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Wenn ein Spiel so anfängt, weiß man meist, wie es endet. Kaum hatten die 44.594 Zuschauer am 12. Januar 2026 im Karsspor-Stadion Platz genommen, zappelte der Ball schon im Netz: In der 7. Minute drosch Leandro Barros das Leder in die Maschen, als wolle er allen zeigen, dass der Winter in Kars nur auf dem Thermometer kalt ist. Es war das Startsignal für ein Spiel, das weniger an einen offenen Schlagabtausch erinnerte als an eine einseitige Demonstration türkischer Spielfreude. Trainer Akin Nasa grinste nach Abpfiff: "Wir wollten von Beginn an zeigen, dass wir hier zu Hause sind - und das haben die Jungs wörtlich genommen." Tatsächlich ließ Türkgücü Karsspor den Gegner aus Sirnak kaum Luft holen. 17 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe und nahezu identischer Ballbesitz (50,1 Prozent) sprechen eine deutliche Sprache - wobei das, was Sirnak mit seinen vier Abschlüssen anstellte, eher als höflicher Grußversuch durchging. Nach dem frühen 1:0 spielte Karsspor weiter mit angezogener Handbremse - vielleicht, um den Gegner nicht gleich in der ersten Halbzeit zu zerlegen. "Wir wollten ruhig bleiben, nicht überdrehen", meinte Kapitän Rhys Rushton, der sich in der 61. Minute eine Gelbe Karte abholte, "aber manchmal ist unser ’ruhig’ halt immer noch ziemlich laut." Wie laut, zeigte sich direkt nach Wiederanpfiff. In der 46. Minute rollte der Ball über Lars Vetter zu Harvey Poe - und der traf so trocken, dass selbst der Schneestaub auf dem Rasen kurz innehielt. 2:0. Das Publikum tanzte, Sirnaks Trainer (dessen Miene zu diesem Zeitpunkt eher an eine Steuerprüfung erinnerte) rang an der Seitenlinie nach Worten. Lars Vetter blieb der heimliche Regisseur des Abends. Der rechte Mittelfeldmann lieferte gleich zwei Vorlagen für Olgun Aydemir, der in der 57. und 68. Minute doppelt traf. Beide Male sah es aus, als hätten sich die beiden im Training abgesprochen: Vetter flankt, Aydemir nickt ein - simpel, effektiv, schön. "Lars hat einfach ein Radar im Fuß", grinste Aydemir später. "Ich renne nur los, und der Ball fällt mir auf die Stirn." Sirnak? Versuchte es zwischendurch tapfer. Nevio Pacos (11.) und Francisco Pinto (50.) brachten wenigstens ein bisschen Gefahr - was Heimkeeper Christer Andreassen allerdings nicht groß beschäftigte. "Ich hab mir in der 70. Minute kurz überlegt, mir Tee bringen zu lassen", witzelte der Norweger nach dem Spiel. Die Schlussphase geriet zur Kür. In der Nachspielzeit (92.) machte Takis Nioplias nach Vorarbeit von Brandon Kelly das halbe Dutzend voll - na gut, das fünfte Tor, aber gefühlt doppelt so schmerzhaft für Sirnak. Ein Schuss wie ein Donnerknall, mitten in die resignierte Defensive. Kurz darauf humpelte Vetter verletzt vom Platz, wurde durch Önder Bilgin ersetzt - Applaus brandete auf, und man hatte das Gefühl, die Fans wollten ihn am liebsten direkt auf den Schultern tragen. Bei Sirnak sah es anders aus: Zwei Gelbe Karten (Melendez 76., Kisa 82.) und ein Ausdruck kollektiver Ratlosigkeit. "Wir haben nicht schlecht gespielt, aber sie waren einfach besser - in allem", gestand Mittelfeldmann Pacos mit einem Schulterzucken. Ein Satz, der nach 5:0 auch schwer zu bestreiten ist. Akin Nasa fasste es trocken zusammen: "Das war heute ein Statement. Aber in dieser Liga darf man sich nicht ausruhen - nächste Woche wird’s wieder schwer." Vielleicht kokettierte er, vielleicht auch nicht. Doch wer an diesem Abend die 90 Minuten gesehen hat, der weiß: Türkgücü Karsspor hat sich in einen Rausch gespielt, der nicht nach Zufall riecht, sondern nach System. Und so verließen die Fans das Stadion mit roten Wangen - teils vom Frost, teils vom Jubel. Einer rief noch: "Fünf Tore, fünf Sterne!" Was soll man sagen? Selbst der Schnee klatschte leise Beifall. 06.06.643987 03:05 |
Sprücheklopfer
Ich glaube nicht, daß wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.
Uli Hoeneß