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Es war einer dieser Abende, an denen die Zuschauer im Grünwalder Stadion erst froren, dann jubelten und am Ende mit heiserer Stimme nach Hause gingen. 11.583 Fans sahen beim 2:0-Sieg des TSV München gegen den VfL Frohnlach eine Partie, die lange wie ein Geduldsspiel aussah - bis zwei Youngster beschlossen, das Drehbuch umzuschreiben. Beide Teams begannen forsch. Frohnlach, das laut Statistik sogar leicht mehr Ballbesitz (51,7 %) hatte, legte los wie die Feuerwehr: Schon in den ersten vier Minuten prüften Noe Antonio und Miguel Sorribas gleich mehrfach TSV-Keeper Pim Ganesvoort. Der junge Niederländer im Münchner Tor blieb jedoch eiskalt. "Ich hab mir einfach gedacht: Wenn ich den ersten halte, wird’s ein guter Abend", grinste er später. TSV-Coach Toni Breer hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, und das merkte man: Die Münchner spielten mit jugendlicher Unbekümmertheit, manchmal auch jugendlicher Naivität. Besonders auffällig war zentral Menachem Lawon, der mit Übersicht und Ruhe die Fäden zog - und trotzdem in der 18. Minute den Ball aus 20 Metern knapp über die Latte setzte. Ein Raunen ging durchs Stadion, gefolgt von einem dieser typisch bayerischen Kommentare: "Der hätt’ jetzt ruhig rein dürfen." Die erste Hälfte endete 0:0, aber der Eindruck täuschte: München hatte mehr Zug zum Tor (16:5 Torschüsse insgesamt), Frohnlach wirkte zwar geordnet, aber harmlos. Gästetrainer Tobias Weise schüttelte trotzdem zufrieden den Kopf: "Wir haben kontrolliert gespielt, aber irgendwie vergessen, dass man fürs Gewinnen Tore schießen muss." Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. München drückte, Frohnlach verteidigte - und sammelte Gelbe Karten. Erst traf es Linksverteidiger Noe Kasperczak (48.), dann Routinier Humberto Vidigal (71.), der nach einem rustikalen Zweikampf prompt vom eigenen Keeper böse Blicke erntete. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben", erklärte Vidigal später mit einem Grinsen, das wenig Reue erkennen ließ. Dann kam die 74. Minute - und mit ihr der Durchbruch: Menachem Lawon spielte einen butterweichen Pass in den Lauf des 19-jährigen Georges Bedard, der den Ball aus spitzem Winkel eiskalt ins lange Eck schob. 1:0! Der Jubel war so laut, dass selbst die Tauben auf der Haupttribüne kurz die Orientierung verloren. Bedard, sonst eher der stille Typ, riss die Arme hoch und brüllte seine Freude in den Nachthimmel. "Ich hab’s einfach gespürt", sagte er später. "Und der Pass von Menachem - Wahnsinn!" Frohnlach versuchte danach, offensiver zu werden, doch München hatte Blut geleckt. Acht Minuten später (83.) war es Inigo Fortunio, ebenfalls 19 Jahre jung, der nach einer schönen Kombination über rechts trocken zum 2:0 einschoss. Der junge Rechtsaußen war erst zur Halbzeit für Alexander Bancroft eingewechselt worden - und rechtfertigte seine Einwechslung eindrucksvoll. "Ich hab Toni [Breer] gesagt, ich mach eins, wenn ich reinkomm", lachte Fortunio nach dem Spiel. "Er hat wohl gedacht, ich scherze." Die letzten Minuten wurden zum Schaulaufen für die Münchner Talente. Nevio Mocana versuchte sich in der 87. Minute sogar noch mit einem Fernschuss - knapp vorbei. Frohnlach hingegen wirkte geschlagen, Trainer Weise hatte längst die Arme verschränkt und blickte stoisch auf den Rasen. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 16:5 Torschüsse, bessere Zweikampfquote (55 Prozent) und zwei eiskalte Treffer. TSV München war nicht die dominierende Mannschaft im Ballbesitz, aber die klar gefährlichere. "Das war ein Sieg des Willens", sagte Breer. "Unsere Jungs haben in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass sie nicht nur schön spielen, sondern auch zubeißen können." Auch die Fans feierten ihre junge Truppe - lautstark und mit viel Herz. Ein älterer Herr mit Vereinsschal fasste es auf der Tribüne zusammen: "So jung san’s, aber so frech. Wenn die so weitermachen, spiel’n die bald oben mit." Frohnlach hingegen wird sich fragen müssen, warum aus 51 Prozent Ballbesitz nur fünf Abschlüsse resultierten. Vielleicht fehlte die Präzision, vielleicht der Mut. Weise meinte trocken: "Wir haben den Ball gut gehalten - nur leider nie dahin, wo’s wehtut." So blieb am Ende ein verdienter 2:0-Heimsieg für München, der mehr als nur drei Punkte wert ist. Er war ein Fingerzeig, dass in dieser Mannschaft etwas wächst - jung, wild, unberechenbar. Und wer weiß: Wenn die Teenager weiter so treffen, könnte man in München bald wieder vom Aufstieg träumen. Oder, wie Breer es formulierte, während er den Spielberichtsbogen unterschrieb: "Zwei Tore, null Gegentore, keine grauen Haare - das ist ein guter Abend." 22.02.643987 19:38 |
Sprücheklopfer
Wenn wir kein Tor machen, können wir nicht einmal in Kaiserslautern gewinnen.
Aleksandar Ristic