Jornal do Brasil
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UD Santos zerlegt CD Sao Paulo - ein Debakel mit acht Ausrufezeichen

Manchmal erzählt ein Spiel mehr über Fußball als jede Taktiktafel: Das 2:8 von CD Sao Paulo gegen UD Santos am Freitagabend war kein gewöhnlicher Saisonauftakt, sondern ein Lehrstück in Sachen Demütigung - und gleichzeitig ein Feuerwerk des Offensivfußballs. 32.000 Zuschauer im Estádio Municipal schwankten zwischen ungläubigem Staunen und verzweifeltem Lachen, während Santos gnadenlos kombinierte und traf, traf und nochmals traf.

Dabei begann alles recht harmlos. Die Hausherren liefen, wie vom Trainerstab angekündigt, mutig mit einer offensiven Ausrichtung auf, während Gäste-Coach San Santa seine Elf auf "ausgewogen, aber jederzeit schussbereit" eingestellt hatte - ein Understatement, wie sich herausstellen sollte. Schon nach 26 Minuten zappelte der Ball erstmals im Netz: Georges Jürgens, rechter Verteidiger mit der Lizenz zum Böllern, zog einfach mal aus halbrechter Position ab. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er später, "aber manchmal hat der Ball eben eigene Pläne."

Kurz vor der Pause dann das 0:2: Linksverteidiger Nelio Frechaut rauschte in den Strafraum, bedient von - natürlich - Jürgens. Zwei Abwehrspieler von Sao Paulo sahen dabei aus, als hätten sie gerade beschlossen, lieber Taxifahrer zu werden. "Da hat keiner mehr an Verteidigung geglaubt", knurrte ein Fan auf der Tribüne, während Trainer (dessen Name das Protokoll unerklärlicherweise verschwiegen hat) mit verschränkten Armen an der Seitenlinie verharrte.

Nach dem Seitenwechsel keimte kurz Hoffnung auf. In der 56. Minute verkürzte Adam Malfoy nach Zuspiel von Karl Völker auf 1:2 - und das Stadion erwachte. "Da dachte ich, jetzt kippt das Ding", sagte Malfoy später, "aber dann kam Domingo." Und wie er kam! Santos-Stürmer Domingo Gama legte zwischen Minute 58 und 69 gleich drei Treffer nach und schnürte ein lupenreines Hattrick-Paket, fein veredelt mit einem Assist von Alexandru Ungureanu. Letzterer selbst durfte in der 67. Minute auch noch einschieben - ein Spielmacher, der lieber liefert als redet. "Wir haben einfach Spaß gehabt", meinte Ungureanu mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Schadenfreude pendelte.

Ab da war es kein Fußballspiel mehr, sondern eine Freiluft-Gala. Bogdan Kamenski, der zur zweiten Halbzeit eingewechselt worden war, traf in der 75. Minute zum 1:7. Der Junge ist gerade einmal 20 - sein Schuss dagegen reif wie ein alter Portwein. Und obwohl Mihai Stancu in der 80. Minute mit dem 2:7 noch ein kleines Lebenszeichen für Sao Paulo setzte ("Ich wollte wenigstens nicht mit null dastehen"), setzte Fabio Bosingwa in der Nachspielzeit den finalen Stich: 2:8, die Anzeigetafel glühte und die Gesichter der Heimfans gleich mit.

Statistisch gesehen war das Ganze gar nicht so einseitig, was es nur noch absurder macht. Der Ballbesitz: fast ausgeglichen (49 zu 51 Prozent). Die Torschüsse: 12 zu 20 - kein astronomischer Unterschied, aber Santos traf einfach alles, was sich bewegte. "Vielleicht sollten wir das Tor größer machen", scherzte ein Sao-Paulo-Verteidiger, "dann schießen wir wenigstens einmal drüber statt daneben."

In der 80. Minute musste Santos-Innenverteidiger Dylan Montgomery nach einer Verletzung raus, doch selbst das bremste den Torrausch nicht. Ersatzmann Marcio Maniche kam, grinste und meinte später trocken: "Ich hatte Angst, wir machen noch zweistellig - dann hätten sie uns in Sao Paulo wohl einkassiert."

Trainer San Santa zeigte sich nach Abpfiff gewohnt gelassen: "Wir haben viel trainiert, aber so was plant man nicht. Die Jungs waren einfach gierig." Gierig trifft es gut - acht Tore, vier verschiedene Torschützen, und eine Spielfreude, die selbst neutrale Zuschauer auf die Seite der Gäste zog.

Für CD Sao Paulo dagegen war es ein Albtraumstart in die Saison. Das offensive System, das eigentlich für Spektakel sorgen sollte, wirkte mehr wie ein offenes Scheunentor. Der Keeper Pedro Pauleta wurde achtmal überwunden - und hatte trotzdem einige Paraden gezeigt. "Ich hab mein Bestes gegeben", sagte er, "aber wenn du acht Bälle fängst und zwei davon ins Netz gehen, ist das auch nur Statistik."

Und so endete ein Abend, der für Santos einen goldenen Auftakt markiert und für Sao Paulo wohl noch ein paar schlaflose Nächte. Ein Reporter-Kollege meinte beim Verlassen des Stadions: "Wenn das so weitergeht, braucht Sao Paulo bald keine Taktiktafel mehr, sondern einen Psychologen." Dem ist nichts hinzuzufügen - außer vielleicht: Willkommen zurück im brasilianischen Fußballwahnsinn.

11.08.644000 17:21
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Das war ein Schritt zurück, aber kein Rückschlag.
Rudi Assauer
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