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TuS Hordel schleicht sich mit 1:0 nach Stollberg ins Halbfinale

Manchmal reicht ein einziger Moment, um ein ganzes Spiel zu entscheiden. Im Viertelfinal-Rückspiel des Liga-Pokals (2. Liga Deutschland) zwischen dem FC Stollberg und TuS Hordel war es der 40. Minute vorbehalten, den Abend zu prägen. Tim Pfeiffer, der Hordeler Mittelstürmer mit der Körpersprache eines Mannes, der weiß, dass heute was geht, trifft zum 1:0 - und das war’s. Mehr Tore gab’s nicht, mehr brauchte es auch nicht.

9.792 Zuschauer im Stollberger Stadion sahen ein Spiel, das man wohlwollend als "kampfbetont" bezeichnen könnte. Beide Teams gaben sich keine Blöße, aber auch keine allzu große Mühe, das Spiel in ein Offensivfeuerwerk zu verwandeln. Immerhin kamen die Gastgeber auf neun Schüsse aufs Tor, die Gäste auf acht - statistisch also fast ein Unentschieden, aber Fußball wird, wie wir seit Herberger wissen, nicht auf Excel gespielt.

Dabei fing es für Stollberg gar nicht schlecht an. Trainer Wei To hatte sein Team offensiv ausgerichtet, mit Kalman Borbas als zentralem Zielspieler und den flinken Flügeln Julius Jahn und Ruslan Gerassimow. Doch die Anfangsphase gehörte Hordel. Schon in der 4. Minute prüfte Pfeiffer den jungen Stollberger Keeper Oscar Gordon, der beherzt abtauchte und den Ball mit den Fingerspitzen um den Pfosten lenkte. "Ich dachte, der hat den schon drin gesehen", grinste Gordon später. "Aber ich bin ja nicht umsonst Torwart geworden."

Dann kam die 40. Minute. Marvin Fink, Hordels rechter Stürmer, setzte sich auf der Außenbahn durch, legte flach nach innen - und Pfeiffer stand da, wo ein Stürmer stehen muss. Ein Kontakt, ein Schuss, ein Tor. 1:0. Stollbergs Innenverteidiger Fernando Antonio sah dabei eher aus wie ein Tourist, der sich beim Sightseeing verlaufen hat. "Ich hab kurz gedacht, der Ball geht vorbei", sagte er später, "aber Pfeiffer hat ihn halt richtig erwischt."

Kurz vor der Pause kassierte Hordels Abwehrchef Luke Kinsella noch Gelb, nachdem er Gerassimow recht rustikal stoppte. "Ich wollte nur den Ball", meinte Kinsella mit einem Grinsen. Niemand glaubte es ihm wirklich.

In der zweiten Halbzeit versuchte Stollberg alles, was im Rahmen des Möglichen lag - also vor allem Flanken, Zufall und Hoffnung. Trainer Wei To brachte in der 46. Minute den 18-jährigen Jürgen Meissner für Borbas, wohl in der Hoffnung auf jugendliche Unbekümmertheit. "Ich hab gesagt, lauf einfach, Junge", erzählte To später. "Und er ist gelaufen. Nur halt meistens ins Abseits."

TuS Hordel blieb seiner Linie treu, lauerte auf Konter und lange Bälle. Als Pfeiffer in der 60. Minute nach einem Zweikampf verletzt vom Platz musste, kam der 37-jährige Berndt Brand - eine Art Spieler, den man eigentlich nur noch in nostalgischen Fußballmagazinen findet. "Ich hatte gar nicht mehr mit Einsatz gerechnet", lachte Brand nach dem Spiel. "Aber wenn’s drauf ankommt, bin ich halt da. Wie ein alter Diesel - braucht länger zum Anspringen, läuft dann aber."

Stollberg drückte in der Schlussphase, doch die Genauigkeit blieb ein ungelöstes Rätsel. Julius Jahn verzog in der 78. Minute knapp, Gerassimow scheiterte zwei Minuten später an Keeper Jacob Montgomery, der an diesem Abend alles hielt, was auf ihn zuflog. "Ich hatte heute einfach das Gefühl, keiner trifft mich", sagte Montgomery, und meinte das wörtlich.

In der 81. Minute sah Stollbergs Verteidiger Walter Hamann Gelb, nachdem er Hordels Olav Anders etwas zu herzhaft in den Rasen beförderte. Das Publikum pfiff, der Schiedsrichter gestikulierte, und Hamann zuckte mit den Schultern - sinnbildlich für Stollbergs Abend.

Am Ende reichte Hordel der eine Treffer aus Halbzeit eins, um den Einzug ins Halbfinale perfekt zu machen. "Das war kein Schönheitspreis", gab TuS-Trainerin Ute Finkeldy offen zu. "Aber ein 1:0 zählt auch. Und manchmal ist das die schönste Zahl im Fußball."

Wei To dagegen wirkte nachdenklich: "Wir haben alles gegeben, aber das Tor war vernagelt. Vielleicht hätten wir vorher Opfergaben bringen sollen - oder einfach mal aufs Tor schießen, statt immer daneben."

So bleibt TuS Hordel im Pokalrennen, während Stollberg sich mit viel Ballbesitz (44 Prozent sind ja auch fast Hälfte) und der Erkenntnis trösten muss, dass Einsatz nicht immer belohnt wird.

Und irgendwo in der Kabine, so munkelt man, soll Oscar Gordon leise gesagt haben: "Nächstes Mal halten wir auch das 0:0. Dann müssen die anderen halt weinen."

Fußball kann so grausam sein - und so herrlich ehrlich.

21.10.643996 08:33
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