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Es war ein frostiger Abend in Turku, aber die 27.038 Zuschauer im Stadion wärmten sich schnell auf - nicht nur an ihren Thermoskannen, sondern vor allem an der furiosen Anfangsphase ihrer Mannschaft. Turun Palloseura ließ Grönvitt Mariehamn kaum Zeit zum Luft holen und siegte am Ende verdient mit 2:0 (1:0). Matchwinner: der 22-jährige Jari Kuqi, der gleich doppelt traf und den Gästen die Heimreise aufs windige Åland gehörig vermieste. Schon nach zwei Minuten stand das Stadion Kopf. Ein Ballgewinn im Mittelfeld, eine schnelle Drehung von Tuomas Österberg und ein Pass, der so präzise war, dass man fast den Verdacht hatte, er sei ferngesteuert. Kuqi nahm den Ball mit dem ersten Kontakt mit, zog ab und - zack - 1:0. "Ich hab’ gar nicht groß nachgedacht", grinste der junge Finne später. "Ich dachte nur: Wenn ich treffe, darf ich heute das Dessert auswählen." Mariehamn wirkte wie vom Nordwind verweht. Kaum war das Spiel angepfiffen, da musste Keeper Toni Lampi schon wieder eingreifen. In der 9. Minute prüfte Janne Pyykkö ihn mit einem satten Schuss, kurz darauf drosch der 17-jährige Juhani Lagerblom zweimal aufs Tor, als wolle er beweisen, dass Jugend keine Ausrede für Zurückhaltung ist. Trainer Karl Heinz von Turun Palloseura stand an der Seitenlinie und rieb sich zufrieden die Hände. "Wir wollten früh draufgehen und Mariehamn gar nicht erst ins Spiel kommen lassen", erklärte er. "Und wenn die Jungs das so umsetzen, dann kann man auch mal lächeln - was bei minus fünf Grad gar nicht so einfach ist." Die Gäste dagegen wirkten ideenlos. Zwei kümmerliche Torschüsse standen am Ende zu Buche - einer davon kam in der 43. Minute, als Juhani Riihilahti kurz vor der Pause aus spitzem Winkel abzog, aber Turku-Torwart Arto Peltonen war zur Stelle. Ansonsten war von den "Grün-Weißen" wenig zu sehen, außer ein paar gelben Karten: Timo Kiefer (38.) und Petri Sauso (63.) ließen immerhin ihre Visitenkarten beim Schiedsrichter da. Kurz vor der Pause wurde es noch einmal ruppig, als Kari Lampi von Turku nach einem rustikalen Einsteigen ebenfalls verwarnt wurde. "Ich wollte den Ball, nicht die Beine", betonte er nach dem Spiel, während er sich mit einem Eisbeutel die Schienbeine kühlte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Turku blieb überlegen, Mariehamn blieb harmlos. Nur das Ergebnis blieb knapp - bis zur 71. Minute. Wieder war Kuqi zur Stelle, diesmal nach feiner Vorarbeit von Aki Koppinen. Der flankte von links butterweich in den Strafraum, und Kuqi köpfte mit der Eleganz eines Eishockeyspielers beim Bully - 2:0, Vorentscheidung. "Das war typisch Jari", meinte Mitspieler Österberg später. "Er redet sonst wenig, aber wenn der Ball kommt, dann spricht er mit den Füßen." Die letzten zwanzig Minuten waren dann ein Schaulaufen. Turku hatte Ballbesitzwerte wie aus dem Lehrbuch (56,5 Prozent) und feuerte weiter aus allen Lagen: insgesamt 20 Schüsse aufs Tor. "Wir hätten auch 4:0 oder 5:0 gewinnen können", meinte Trainer Heinz, "aber ich wollte ja nicht, dass meine Jungs übermütig werden. Schließlich soll uns ja keiner für arrogant halten." Mariehamn-Coach - dessen Name lieber ungenannt bleiben möchte, um die Busfahrt zurück erträglicher zu machen - fluchte an der Seitenlinie leise vor sich hin. Seine Mannschaft wirkte, als hätte sie Angst, den Ball zu besitzen. "Wir haben uns vorgenommen, ruhig zu bleiben", erklärte er später. "Das haben wir vielleicht etwas zu wörtlich genommen." Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Fans in Turku ihre Helden mit Gesängen, bei denen man nicht sicher war, ob sie mehr gegen die Kälte oder aus purer Freude anstimmten. Jari Kuqi wurde zum Spieler des Spiels gewählt - völlig zu Recht. Mit zwei Toren, acht Torschüssen und endloser Laufbereitschaft war er der Inbegriff finnischer Effizienz. "Ich hätte auch noch ein drittes machen können", sagte er schelmisch. "Aber mein Bruder Shefki hat mich so böse angeschaut, da hab ich’s lieber gelassen." Fazit: Turun Palloseura spielte kontrolliert und mit Leidenschaft, während Grönvitt Mariehamn so wirkte, als wäre die Fähre zum Festland schon um 19 Uhr gegangen. Wenn Turku diesen Schwung behält, dürfte die 1. Liga Finnland bald wissen, wer hier den Ton angibt - und das nicht nur, weil der Stadionsprecher so laut ist. Oder wie Trainer Heinz es trocken formulierte: "Wir sind auf Kurs. Und wenn Jari weiter so trifft, dann müssen wir bald einen größeren Pokalschrank bestellen." 05.03.643987 02:41 |
Sprücheklopfer
Ich werde einen Teufel tun und Ewald widersprechen. Der Ewald hat sich ja alles ganz genau notiert.
Felix Magath über eine Spielanalyse von Ewald Lienen