Elfmeter
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TSV Crailsheim dreht das Spiel - MTV Leck verzweifelt an eigener Courage

Es war einer dieser Abende, an denen Fußballromantik und blankes Nervenflattern Händchen halten: 3087 Zuschauer im Crailsheimer Stadion sahen beim 22. Spieltag der Verbandsliga D ein 2:1, das weniger nach Routine als nach Adrenalin roch. Der TSV Crailsheim musste gegen den MTV Leck einen frühen Schock verdauen, kämpfte sich dann aber mit Mut, Willen und einem Schuss jugendlicher Unverfrorenheit zurück ins Spiel.

Dabei begann alles so, wie es Gästetrainer wohl in ihren Träumen sehen, Heimtrainer aber in Albträumen hören: In Minute 51 nutzte Kai Engelhardt, der 21-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, eine Unaufmerksamkeit in der Crailsheimer Abwehr. Nach Vorarbeit von Günther Riedel spitzelte er den Ball flach ins Eck - 0:1 aus Sicht der Hausherren. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Engelhardt nach dem Spiel und wurde prompt von seinem Coach zurechtgewiesen: "Das war natürlich so gewollt", schob dieser trocken hinterher.

Doch wer glaubte, Crailsheim würde nun in sich zusammenfallen, kannte den TSV schlecht. Acht Minuten später rappelte sich die Mannschaft auf, angetrieben vom quirligen Adriano Miguel, der auf der rechten Außenbahn mehr Staub aufwirbelte als ein Traktor im August. Sein kluger Pass fand Sergio Manuel, der aus spitzem Winkel kompromisslos zum 1:1 einnetzte. "Ich hab einfach draufgehalten - manchmal muss man nicht denken, nur schießen", sagte Manuel mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Selbstironie pendelte.

Und kaum hatte sich die MTV-Abwehr wieder sortiert, klingelte es erneut: In der 63. Minute stieg der 19-jährige Innenverteidiger Günther Kühne nach einer Ecke von Richard Jakob am höchsten und wuchtete den Ball mit jugendlicher Unbekümmertheit über die Linie. 2:1, das Stadion bebte - und Trainer, Fans und Ersatzspieler lagen sich in den Armen, als sei soeben der Aufstieg perfekt gemacht worden. "Ich hab noch nie so viele Hände auf meinem Kopf gespürt", lachte Kühne später, während er sich im Kabinengang eine Cola gönnte.

MTV Leck zeigte sich trotz des Rückstands weiter bemüht, blieb aber zu verspielt. Ganze zwölf Torschüsse verzeichneten sie, doch Crailsheims Keeper Elias Hansen hatte einen dieser Abende, an denen man ihn am liebsten in Bronze gießen würde. Ob Schmitt, Metzger oder Menzel - sie alle scheiterten an Hansens sicheren Händen oder am eigenen Nervenflattern.

Statistisch betrachtet war’s ein Duell auf Augenhöhe: 51,7 Prozent Ballbesitz für Crailsheim, 48,2 für Leck. Die Gäste wirkten etwas griffiger in den Zweikämpfen, gewannen 51,5 Prozent davon - doch am Ende zählt bekanntlich das, was auf der Anzeigetafel steht. Und dort leuchtete ein 2:1, das für beide Mannschaften eine Geschichte erzählt: Für Crailsheim eine von Moral, für Leck eine vom "Beinahe".

Ganz ohne Farbe kam die Partie übrigens nicht aus: Drei Gelbe Karten sammelten die Gastgeber - Elias Ernst (37.), Günther Kühne (53.) und Adriano Miguel (88.) holten sich den mahnenden Gruß des Schiedsrichters ab. "Das war Leidenschaft, keine Härte", verteidigte Trainer (dessen Name die Vereinsleitung geheim hielt) seine Jungs schmunzelnd.

In der Schlussphase versuchte Leck noch einmal alles, spielte mutig, fast übermütig. In der Nachspielzeit scheiterte Philip Menzel gleich zweimal an Hansen - zuletzt in der 92. Minute, als die Crailsheimer Bank schon kollektiv die Luft anhielt. "Da hab ich kurz überlegt, ob ich mich einfach auf den Ball lege", gestand der Keeper später.

Als der Schlusspfiff ertönte, klang ein erleichtertes Raunen durchs Stadion, das schnell in Jubel überging. Crailsheim hatte nicht das schönste, aber das effektivere Spiel gezeigt. Und während MTV Leck sich über verpasste Chancen grämte, tanzte der TSV in der Abendsonne.

"Wir wollten heute Charakter zeigen - und das haben wir", sagte ein sichtlich zufriedener Günther Kühne, der Held des Abends. "Wenn man als Innenverteidiger das Siegtor macht, darf man die nächste Woche beim Training ruhig ein bisschen breiter laufen", fügte er verschmitzt hinzu.

Crailsheim feierte, Leck grübelte, und irgendwo in der Statistik blieb die Erkenntnis hängen: Fußball ist kein Zahlenspiel, sondern ein Drama in 90 Akten. Und diesmal hatte der TSV Crailsheim das bessere Drehbuch.

20.02.644000 05:01
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Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war.
Fredi Bobic
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