Elfmeter
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TuS Berlin trotzt FSV Zwickau - Effizienz schlägt Chancenflut

Ein lauer Aprilabend, 20:15 Uhr in Berlin. 2475 Zuschauer im kleinen Stadion an der Spree, Flutlicht, Bratwurstdunst, und auf dem Rasen zwei Teams, die unterschiedlicher kaum hätten auftreten können. TuS Berlin, taktisch ausgewogen, diszipliniert, fast schon brav. Und FSV Zwickau, wild entschlossen, mit 18 Torschüssen und der Körpersprache eines Teams, das mindestens drei Punkte wollte - und am Ende doch nur einen bekam.

"Das war so ein Spiel, bei dem du noch eine Stunde weiterspielen kannst und der Ball will einfach nicht rein", knurrte Zwickaus Trainer nach dem Abpfiff, während er sich den Kragen seiner Jacke hochzog. Es war eine treffende Zusammenfassung eines Abends, der für seine Mannschaft so frustrierend wie symptomatisch verlief.

Dabei begann alles wie ein Déjà-vu: Zwickau stürmte los, als ginge es um den Aufstieg. Bereits in der ersten Minute prüfte Wolfgang Zimmermann Berlins Torwart Michael Ott, der seinen Kasten mit einer artistischen Parade sauber hielt. Nur wenige Minuten später folgte der nächste Versuch, dann noch einer. Zimmermann schoss, schoss, und schoss - aber Ott war in dieser ersten Viertelstunde unüberwindbar.

Und dann, wie aus dem Nichts, der Gegenschlag. 15. Minute, Mathias Reich steckt auf der linken Seite durch, Marek Cabala startet, zieht nach innen, und zirkelt den Ball mit rechts ins lange Eck - 1:0 für TuS Berlin. Der Jubel war groß, die Überraschung noch größer. "Ich hab den einfach mal probiert, und plötzlich war er drin", grinste Cabala nach der Partie. "Ehrlich gesagt, war ich selbst überrascht."

Zwickau antwortete mit Wut im Bauch - und mit noch mehr Torschüssen. Karsten Ludwig, Paul Wurst, Niklas Eckert, Ritter, Reich - sie alle versuchten sich, aber das Tor blieb wie vernagelt. Ott, der Berliner Keeper, wuchs in dieser Phase über sich hinaus. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", sagte er mit einem Schulterzucken. "Ich hab einfach nur reagiert."

TuS Berlin hingegen konzentrierte sich auf das, was man in der Hauptstadt wohl als "kontrollierte Defensive" bezeichnet. Das Team von Trainer Uwe Kramer (der an der Seitenlinie stoisch wirkte, als spiele sich alles in einer Parallelwelt ab) setzte auf Ballberuhigung und gelegentliche Nadelstiche über Kaiser und Van Broeck - meist ohne Ertrag, aber immerhin mit Stil. Drei Torschüsse standen am Ende auf Berliner Seite, und einer davon saß.

Nach der Pause dasselbe Bild: Zwickau drückte, Berlin verteidigte. Ott parierte, Meissner grätschte, Lorenz warf sich in jeden Schuss. In der 72. Minute aber war der Bann gebrochen. Wolfgang Zimmermann, der unermüdliche Flügelmann, drosch eine flache Hereingabe in den Strafraum, Karsten Ludwig rauschte heran und drückte den Ball über die Linie - der hochverdiente Ausgleich. 1:1, und plötzlich war das Stadion wieder laut.

Doch während Zwickau weiter anrannte, schien Berlin den Punkt schon unterschrieben zu haben. Ein gelbes Kärtchen für Ralph Meissner kurz nach dem Ausgleich brachte noch einmal etwas Feuer in die Schlussphase, aber in echten Gefahr geriet das Remis nicht mehr. Die letzten Minuten waren eher ein kontrolliertes Auslaufen - Zwickau rannte gegen eine Berliner Betonwand, und TuS verteidigte den Punkt mit dem Pragmatismus eines Teams, das genau wusste, wann genug getan ist.

Statistisch gesehen war es ein kleines Wunder: 18:3 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - all das sprach für Zwickau. Aber Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. "Manchmal gewinnt nicht der, der mehr rennt, sondern der, der einmal richtig trifft", kommentierte ein Berliner Fan trocken auf der Tribüne.

Nach dem Spiel schüttelten beide Trainer die Köpfe - der eine aus Frust, der andere aus Erleichterung. "Wir haben den Punkt mit Herzblut erkämpft", sagte TuS-Coach Kramer. "Und wenn man ehrlich ist, vielleicht auch ein bisschen Glück gehabt." Zwickaus Trainer hingegen fasste es mit bitterem Humor zusammen: "Wenn wir noch länger gespielt hätten, hätte Ott wahrscheinlich auch den Bus gehalten."

So endete ein Spiel, das in den Statistiken klar war, auf der Anzeigetafel aber ausgeglichen blieb. 1:1 - und das Gefühl, dass Zwickau zwei Punkte verloren und Berlin einen gewonnen hat.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Effizienz schlägt Statistik, und Marek Cabala wird den 15. April wohl nicht so schnell vergessen. Oder, wie er lachend sagte, bevor er in die Kabine verschwand: "Wenn man nur dreimal schießt, muss man halt treffen."

Und genau das tat er.

14.11.643996 21:00
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Der Schiri kann froh sein, dass ich ihm keine geschmiert habe.
Werner Lorant
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