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Es war ein Abend für Fußball-Feinschmecker, die gerne über "defensive Stabilität" philosophieren - und für all jene, die den Begriff "Torarmut" für eine Kunstform halten. Beim 0:0 zwischen Malatiaspor und Nevsehir am 10. Spieltag der türkischen 1. Liga bekamen die 32.000 Zuschauer im Malatya-Stadion alles geboten - außer eben ein Tor. Dabei hatte Nevsehir von Beginn an Lust auf Offensivaktionen. Schon nach 60 Sekunden zog der 18-jährige Nelson Varela aus 25 Metern ab, als wolle er beweisen, dass Jugend keine Angst kennt. Der Ball flog knapp über die Latte, und Malatiaspors Torhüter Halil Öngün rief seinem Abwehrchef Bartilomiej Cantoro zu: "Wenn das so weitergeht, schlaf ich heute nicht ruhig!" - Es ging so weiter. In den ersten 45 Minuten schossen die Gäste neunmal aufs Tor, Malatiaspor ganze einmal - ein zaghafter Versuch von Filipe de Almeida in der 25. Minute, der mehr nach Verzweiflung als nach Torgefahr roch. Doch während Nevsehir Chancen sammelte, sammelte Malatya Zeit. Trainer Hans Krankl stand an der Seitenlinie, die Arme verschränkt, den Blick irgendwo zwischen Himmelsrichtung und Hoffnung. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte er später mit einem Grinsen, "und das haben wir geschafft - so kompakt, dass selbst wir nicht mehr rauskamen." Nevsehir-Coach Mehmet Kaan hingegen verzweifelte an der Effizienz seiner Offensive. Onat Ates, der an diesem Abend gefühlt auf jedes Tor der Liga hätte schießen können, versuchte es in der 2., 29. und 44. Minute - ohne Erfolg. "Ich hab getroffen, nur leider den Torwart", fluchte Ates nach dem Spiel und grinste dabei, als wüsste er, dass sein Lächeln wenigstens auf Instagram besser ankommt als seine Schüsse aufs Tor. Die zweite Halbzeit begann mit einer Schrecksekunde für Malatiaspor: Der 19-jährige Köksal Tanman blieb in der 56. Minute nach einem Zweikampf liegen. Die Diagnose: nichts Dramatisches, aber genug, um ihn vom Platz zu holen. Rafet Özkan kam, rief ihm aufmunternd zu: "Ich mach das schon, Bruder!" - und spielte dann 34 Minuten lang den vielleicht unauffälligsten, aber verlässlichsten Passverteiler des Abends. Die Partie blieb intensiv, aber zäh. Nevsehir hatte am Ende 56 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse und mindestens doppelt so viele verzweifelte Gesichter. Malatiaspor begnügte sich mit 43 Prozent Ballbesitz und drei Abschlüssen - zwei davon durch Filipe de Almeida, der in der 76. Minute Gelb sah, weil er den Ball nach einem Abseitspfiff noch einmal ins Nirgendwo drosch. "Ich wollte nur testen, ob mein Schussgefühl noch da ist", verteidigte er sich später lächelnd. In der 88. Minute kam dann noch Farbe ins Spiel - allerdings nur auf dem Notizblock des Schiedsrichters. Nevsehirs Enzo Soverato sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, das so gar nicht zu seinem sonst eleganten Spiel passte. "Ich wollte den Ball treffen, aber der Ball wollte nicht", erklärte Soverato mit mediterraner Gelassenheit. Die letzten Minuten gehörten wieder Malatiaspor. Filipe de Almeida versuchte es noch zweimal (82. und 93. Minute), doch Nevsehirs junger Torwart Yekta Cakir - gerade mal 18 Jahre alt - parierte souverän. "Ich hab einfach den Ball gesehen und gedacht: Nicht heute, Filipe", sagte Cakir später lachend. Als der Schlusspfiff ertönte, atmete Hans Krankl tief durch. "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wenn man ehrlich ist, hat keiner mehr verdient", bilanzierte er. Mehmet Kaan nickte neben ihm, halb zustimmend, halb entnervt: "Wir hätten hier bleiben können, bis die Sonne aufgeht - das Tor hätten wir trotzdem nicht getroffen." Statistisch betrachtet war Nevsehir das klar bessere Team: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Spielkontrolle. Emotional betrachtet war Malatiaspor das glücklichere - denn wer 90 Minuten lang überlebt, während der Gegner Dauerfeuer veranstaltet, darf sich ruhig ein bisschen wie ein Sieger fühlen. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaften mit Applaus - wobei man bei einigen nicht sicher war, ob der Beifall ihnen galt oder einfach der Tatsache, dass das Spiel endlich vorbei war. Und so bleibt dieses 0:0 ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte jener Spiele, die man am besten mit einem Satz zusammenfasst: Niemand hat verloren, aber so richtig gewonnen hat auch keiner. Oder, wie Malatyas Torwart Halil Öngün es formulierte, als er vom Platz ging: "Manchmal ist ein gehaltenes 0:0 schöner als ein dreckiges 1:0. Vor allem, wenn man derjenige ist, der’s gehalten hat." Ein Abend ohne Tore - aber mit Geschichten genug. 12.05.643987 19:40 |
Sprücheklopfer
Die Österreicher wollten mich gleich dort behalten, als Ersatz für Hermann Maier.
Felix Magath nach der Rückkehr aus einem Skiurlaub in Österreich