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Es war einer dieser kalten Februarabende, an denen man sich fragt, ob sich der Weg ins Stadion wirklich lohnt. Für die 4193 Zuschauer in Steinbach gab es am Ende jedoch reichlich Gesprächsstoff - und für die Gäste aus Schliersee einen jugendlichen Helden: Ingo Herreros, 18 Jahre jung, erzielte beim 3:2 (2:1)‑Sieg gleich alle Tore seines Teams. Drei Treffer, drei Mal Jubel im Gästeblock - und drei Mal ungläubiges Kopfschütteln auf der Steinbacher Trainerbank. Das Spiel begann mit offenem Visier. Schon in der 6. Minute prüfte Steinbachs Adrian Kristinsson den Gästetorwart Cameron Nolan erstmals ernsthaft - ein Vorgeschmack auf seinen starken Abend. Doch nur drei Minuten später war die Heimkulisse verstummt: Herreros nutzte einen präzisen Pass des 17‑jährigen Tomislav Boban und schob überlegt zum 0:1 ein. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste der junge Stürmer später, während Trainer Christopher Fey lachend ergänzte: "Ich wollte ihn eigentlich bremsen - aber zum Glück hört der Junge nicht auf mich." Steinbach zeigte Moral und kam in der 19. Minute zurück. Kristinsson, der Isländer mit der Ruhe eines Schachspielers, traf nach Vorlage von Marco Capucho zum 1:1. Keine 60 Sekunden später aber schlug Schliersee zurück - wieder Herreros, diesmal nach feiner Vorbereitung von Karl Benz. 2:1 für die Gäste, und Trainer Schmittel warf bereits nach 20 Minuten die Arme gen Himmel. "Wenn wir schon ausgleichen, könnten wir wenigstens mal zehn Minuten die Null halten", murmelte er in Richtung seines Co‑Trainers - der nur trocken antwortete: "Das wäre ja langweilig." Die Partie blieb rasant. Bis zur Pause erspielte sich Schliersee leichte Vorteile, führte nicht nur auf der Anzeigetafel (2:1), sondern auch in den Statistiken: 57 Prozent Ballbesitz, 10:5 Torschüsse. Steinbachs Keeper Fabian Schmitz verhinderte Schlimmeres, besonders nach einem gefährlichen Kopfball von Ralf Bartsch kurz vor dem Pausenpfiff. Nach dem Seitenwechsel kam Steinbach mit Wut im Bauch zurück. Und wieder war es Kristinsson, der in der 47. Minute mit links zum 2:2 ausglich - diesmal nach schönem Querpass von Bogdan Raducanu. Das Stadion tobte, und man hatte das Gefühl, der SVS könne das Spiel drehen. "Da dachte ich, jetzt kippt’s", gab Gästecoach Fey zu. "Aber Ingo hatte wohl andere Pläne." Denn in der 72. Minute folgte der nächste Schlag: Naim Kas leitete mit Übersicht auf Herreros weiter, der eiskalt vollendete - 3:2 für Schliersee, Hattrick! Der Teenager rannte jubelnd über den Rasen und wurde von seinen Mitspielern beinahe erdrückt. "Ich wusste gar nicht, dass man mich so fest drücken darf", witzelte er später in der Mixed Zone. Steinbach kämpfte, wechselte offensiv: Van Royen kam für Raducanu, später ersetzte Schütz den müden Kristinsson. Chancen gab es noch - besonders in der 93. Minute, als Hartmut Philipp aus 20 Metern abzog, doch Nolan im Gästetor mit den Fingerspitzen rettete. "Der Ball war schon halb drin", schwor Philipp nach Abpfiff, "aber der Kerl hat Flügel bekommen." Die Schlussphase brachte noch eine Schrecksekunde: In der 88. Minute verletzte sich Steinbachs Julius Simon nach einem Zweikampf ohne Fremdeinwirkung und musste behandelt werden. Trainer Schmittel wirkte kurz, als wolle er den Physio selbst einwechseln. Statistisch betrachtet ging der Sieg der Gäste in Ordnung: 16:9 Schüsse, 57 Prozent Ballbesitz, etwas robustere Zweikampfquote (53 zu 47 Prozent). Schliersee spielte mutig über die Flügel, wie es ihre Taktik vorgab, während Steinbachs Offensive zwar bemüht, aber letztlich zu berechenbar blieb. Nach dem Abpfiff zeigte sich Schmittel gefasst: "Wenn man dreimal gegen denselben Burschen verliert, sollte man ihm vielleicht mal das Trikot anbieten." Sein Gegenüber Fey grinste nur: "Ich hab’s ihm schon versprochen - in Größe S." So endete ein unterhaltsamer Fußballabend mit einer kleinen Sensation und einer großen Geschichte: Ein 18‑Jähriger aus Schliersee schießt den Traditionsverein SV Steinbach im Alleingang ab. Vielleicht wird man in ein paar Jahren sagen: Das war die Nacht, in der Ingo Herreros zum Mann wurde. Und wer weiß - vielleicht sitzt Trainer Schmittel gerade jetzt mit einem heißen Tee daheim und denkt: "So schlecht war’s gar nicht. Nur das Ergebnis halt." 25.07.643990 20:22 |
Sprücheklopfer
Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben.
Berti Vogts