Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Türkgücü Karsspor schießt Malatiaspor in den Winterschlaf

Wenn 32.000 Zuschauer an einem frostigen Januarabend ins Stadion strömen, hoffen sie auf ein warmes Fußballherz und nicht auf kalte Ernüchterung. Doch für die Fans von Malatiaspor wurde dieser 4. Spieltag der 1. Liga Türkei eher zu einer Frostbeule in der Seele: Das Heimteam unter Trainer Hans Krankl unterlag klar mit 0:3 gegen ein eiskalt aufspielendes Türkgücü Karsspor, das nicht einmal so wirkte, als hätte es sich groß anstrengen müssen.

"Wir hatten den Ball, aber sie hatten den Plan", knurrte Krankl nach dem Spiel in die Mikrofone, während hinter ihm ein enttäuschter Fan sein Schal mit den Worten "Ich frier mir lieber daheim was ab" zusammenrollte. Tatsächlich: 55 Prozent Ballbesitz für Malatiaspor, aber nur fünf harmlose Torschüsse - das sagt alles über das Dilemma der Gastgeber.

Türkgücü dagegen trat auf wie ein erfahrener Auswärtsklub, der genau wusste, wo es weh tut. Schon früh sorgten sie für Alarm. Bereits in der ersten Minute prüfte der flinke Harvey Poe den Malatiaspor-Keeper Halil Öngün - eine Szene, die den Ton für den Abend vorgab. In der 39. Minute fiel dann die logische Konsequenz: Nenad Milosevic, der umtriebige Linksaußen, traf nach Vorarbeit von Brandon Kelly zum 0:1. Der Jubel auf der Gästebank war lauter als das ganze Stadion.

"Ich hab einfach draufgehalten, der ging rein - manchmal ist Fußball ganz einfach", grinste Milosevic hinterher. Einfach war es für ihn tatsächlich, schwierig hingegen für die Malatiaspor-Abwehr, die sich bei diesem Angriff in Standbilder verwandelte.

In der zweiten Halbzeit kam Malatiaspor mit viel Ball, aber wenig Biss aus der Kabine. Karsspor hingegen legte die Lässigkeit ab und griff an, als hätte jemand den Kaffee nachgefüllt. Zwischen der 56. und 57. Minute fiel dann die Entscheidung: Erst erhöhte erneut Milosevic nach Pass von Takis Nioplias auf 0:2, nur eine Minute später machte der unermüdliche Harvey Poe mit einem trockenen Abschluss zum 0:3 den Sack zu. Doppelschlag, Knock-out, und das in weniger als 90 Sekunden.

Von da an konnte man das Spiel eigentlich abpfeifen. "Wir hätten auch mit zwei Bällen spielen können, einer hätte trotzdem den Weg ins Netz gefunden", witzelte Gästetrainer Akin Nasa später. Er hatte gut lachen - mit 22 Torschüssen und einer beeindruckenden taktischen Disziplin zeigte sein Team, dass Offensivgeist auch ohne Hektik funktioniert.

Malatiaspor indes kämpfte mehr mit sich selbst als mit dem Gegner. Jiri Homola versuchte es in der 23. und 64. Minute aus der Distanz, doch seine Schüsse waren eher freundliche Rückgaben an Türkgücüs Torhüter Christer Andreassen. In der 76. Minute zog Jay Dunne aus zentraler Position ab - drüber. Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu, und so blieb den Gastgebern nicht einmal der Ehrentreffer.

Die Statistik unterstreicht das Geschehen in Zahlen: 55 Prozent Ballbesitz für Malatiaspor, aber nur fünf Schüsse aufs Tor. Türkgücü Karsspor hingegen kam auf 22 Torschüsse - fast ein Schuss alle vier Minuten. Kein Wunder, dass sogar Innenverteidiger Zihni Ates in der 85. Minute noch einmal draufhielt, als wollte er zeigen: Selbst die Abwehr will heute ein Tor.

In der 62. Minute sah Taci Topuz noch Gelb - die einzige Karte des Spiels. "Ich wollte nur zeigen, dass wir auch Körper haben", lachte der robuste Verteidiger später. Ansonsten blieb die Partie fair, was wohl auch daran lag, dass Türkgücü so dominant war, dass Malatiaspor gar nicht erst in Zweikämpfe kam.

Kurz vor Schluss wechselte Trainer Nasa noch fröhlich durch: Michel Eliezer, Lokman Bilgin und Aygün Göktan durften ran - Letzterer prüfte in der Nachspielzeit sogar noch einmal Öngün. Doch der 0:3-Endstand war längst besiegelt.

"Das war eine Lehrstunde in Effizienz", fasste ein Kommentator trocken zusammen. Und tatsächlich: Karsspor spielte wie ein Team, das weiß, wann es zustechen muss.

Hans Krankl hingegen hatte Mühe, das Positive zu finden: "Wir hatten mehr Ballbesitz", sagte er und fügte nach einer Kunstpause hinzu: "Aber das ist ja auch nur Statistik." Dann lächelte er gequält, als wüsste er selbst, dass das kein Trost ist.

Am Ende verließen die Zuschauer das Stadion mit der Erkenntnis, dass Fußball manchmal wie ein kalter Winterwind ist - er trifft nicht immer die Richtigen, aber er trifft sicher. Türkgücü Karsspor nimmt drei Punkte mit nach Hause, Malatiaspor die Gewissheit, dass Ballbesitz allein keine Spiele gewinnt.

Oder wie Milosevic es beim Verlassen des Platzes sagte: "Manchmal ist weniger Ball einfach mehr Tor."

23.02.643987 01:22
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