Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Türkgücü Karsspor zerlegt Fenehrbace mit 3:0 - ein Abend voller Fragen

Ein lauer Januarabend, 20:30 Uhr im Istanbuler Şükrü-Saracoğlu-Stadion, 42.170 Zuschauer, die sich auf ein packendes Duell am 13. Spieltag der 1. Liga Türkei freuten. Am Ende aber blickten sie mit hängenden Köpfen auf die Anzeigetafel: Fenehrbace 0, Türkgücü Karsspor 3. Ein Ergebnis, das so klar war, dass selbst die Stadionkatze frühzeitig in die Kabine verschwand.

Von Beginn an machten die Gäste aus Kars deutlich, dass sie nicht zum Bosporus gereist waren, um Postkarten zu schreiben. Trainer Akin Nasa hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und eiskalter Konsequenz. "Wir wollten hier zeigen, dass wir Fußball spielen können - nicht nur verteidigen", grinste Nasa nach dem Spiel, während sein Gegenüber Hansi Flick eher den Eindruck vermittelte, als überlege er, ob er sich noch an den Namen seines Innenverteidigers erinnern könne.

Schon in den ersten Minuten flogen die Angriffe der Gäste wie Schneebälle auf das Tor von Fenehrbace-Keeper Seha Aslan. Leandro Barros testete ihn in Minute 5, Olgun Aydemir gleich doppelt (11. und 33.), und als der Ball endlich in der 39. Minute im Netz zappelte, war das längst überfällig. Nenad Milosevic, der 32-jährige Linksaußen aus Belgrad, nahm einen feinen Pass von Barros auf und schlenzte den Ball mit der Eleganz eines Mannes, der schon zu viel Balkan-Winter erlebt hat, ins rechte Eck - 0:1.

"Ich habe nur die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner dazwischen grätscht", lachte Milosevic später, als er den obligatorischen Matchball in der Hand drehte.

Fenehrbace dagegen wirkte wie ein Team, das zwar offensiv eingestellt war, aber den eigenen Offensivplan im Bus vergessen hatte. 46 Prozent Ballbesitz, gerade einmal fünf Torschüsse - es war nicht der Abend der Gelb-Blauen. Ion Barbu, der 19-jährige Hoffnungsträger, rannte sich auf der rechten Seite die Lunge aus dem Leib, doch seine Flanken fanden eher die LED-Bande als Mitspieler Taci Mandirali.

In der Kabine muss Hansi Flick laut geworden sein, zumindest versuchte er es später so zu verkaufen: "Wir wollten mehr Risiko gehen, mutiger werden, aber manchmal ist Fußball eben grausam." Grausam - oder einfach unpräzise. Denn Türkgücü Karsspor spielte weiter wie aus einem Guss. Aydemir, der flinke Linksaußen, traf in der 74. Minute nach einem blitzschnellen Pass des 18-jährigen Lokman Bilgin zum 0:2. Ein Tor, das so sauber herausgespielt war, dass selbst die Fenehrbace-Fans kurz klatschten - oder vielleicht einfach nur froren.

Die Hausherren versuchten es mit langen Bällen, doch Türkgücüs Abwehrchef Finlay Gariepy, ein Fels mit kanadischem Pass, köpfte alles weg, was auch nur entfernt nach Gefahr roch. In der 84. Minute sah Fenehrbace-Verteidiger Doruk Tekin noch Gelb, wohl aus Frust, weil er zum dritten Mal in Folge von Aygün Göktan ausgetanzt wurde.

Und als die Nachspielzeit begann, setzte Aydemir seinem Galaabend die Krone auf. Wieder war es eine Kombination über den rechten Flügel, diesmal flankte der junge Ahmet Akman, und Aydemir köpfte zum 0:3 ein. Die Gästebank tobte, Coach Nasa sprang in die Arme seines Co-Trainers, während Hansi Flick die Hände in die Taschen schob und einen tiefen Seufzer ausstieß. "Wir müssen unsere Chancen besser nutzen", murmelte er. Eine bemerkenswerte Aussage für ein Team, das kaum Chancen hatte.

Die Statistik sprach ohnehin Bände: 19 Torschüsse der Gäste, nur 5 bei den Hausherren. 53 Prozent Ballbesitz für Türkgücü, aber gefühlt 90 Prozent Kontrolle. Selbst der Ball schien irgendwann keine Lust mehr zu haben, für Fenehrbace zu rollen.

Nach Abpfiff sagte Türkgücü-Kapitän Milosevic augenzwinkernd: "Wir haben gespielt, als wären wir zu Hause - nur das Catering war schlechter." Sein Trainer ergänzte: "So darf es weitergehen. Aber wir wissen, nächste Woche kann alles wieder ganz anders aussehen."

Hansi Flick hingegen wirkte ratlos. "Wir sind jung, wir lernen", sagte er mit einem gequälten Lächeln. Und als ein Reporter fragte, was genau seine Mannschaft gelernt habe, antwortete er trocken: "Dass Türkgücü Karsspor kein Ausflugsteam ist."

Ein Abend, der für die Gäste zum Triumph und für die Hausherren zur Lektion wurde. Vielleicht wird man in Fenehrbace noch lange von diesem Spiel sprechen - allerdings eher im Tonfall eines schlechten Witzes.

Oder, um es mit den Worten eines Fans auf der Tribüne zu sagen: "Wir haben wenigstens fair verloren - das ist ja auch was."

07.06.643987 03:03
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich kein Dauerläufer bin, sonst könnte ich ja gleich beim Marathon starten.
Mario Basler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager