinter sich.

Statistisch gesehen war das Spiel erstaunlich ausgeglichen: Fehérvár mit 17 Schüssen aufs Tor und 50,8 Prozent Ballbesitz, Ujpest mit elf Abschlüssen und 49,2 Prozent Ballbesitz. Doch entscheidend war diesmal die Effizienz. "Wir haben das Glück des Tüchtigen gehabt", gab Trainer Josh Allen zu. "Und vielleicht auch das Glück des Wahnsinnigen."

Fehérvárs Coach Aryabhata hingegen nahm es mit Humor: "Wenn man vier Tore schießt und trotzdem verliert, kann man wenigstens behaupten, für Unterhaltung gesorgt zu haben."

Und das stimmt: Unterhaltung gab es reichlich. Es war eines dieser Spiele, bei denen man sich fragt, ob die Verteidiger vielleicht kollektiv beschlossen hatten, den Zuschauern einen schönen Abend zu bereiten.

Am Ende feierten die Lila-Weißen aus Budapest ausgelassen, während die Fans von Fehérvár ihre Mannschaft trotz der Niederlage mit Applaus verabschiedeten. Ein 4:5, das in Erinnerung bleibt - nicht, weil alles perfekt war, sondern weil es so herrlich unperfekt war.

Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Das war kein Fußballspiel - das war ein Actionfilm mit Rasen."

15.02.643997 13:10
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