// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Das Grünwalder Stadion bebte am Samstagabend, als der TSV München den Gästen aus Weiler im Allgäu eine Lehrstunde in Sachen Effektivität erteilte. 14.597 Zuschauer sahen ein Spiel, das in der ersten Halbzeit noch nach einem spannenden Schlagabtausch aussah, am Ende jedoch in eine klare Angelegenheit mündete: 5:1 hieß es nach 96 Minuten - und das völlig verdient. Dabei fing es gar nicht so einseitig an. Bereits in der 26. Minute brachte Jürgen Linke die Gäste überraschend in Führung. Der 18-Jährige nutzte einen feinen Pass von Nick Scherer, tanzte Münchens Innenverteidiger Christopher Poe aus und schob eiskalt ein. TSV-Keeper Gai Benayoun streckte sich vergeblich - 0:1. Der Gästeblock jubelte, und Trainer Mino Raiola grinste zufrieden: "Da sieht man, was passiert, wenn man mutig nach vorne spielt", rief er in Richtung seiner Bank. Doch die Münchner Antwort kam prompt. Nur vier Minuten später schlug Nelson Xavier zurück. Nach einem schnellen Doppelpass mit dem quirlig agierenden Rechtsaußen Alexander Bancroft zog Xavier trocken ab - 1:1. "Ich habe gar nicht groß nachgedacht, einfach draufgehalten", erklärte der 20-Jährige nach dem Spiel mit einem Lächeln, das so breit war wie die rechte Außenbahn, auf der er wirbelte. Mit dem Remis ging es in die Pause, und die Zuschauer diskutierten in der Halbzeit noch, ob Weiler tatsächlich mithalten könne. Die Antwort kam direkt nach Wiederanpfiff - und sie fiel deutlich aus. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, rauschte Linksverteidiger Ahmet Özmen in den Strafraum, bekam den Ball von Ingo Xavier serviert und netzte zur Münchner Führung ein (46.). Es war der Startschuss für ein Offensivfeuerwerk, das die Allgäuer Gäste wie eine Welle überrollte. "Wir wollten einfach zeigen, wer hier das Heimteam ist", sagte Trainer Toni Breer später mit einem Augenzwinkern. Und seine Jungs gehorchten. Ellis Cabell erhöhte in der 68. Minute auf 3:1, nachdem er von Bancroft perfekt in Szene gesetzt wurde. Weiler versuchte, mit drei Wechseln in der 60. Minute frische Kräfte zu bringen - der 17-jährige Friedrich Jacobs kam für Michel Hierro, Asen Todorow ersetzte Daniel Philipp, und Ronald Bertram sollte über rechts für Entlastung sorgen. Doch statt Aufwind gab es Gegenwind. In der 74. Minute sah ausgerechnet der junge Jacobs Gelb, nachdem er Cabell an der Seitenlinie unsanft stoppte. "Er wollte nur den Ball spielen", verteidigte ihn Trainer Raiola später halbherzig. Der Rest des Spiels geriet aus Sicht der Gäste zum Trainingsspiel für TSV München. Dimas Meireles, der 19-jährige Brasilianer auf der linken Seite, traf in der 77. Minute zum 4:1, nachdem Ingo Xavier erneut den entscheidenden Pass gespielt hatte. "Ich habe Ingo schon in der Kabine gesagt, dass ich mich freilaufen werde", grinste Meireles nach dem Spiel. "Er meinte nur: ’Wenn du das Tor machst, zahlst du das Abendessen.’ Tja, Pech für mich." Den Schlusspunkt setzte abermals Nelson Xavier in der 96. Minute, als er einen Konter selbst einleitete, über Dimas Meireles den Ball zurückbekam und abgeklärt zum 5:1 vollendete. Das Stadion stand Kopf, und Trainer Breer ballte die Faust: "Das war heute Fußball, wie ich ihn liebe: mutig, schnell, mit Spaß." Die Statistik unterstreicht die Dominanz: 59,8 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse gegenüber nur 7 von Weiler. Es war ein Klassenunterschied, der sich vor allem in der zweiten Halbzeit deutlich zeigte. Weilers Trainer Raiola suchte nach Abpfiff nach den richtigen Worten. "Wir hatten unseren Moment - danach war München einfach zu stark. Vielleicht waren meine Jungs beeindruckt vom Flutlicht", meinte er, während hinter ihm ein Reporter lachte: "Oder vom Ergebnis?" Ein kleiner Trost: Der 18-jährige Jürgen Linke, Torschütze des einzigen Weiler-Treffers, durfte sich über eine solide Leistung freuen. "Ich nehm das Tor mit, das Ergebnis weniger", sagte er und verschwand mit gesenktem Kopf in der Kabine. Für den TSV München war es ein Abend zum Genießen. Die junge Offensive glänzte, die Abwehr stand sicher, und im Mittelfeld zog Ingo Xavier unaufgeregt die Fäden. Wer wissen wollte, wie man einen Gegner kontrolliert, der bekam die Antwort in 90 Minuten und sechs Sekunden Nachspielzeit. Oder wie es ein älterer Fan auf der Tribüne trocken formulierte: "So spielt man, wenn man weiß, dass der Sonntag frei ist." Ein Hauch Ironie, ein großes Ausrufezeichen - und ein TSV München, der in dieser Form selbst in der 3. Liga kaum zu stoppen sein dürfte. 25.04.643990 08:49 |
Sprücheklopfer
Die Fans müssen wissen, dass ich kein Clown bin.
Oliver Kahn