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Ein lauer Aprilabend, Flutlichtglanz über dem Stadion, 3641 Zuschauer - und eine Mannschaft, die offenbar beschlossen hatte, Fußball zur Kunstform zu erheben. Türkiyemspor 1978 besiegte am 21. Spieltag der Regionalliga B den FK Pirmasens mit 5:0 (3:0). Und das, obwohl die Gäste gar nicht so schlecht dastanden - sie standen nur leider meistens falsch. Schon die erste Viertelstunde ließ ahnen, dass es für Pirmasens ein langer Abend würde. Bereits in der 9. Minute zündete Dries Zaman den Turbo, zog nach Pass von Stefan Maier aus 20 Metern ab und ließ Torhüter Dennis Frei keine Chance. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Zaman nach dem Spiel, "und gehofft, dass der Ball nicht den Parkplatz trifft." Pirmasens versuchte, sich zu schütteln, doch Türkiyemspor blieb bissig. Die Statistik belegt das: 22 Torschüsse für die Hausherren, nur 5 für die Gäste. Trainer Ata Mramor hatte seine Elf defensiv geordnet, aber offensiv entfesselt eingestellt - ein Paradoxon, das funktionierte. "Wir spielen defensiv, aber wir denken offensiv", erklärte er mit einem Augenzwinkern. In der 39. Minute schlug dann ein Innenverteidiger zu: Joschua Krause, der robuste Abwehrchef, köpfte nach Freistoß von Jerzy Sobolewski wuchtig ein - 2:0. "Ich wollte eigentlich klären, aber da war schon das Tor im Weg", witzelte Krause später. Nur drei Minuten danach (42.) durfte auch der bullige Stürmer Radek Danek jubeln. Nach Vorlage des quirligen Mittelfeldmanns Vratislav Kisel schob er überlegt zum 3:0 ein. Spätestens da schien Pirmasens mehr mit der Existenzfrage beschäftigt als mit dem Ball. Im zweiten Durchgang änderte sich wenig - außer dass die Gäste zur Pause gleich doppelt wechselten, um etwas Frische ins Spiel zu bringen. Gudrun Schweitzer, die Trainerin der Pfälzer, erklärte später: "Wir wollten mutiger werden. Leider war Türkiyemspor auch mutig - und besser." Ihre Mannschaft kam immerhin zu ein paar Chancen, etwa durch David Bernier (51.) und Hugo Alves (61.), doch Heimkeeper Ingo Bosingwa blieb weitgehend beschäftigungslos. Dann begann die Radek-Danek-Show. In der 76. Minute drosch der 33-jährige Tscheche einen Pass von Krause kompromisslos ins Netz - 4:0. Nur vier Minuten später (80.) wiederholte er das Kunststück, diesmal nach Vorlage von Stefan Maier. Der Ball zappelte erneut im Tor, und Danek drehte jubelnd ab, als hätte er gerade den Champions-League-Pokal gewonnen. "Ich fühle mich heute wie 25", lachte er, "aber mein Knie sagt mir, dass das gelogen ist." Ganz ohne Dramatik kam die Partie freilich nicht aus: Nelio Valente, der erfahrene Mittelfeldstratege der Gastgeber, sah innerhalb von drei Minuten Gelb und dann Gelb-Rot (78./81.) und durfte früher duschen. "Er hat wohl gedacht, sein Trikot brauche dringend eine Waschladung", spottete ein Zuschauer. Mramor nahm’s gelassen: "Nelio wollte einfach nicht, dass es uns zu langweilig wird." Die Gäste hingegen sammelten ihre Gelben eher aus Frust - zwei in der zweiten Halbzeit, bezeichnend für ihre zunehmende Verzweiflung. Auch der Ballbesitz von 45 Prozent half wenig, wenn man ihn vor allem in der eigenen Hälfte pflegte. Als der Schlusspfiff ertönte, war das 5:0 fast gnädig. Die Fans feierten ihre Mannschaft, während aus dem Gästeblock höflicher Applaus kam - vielleicht für die Tatsache, dass niemand verletzt wurde. Statistisch unterstrich Türkiyemspor seine Dominanz: 55,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein deutliches Plus an Ballbesitz und eine Effizienz, die fast unverschämt wirkte. "Wir haben heute gezeigt, was passiert, wenn alle elf Spieler gleichzeitig wach sind", sagte Mramor. Pirmasens-Coach Schweitzer suchte nach Worten und fand immerhin Humor: "Das Positive? Wir haben kein Eigentor geschossen. Und der Bus sprang nachher sofort an." So bleibt am Ende ein Abend, der für Türkiyemspor 1978 in die Vereinschronik eingehen dürfte - und für FK Pirmasens in die Kategorie "schnell vergessen". Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn sie nächste Woche wieder so spielen, müssen wir den Rasen neu streichen - vor lauter Freude." 28.09.643996 01:55 |
Sprücheklopfer
Wenn ich aber nur daran denke, dass seine Frau, dieses Spice Girl, auch mitkäme! Das wäre schön für die Medien, aber nicht für uns. Das Theater brauche ich nicht.
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