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Wenn 18-Jährige die Landesliga aufmischen, dann wird’s laut in Jöllenbeck. 1.865 Zuschauer brüllten am kalten Januarabend ihr TuS zum 2:1-Erfolg über den FC Cuxhaven - ein Spiel, das alles hatte: junge Wilde, gelbe Karten im Minutentakt und eine rote Karte zum Dessert. Schon nach wenigen Sekunden sah Paul Petersen Gelb. "Ich wollte doch nur zeigen, dass ich wach bin!", grinste der Innenverteidiger später - sein Trainer Peer Chamier sah das weniger humorvoll. "So früh wach zu sein ist ja schön, aber nicht mit dem Fuß voran." Cuxhaven startete schwungvoll, hatte in den ersten Minuten gleich mehrere Abschlüsse. Kai Fritz prüfte Torhüter Dario Erceg bereits in der zweiten Minute, Walter Ulrich legte nach - aber Erceg war auf dem Posten. Das Spiel kippte in Minute 15, als Johann Rau, gerade einmal 18, die Kugel nach feiner Vorarbeit von Marc Haag trocken ins lange Eck jagte. 1:0 - und das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Rau später mit einem Grinsen, "und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." TuS Jöllenbeck blieb offensiv, Cuxhaven hielt mit Ballbesitz dagegen - am Ende standen 55 Prozent auf Seiten der Gäste, aber was nützt das, wenn man daraus nichts macht? Julian Voigt hatte zwar in der 23. und 35. Minute zwei gute Gelegenheiten, aber der Ball wollte nicht rein. Stattdessen sammelte man Karten: John Lockhart sah kurz vor der Pause Gelb, und Trainer Rio Alf stapfte kopfschüttelnd in die Kabine. "Wir haben gespielt, als wäre der Strafraum eine Sperrzone", knurrte er später. Nach der Pause brachte Alf frische Kräfte - Lars Schütz kam für den verwarnten Lockhart, und das zeigte Wirkung. In der 54. Minute war es dann so weit: Voigt nahm einen Pass von Tomas Freitag auf, drehte sich elegant und schob flach ein. 1:1 - verdient. Kurzer Jubel, dann Ernüchterung. Nur acht Minuten später schickte Johannes Hagen den jungen Philip Link auf die Reise, der - ebenfalls 18 - mit der Coolness eines Routiniers das 2:1 markierte. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er so frei war", gestand Hagen später lachend, "ich wollte eigentlich zu Vincent spielen." Dass aus Versehen manchmal das Beste entsteht, dürfte Chamier gefallen haben. "Na, wenn die Jungs so weiterspielen, kann ich bald Kaffee trinken während des Spiels", sagte er, "aber nein - lieber nicht, ich verschütte ihn ja doch." Cuxhaven drückte in der Schlussphase, hatte durch Benjamin Browning in der 94. Minute noch eine dicke Chance, doch Erceg hielt wieder famos. Dazwischen wurde es hitzig: Gelb für Uwe Thomas in der 84., Rot für Jöllenbecks Gabri Pena in der 92. Minute. "Er hat wohl vergessen, dass man beim Fußball nicht ringen darf", witzelte ein Fan auf der Tribüne, als Pena unter Applaus, aber leicht betreten vom Platz schlich. Statistisch gesehen war Cuxhaven sogar leicht besser - mehr Ballbesitz, zehn Torschüsse gegenüber vierzehn des TuS - doch Jöllenbeck war schlicht effizienter. Pressing? Ab der 46. Minute wurde aggressiv angelaufen, und das zeigte Wirkung. Der FC kam kaum mehr geordnet nach vorn, Voigt und Fritz hingen in der Luft. Nach Abpfiff um 22 Uhr stand ein glücklicher, aber verdienter Sieg. Peer Chamier umarmte seine Jungs, während Cuxhavens Trainer Rio Alf in die Nacht hinaus murmelte: "Wir spielen schön, aber die anderen schießen Tore." Ein junger TuS, der mutig nach vorn spielt, ein FC, der trotz mehr Ballkontrolle zu wenig draus macht - das war Landesliga-Fußball, wie man ihn liebt: ungeschliffen, laut, ehrlich. Und wenn Jöllenbeck so weitermacht, könnte man fast meinen, hier wächst etwas zusammen, das sogar Trainer Chamier irgendwann ruhiger schlafen lässt - sofern keine frühen Gelben dazwischenfunken. Schlusswort: In Jöllenbeck hat man an diesem Abend gelernt, dass Jugend und Wahnsinn oft Hand in Hand gehen - und dass ein bisschen Chaos manchmal genau das richtige Rezept ist, um drei Punkte einzufahren. 15.08.643987 09:33 |
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