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18335 Zuschauer trotzten am 6. Januar der klirrenden Kälte von Valkeakoski, um zu sehen, wie ihr FF Haka den "Schwarz-Weißen" aus Turku das Fürchten lehren würde. Am Ende aber war es Turun Palloseura, das mit einem 2:1-Auswärtssieg den Platz verließ - und Haka-Trainer Holter Kos mit der bitteren Erkenntnis, dass frühe Führungen manchmal nur trügerische Wärme spenden. Dabei fing alles so gut an. Nach gerade einmal 17 Minuten zappelte der Ball im Netz der Gäste. Jefim Filatow, der quirlig-linke Flügelmann Hakas, verwandelte eine Vorlage von Detlev Bauer mit der Präzision eines Uhrwerks. "Ich dachte gar nicht groß nach - einfach draufhalten", grinste Filatow nach dem Spiel, während ihm noch die Schneeflocken im Bart glitzerten. Die Haka-Fans tobten, die Trommeln dröhnten, und Trainer Kos ballte an der Seitenlinie die Fäuste. Doch das Glück hielt nicht lange. Nur 18 Minuten später schlug Turku zurück - und wie! Tuomas Österberg, der Denker im Mittelfeld, zirkelte nach feinem Zuspiel von Mikael Hyypiä den Ball unhaltbar ins linke Eck. Torwart Jyrki Tolsa streckte sich vergeblich. "Ich hab’ den Schuss kommen sehen, aber der war einfach zu gut", murmelte Tolsa später, während er demonstrativ an seiner Trinkflasche nuckelte. Haka wirkte kurz geschockt, und genau in dieser Phase legte Turku nach. In der 40. Minute wechselten die Rollen: Diesmal war es Hyypiä selbst, der nach Pass von Sami Ukkonen eiskalt blieb und das 2:1 markierte. Der 20-Jährige jubelte ausgelassen, rutschte auf den Knien durch den Schnee und brüllte in Richtung Gästeblock - "Das war für Oma!", soll er gerufen haben. Mit diesem Doppelschlag hatte Turku das Spiel gedreht, und Haka fand nie mehr so recht zurück. Zwar suchten Filatow und Renner in der zweiten Hälfte immer wieder den Abschluss - insgesamt acht Torschüsse standen zu Buche - doch der Ball wollte nicht mehr rein. Die Gäste verteidigten clever, ließen Haka laufen und konterten mit jugendlicher Energie. Besonders auffällig: Turku-Coach Karl Heinz hatte zum Pausenpfiff gleich dreimal gewechselt, brachte unter anderem den 17-jährigen Hannu Riihilahti und den nicht minder jungen Alessandro Nesta (nein, nicht der Italiener, aber fast so kompromisslos). "Ich dachte, etwas frischer Wind tut uns gut - und ein bisschen Babyface-Energie schadet nie", lachte Heinz nach dem Spiel. Die Statistik sprach am Ende für die Gäste: 52,6 Prozent Ballbesitz, elf Abschlüsse aufs Tor, und vor allem eine bemerkenswerte Nervenstärke. Während Haka in der zweiten Hälfte immer offensiver anlief - die Taktik blieb durchweg auf Angriff gestellt -, spielten die Turku-Kicker abgeklärt, beinahe erwachsen. "Wir wollten nicht schön spielen, wir wollten gewinnen", meinte Torschütze Österberg trocken. In der 62. Minute hatte Filatow noch einmal eine große Chance, als er sich über links durchtankte und aus spitzem Winkel abzog. Doch Torwart Arto Peltonen, der Turku-Keeper, hielt mit der Ruhe eines Mannes, der gerade den letzten Platz im Eisbad ergattert hat. Danach war die Luft raus. Die letzten Haka-Schüsse - von Antonio Ronaldo (ja, der heißt wirklich so) und Pekka Heikkinen - fanden ebenfalls nicht den Weg ins Glück. Gelbe Karte gab’s auch: Markus Aaltonen sah sie in der 19. Minute, wohl mehr aus Verlegenheit als aus Bosheit. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", erklärte er später mit einem Schulterzucken. Am Ende blieb es beim 1:2, und während die Turku-Spieler ihre Fans feierten, stapften die Haka-Akteure frustriert vom Platz. Trainer Holter Kos fasste es mit nordischer Nüchternheit zusammen: "Wir waren gut, sie waren besser. So einfach ist Fußball manchmal. Aber wenigstens frieren wir gemeinsam." Ein kleiner Junge im Haka-Trikot fragte seinen Vater beim Hinausgehen: "Papa, warum haben wir verloren?" Der Vater seufzte, zog die Mütze tiefer und sagte: "Weil Turku heute wärmer im Herzen war." Und so endete dieser finnische Winterabend, wie er begonnen hatte - eiskalt, aber mit einem Funken Leidenschaft, der den Atem sichtbar machte. Turun Palloseura nimmt drei Punkte mit nach Hause, Haka bleibt nur der Trost, dass ihre Fans selbst bei Minusgraden heiß auf Fußball bleiben. Man könnte sagen: Ein Spiel wie ein finnischer Saunaaufguss - erst schön heiß, dann plötzlich eiskalt. 18.03.643987 00:07 |
Sprücheklopfer
Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Aufstellung geändert.
Berti Vogts zu der Feststellung, er hätte mit der Wunschelf von Paul Breitner gespielt