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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst Drehbuchautoren als zu unrealistisch abtun würden. Türkgücü Karsspor gewinnt am 7. Spieltag der 1. Liga Türkei mit 2:0 gegen Kasimpasa - und die beiden Torschützen heißen… Finlay Gariepy und Taci Topuz. Zwei Innenverteidiger. Zwei Tore. Zwei Gesichter, die man sonst eher beim Kopfballabwehren als beim Jubeln vor der Kurve sieht. Doch an diesem Abend im Januar 2026 gehörte das Stadion mit 41 883 Zuschauern ganz den Männern aus der letzten Reihe. "Ich schwöre, ich wollte eigentlich nur klären", lachte Finlay Gariepy nach dem Spiel, noch immer mit Rasenkrümeln im Haar. Sein Schuss in der 11. Minute - nach einem Eckball von Taci Topuz - zischte wie ein wild gewordener Bumerang ins rechte Eck. Kasimpasa-Keeper Timur Avci streckte sich umsonst. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Avci später, "aber anscheinend war der Ball anderer Meinung." Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem Türkgücü Karsspor alles richtig machte, was man richtig machen kann, wenn man gleichzeitig aggressiv, aber clever spielt. 50 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse und eine Zweikampfquote von über 57 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. Trainer Akin Nasa stand nach dem Spiel an der Seitenlinie, grinste und meinte trocken: "Ich habe gesagt, wir sollen offensiv anfangen - aber dass unsere Verteidiger die Tore schießen, war nicht Teil des Plans." Das zweite Kapitel des Abwehrmärchens schrieb Taci Topuz selbst in der 26. Minute. Nach einer feinen Flanke von Michel Eliezer stieg der 33‑Jährige höher als alle anderen und köpfte den Ball unhaltbar ins Netz. "Ich habe Michel zugerufen: ’Mach’s wie früher im Training!’ - und diesmal hat er tatsächlich mal zu mir gepasst", witzelte Topuz später. Eliezer lachte nur: "Ich hatte keine Wahl, die Stürmer waren alle gedeckt." Kasimpasa hingegen wirkte über weite Strecken wie ein Team, das seine Bedienungsanleitung verloren hatte. Vier kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten, ein Ballbesitz knapp unter 50 Prozent und eine Rote Karte in der Schlussphase für Evdoxios Apostolakis - das war die magere Bilanz. Der 33‑jährige Linksverteidiger sah erst Gelb (52.) und dann Gelb‑Rot (87.), weil er offenbar vergessen hatte, dass ein Trikotziehen im Strafraum nicht als Umarmung durchgeht. "Wir haben zu brav angefangen und zu spät gemerkt, dass Fußball kein Schachspiel ist", seufzte Kasimpasa‑Coach Mehmet Ersoy (fiktiv, da im Datensatz keiner angegeben) nach dem Abpfiff. "Und unsere Offensivabteilung hat sich heute wohl im Labyrinth verlaufen." Dabei begann das Spiel für Kasimpasa gar nicht so schlecht. In der 9. Minute prüfte Noe Santos Türkgücü‑Keeper Juan Alvar mit einem satten Schuss - der erste und zugleich letzte gefährliche Versuch der Gäste im ersten Durchgang. Danach dominierte Türkgücü. Olgun Aydemir und Aygün Göktan wirbelten vorne, als wollten sie beweisen, dass auch ohne Torerfolg Spektakel möglich ist. In der zweiten Halbzeit versuchte Kasimpasa, das Ruder herumzureißen. Bailey Latham tauchte in der 51. Minute frei vor dem Tor auf, doch Alvar parierte glänzend. Danach verlegte sich Türkgücü auf kontrolliertes Risiko - oder, wie Trainer Nasa es formulierte: "Wir wollten offensiv bleiben, aber ohne übermütig zu werden. Also quasi aggressiv mit Stil." Einziger Wermutstropfen: In der Nachspielzeit (92.) verletzte sich Michel Eliezer bei einem Zweikampf und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Nenad Milosevic, der sich gleich mit einem ironischen Applaus an die Fans wandte. "Er hat sich wahrscheinlich nur gedacht: Wenn schon alle Verteidiger treffen, will ich wenigstens eingewechselt werden", scherzte ein Zuschauer auf der Tribüne. Kurz vor Schluss kassierte Liam Kenny noch Gelb (89.), wohl mehr aus Langeweile als aus Notwehr. Doch der Sieg war längst gesichert - Türkgücü ließ den Ball laufen, als wollten sie ihrem Gegner noch ein wenig Zeit zum Nachdenken schenken. Als Schiedsrichter Yilmaz Demir (fiktiv) abpfiff, brandete Jubel auf. 2:0, zwei Tore aus der Defensive, drei Punkte, die sich wie sechs anfühlten. "Wenn wir so weitermachen, müssen unsere Stürmer bald um ihre Plätze fürchten", witzelte Kapitän Topuz beim Verlassen des Rasens. Vielleicht war es kein schönes Spiel im klassischen Sinne, aber es war eines mit Charakter - kantig, leidenschaftlich, ein bisschen chaotisch. Und als die Flutlichter ausgingen, schien es, als habe Karsspor an diesem Abend nicht nur Kasimpasa besiegt, sondern auch das Klischee, dass Verteidiger nicht treffen können. Oder wie Trainer Nasa es auf den Punkt brachte: "Manchmal ist die beste Offensive eben eine gute Abwehr - mit Torgefahr." 29.03.643987 20:31 |
Sprücheklopfer
Das letzte Mal, dass ich so hoch verloren hab, war gegen meinen Bruder im Tipp-Kick.
Peter Neururer nach einer 0:7-Niederlage mit Rot-Weiß Essen (anschließende Entlassung Neururers inbegriffen)