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Es war ein frostiger Abend in Heimstetten, und 2.189 Zuschauer hatten sich am 13. Spieltag der Landesliga 5 aufgewärmt - mit Glühwein, Schal und der Hoffnung auf ein Heimspektakel. Am Ende aber jubelten die Gäste aus Jöllenbeck: Mit 2:1 (1:1) setzte sich der TuS durch, nicht zuletzt dank eines Teenagers, der offenbar vergessen hatte, dass Außenverteidiger eigentlich nicht treffen sollen. Bereits in der 8. Minute sorgte der 18-jährige Lukas Fritzsche für ungläubiges Raunen auf den Rängen. Ein Linksverteidiger, der nach vorne marschiert, den Ball von Emilio Zapatero in den Lauf bekommt und dann trocken ins lange Eck zirkelt - das hat man in Heimstetten so wohl selten gesehen. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Fritzsche später grinsend zu. "Aber wenn’s so reingeht, beschwert sich keiner." Trainer Peer Chamier nickte trocken: "So lange er das ab jetzt jede Woche macht, darf er auch weiterhin ’versehentlich’ flanken." Heimstetten schüttelte sich kurz, dann übernahm Friedrich Schreiber die Verantwortung. Der bullige Mittelstürmer hatte zwar mehr Gelbe Karten als Tore auf dem Konto, aber in der 34. Minute zeigte er seine bessere Seite: Nach einem feinen Pass des agilen Daniel Jones vollstreckte Schreiber zum 1:1 - mit einem Schuss, der so wuchtig war, dass die Tornetze vermutlich noch heute nachschwingen. "Endlich mal einer drin", murmelte Schreiber später, bevor er sich mit einer Gelb-Roten Karte in der 83. Minute selbst aus dem Spiel nahm. "War wohl zu viel Adrenalin", kommentierte Heimstetten-Trainer Can Zenit lakonisch. "Er wollte einfach nicht ohne Applaus vom Platz gehen." Bis dahin hatte die Partie allerdings längst ihre Wendung genommen. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 48. Minute, nutzte Jöllenbecks Max Bartsch die Unordnung in der Heimstettener Abwehr und traf nach Vorarbeit von Marc Haag zum 2:1. Der 19-Jährige sprintete jubelnd zur Eckfahne, wo Mitspieler Vincent Berglund ihm lautstark "Endlich mal einer von uns!" zurief. Das passte: Die jungen Wilden aus Jöllenbeck hatten Heimstetten den Schneid abgekauft. Statistisch war die Sache ohnehin klar: 54 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 15 Torschüsse gegenüber nur fünf auf Heimstettener Seite. Jöllenbeck kombinierte ruhig, während Heimstetten mit viel Einsatz, aber wenig Präzision agierte. "Wir wollten mutig sein, aber manchmal sieht Mut halt wie Hektik aus", seufzte Trainer Zenit. Sein Gegenüber Chamier fasste es etwas spitzer: "Wir hatten den Ball lieber, und das hat man gemerkt." Besonders auffällig: Jöllenbeck wirkte trotz der frühen Führung nie passiv. Während Heimstetten nach der Pause auf Pressing umstellte, spielten die Ostwestfalen weiter mit erstaunlicher Gelassenheit. Selbst der gelbverwarnten Paul Petersen ließ sich in der 70. Minute nicht aus der Ruhe bringen. "Ich hab’s ihm dreimal gesagt: Lass die Grätsche!", lachte Chamier, "aber Paul wollte wohl für die Galerie spielen." Heimstetten kämpfte, wechselte zur Pause gleich dreifach - Louis Boissieu, Nevio Kraus und Janis Pfeiffer kamen rein -, doch der erhoffte Ruck blieb aus. Kraus wagte in der 58. Minute einen Distanzschuss, der jedoch so zielsicher war, dass er die Eckfahne traf. "Das war Absicht", behauptete er später mit einem Augenzwinkern, "ich wollte zeigen, wo wir hinspielen sollen." In der Schlussphase wurde es dann hitzig: Schreiber sah zunächst Gelb (47.), später Gelb-Rot (83.), und Heimstetten beendete das Match zu zehnt. Der Rest war Jöllenbecker Ballstafette und Heimstettener Frust. "Wenn man mit 19 Jahren so cool runterspielt, dann hat man was richtig gemacht", lobte Chamier seine Youngster. "Ich hab ihnen gesagt: Fußball ist kein Matheunterricht - ihr dürft kreativ sein." Als Schiedsrichter Müller nach 91 Minuten abpfiff, atmete Jöllenbeck durch - und Heimstetten fror ein wenig mehr. Die Gäste feierten ausgelassen, während Trainer Zenit in die Kabine verschwand, leise murmelnd: "Nächstes Mal flankt der Fritzsche bitte wieder daneben." Ein augenzwinkerndes Fazit: Wer an diesem Abend im Stadion war, bekam alles, was Landesliga-Fußball verspricht - ehrlichen Einsatz, jugendliche Unbekümmertheit und mindestens eine Szene, über die man beim nächsten Stammtisch noch schmunzeln wird. Nur Heimstetten hätte sich wohl ein anderes Ende gewünscht. Doch so ist der Fußball: Manchmal fliegt die Flanke eben ins Glück - nur leider ins falsche. 06.06.643987 22:52 |
Sprücheklopfer
Wir haben die Chancenverwertung nicht verwertet.
Andreas Brehme