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Es war ein lauer Sommerabend in Şırnak, 29.308 Zuschauer im Stadion, und die Luft roch nach Grillfleisch, Hoffnung - und ein bisschen Verzweiflung. Am Ende blieb von all dem nur das Grillfleisch. Denn Sirnak Petrol unterlag am 16. Spieltag der 1. Liga Türkei klar mit 0:2 gegen ein abgebrüht spielendes Türkgücü Karsspor. Dabei hatte Trainer Sascha Schmidt vor Anpfiff noch gelächelt. "Wir wollen den Ball laufen lassen", versprach er in die Kameras. Das tat seine Mannschaft auch - zumindest zeitweise. Nur liefen Ball und Gegner meistens in unterschiedliche Richtungen. Schon in den ersten Minuten zeigte sich: Türkgücü hatte die reifere Spielanlage, das bessere Timing und den gefährlicheren Plan B, C und D. Bereits in der 2. Minute prüfte Marc Kluge den Heimkeeper Roman Janocko mit einem satten Schuss aus 20 Metern. "Ich wollte nur wach werden", grinste Kluge später. Sirnak antwortete sofort - der 18-jährige Sabit Özdenak setzte in Minute 3 einen beherzten Versuch knapp neben den Pfosten. Danach allerdings war Türkgücü Herr im Haus - und das als Gast. Karsspor kombinierte geduldig, lauerte auf Ballverluste und startete immer wieder gefährliche Konter. Hugo Karlson, der eigentlich als linker Verteidiger auflief, tauchte in der zehnten Minute plötzlich im Strafraum auf. Sein Schuss ging drüber, aber das war bereits ein Vorgeschmack. Sirnak verlor in der 8. Minute unglücklich Mariusz Lewandowski, der nach einem Zweikampf verletzt raus musste. "Der Rasen war heute härter als mein Gegenspieler", witzelte er humpelnd. Fabian Wirtz kam für ihn - und brachte frischen Wind, wenn auch nur bis zur Mittellinie. In der 39. Minute war es dann soweit: Türkgücü belohnte sich für die Dominanz. Nach schöner Vorarbeit von Marc Kluge traf Nael Fontàs aus zentraler Position trocken zum 1:0. Janocko flog, der Ball flog weiter - und die Fans der Gäste gleich mit. "Ich hab den Ball perfekt getroffen", sagte Fontàs und grinste, als hätte er gerade das Spiel seiner Karriere gespielt. Mit 0:1 ging es in die Pause. Schmidt stapfte in die Kabine, Akin Nasa, der Coach der Gäste, dagegen pfiff fröhlich in Richtung Ersatzbank. "Wir bleiben ruhig, Jungs. Das läuft", soll er gesagt haben - und er sollte recht behalten. In der zweiten Halbzeit versuchte Sirnak mit mehr Offensive, was angesichts der Statistik fast rührend wirkte: Drei Torschüsse standen am Ende 17 von Türkgücü gegenüber. Der Ballbesitz? 45 zu 55 Prozent - also fast ausgeglichen, aber eben nur auf dem Papier. Denn während Türkgücü mit langen Pässen blitzschnell umschaltete, drehte Sirnak Kreise im Mittelfeld. In der 69. Minute hatte Leandro Postiga noch einmal die große Chance zum Ausgleich, doch sein Schuss landete in den Armen des sicheren Vadim Sajenko. "Ich hab kurz gedacht, das wird gefährlich", meinte Sajenko später trocken, "aber dann nicht mehr." Das Spiel entschied sich endgültig in der 78. Minute: Nach feinem Zuspiel von Emil Musiala schlenzte Olgun Aydemir den Ball elegant ins lange Eck - das 2:0, der Todesstoß für alle Sirnak-Hoffnungen. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Aydemir nach der Partie, "aber manchmal muss man dem Ball einfach vertrauen." Es folgten noch ein paar harmlose Schüsse, drei Gelbe Karten für Türkgücü (Kluge, Long und Fontàs), und ein zunehmend resignierter Trainer Schmidt, der nach dem Abpfiff bekannte: "Wir haben es versucht, aber ohne Zielwasser gewinnt man in dieser Liga keinen Blumentopf." Sein Gegenüber Akin Nasa lobte seine Mannschaft: "Wir haben taktisch diszipliniert gespielt, ruhig geblieben und auf unsere Chancen gewartet. Das war erwachsen." Er grinste, während seine Spieler auf dem Rasen tanzten. Türkgücü Karsspor zeigte an diesem Abend, dass man auch mit weniger Ballbesitz und "schwachem Einsatz" (laut Taktikdaten) ein starkes Spiel machen kann - wenn man die entscheidenden Momente nutzt. Sirnak dagegen, offensiv eingestellt, aber ohne Durchschlagskraft, bleibt weiter im Tabellenkeller und sucht nach einem Weg, aus guten Vorsätzen Punkte zu machen. Vielleicht sollte Trainer Schmidt beim nächsten Mal seinen Spielern sagen, dass der Ball tatsächlich ins Tor darf - und nicht nur hübsch durch die Gegend geschoben werden soll. Ein Zuschauer brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Die haben heute viel Benzin verbrannt, aber kein Feuer gemacht." Treffender kann man einen Abend wie diesen kaum zusammenfassen. 13.06.2026 22:21 |
Sprücheklopfer
Das, was ich schon die letzten 20 Jahre gemacht habe, mich wichtig machen und deppert reden!
Toni Polster auf die Frage, was er im Gladbach-Management tun werde