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Es war einer dieser tropischen Abende in Ciudad Guayana, an denen Luftfeuchtigkeit und Fußballleidenschaft um die Wette schwitzen. 41.855 Zuschauer im Estadio Cachamay wollten sehen, wie ihr CD Guayana am 16. Spieltag der 1. Liga Venezuela endlich wieder Heimstärke zeigt - doch UD Tachira hatte anderes im Sinn. Mit einem frühen Doppelschlag legten die Gäste den Grundstein für ein 2:1, das Trainer Peter Silie später "ein Stück aus dem Lehrbuch des effizienten Leidens" nannte. Schon nach fünf Minuten herrschte betretenes Schweigen auf den Rängen. Christiano Cuadrado, der auffälligste Mann der ersten halben Stunde, bediente Pekka Kuqi mustergültig - und der Finne vollstreckte trocken aus 14 Metern. "Ich hab nur den Ball gesehen und gedacht: Den machst du besser rein, bevor die Sonne untergeht", grinste Kuqi anschließend. Trainer Silie schüttelte da nur den Kopf: "Pekka denkt nie nach, wenn er schießt - und das ist unser größter Vorteil." Guayana wirkte überrascht, beinahe konsterniert. Noch ehe sie sich sortiert hatten, klingelte es erneut: In der 26. Minute schob Cuadrado selbst ein, nach einem Zuckerpass von Mittelfeldmotor Raul Coelho. 0:2 - und Trainer Ralf Minge stapfte missmutig an der Seitenlinie auf und ab. "Wir haben uns in der ersten halben Stunde wie Touristen benommen", schimpfte er später. "Schönes Wetter, nette Gäste - aber kein Zugriff auf den Ball." Dabei sprach die Statistik am Ende durchaus für die Hausherren: 53,8 Prozent Ballbesitz, 11:9 Torschüsse, Zweikampfquote knapp über 50 Prozent. Aber Zahlen haben bekanntlich keinen Torjubel. Und während Guayana den Ball gefällig durch die Reihen laufen ließ, lauerte Tachira auf Konter - und traf. Danach spielten die Gäste abgezockt, fast schon zynisch ihr "Balanced"-System runter. Erst als Cuadrado in der 9. Minute Gelb sah, fiel auf, dass sie überhaupt noch da waren. Guayana versuchte es mit Geduld und Flanken, mit Pedro Pelayo, der auf rechts rackerte, und Tiago Vaz, der sich vorn aufrieb. Doch es dauerte bis zur 64. Minute, ehe der Funke übersprang. Paulus Vidarsdottir steckte clever durch, Vaz blieb cool und schob zum 1:2 ein. Das Stadion erwachte - und plötzlich witterte man eine dieser legendären Aufholjagden. "Da dachte ich, jetzt kippt das Ding", meinte Rechtsverteidiger Santiago Futre, der zu Beginn wegen einer frühen Gelben Karte lange auf der Rasierklinge balancierte. Und tatsächlich: Tachira wackelte. Guayana warf alles nach vorn, Pressing, Flanken, Fernschüsse. Theo Almond prüfte den Keeper Sajenko in der 66. Minute, Pelayo donnerte kurz darauf nur Zentimeter über die Latte. "Wir haben den Strafraum belagert wie eine schlechte Realityshow - viel Drama, wenig Substanz", spottete Trainer Minge später mit Galgenhumor. In der Schlussphase wurde es dann hitzig. Der erfahrene Vincent Santoy, Abwehrchef von Tachira, sah in der 90. Minute glatt Rot, nachdem er Vaz rustikal zu Boden befördert hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte Santoy nach dem Abpfiff, "aber der Ball war… nun ja… schon weg." Schiedsrichter Torres sah das anders, und plötzlich musste Tachira mit zehn Mann ums Überleben kämpfen. Die letzten Minuten waren ein einziger Belagerungszustand. Guayana drückte, Tachira konterte - oder versuchte es zumindest. In der 94. Minute kam noch einmal Tiago Vaz zum Abschluss, doch der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei. Danach war Schluss - und die Gäste jubelten, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Vielleicht taten sie das innerlich auch ein bisschen. "Wir waren tot nach der Pause, aber wir haben das Grab selbst wieder zugeschaufelt", lachte Silie. Sein Gegenüber Minge blieb sachlich: "Wenn du nach fünf Minuten zurückliegst, spielst du den Rest des Abends gegen dich selbst." So bleibt CD Guayana trotz ansehnlicher Statistik mit leeren Händen, während UD Tachira drei Punkte mitnimmt - und eine Portion Selbstbewusstsein, die man auswärts sonst nur in der Minibar findet. Ein Spiel, das zeigte: Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner. Und wer in Guayana gewinnen will, braucht manchmal einfach Pekka Kuqi - und das Glück, dass die Sonne rechtzeitig untergeht. 31.03.2026 20:56 |
Sprücheklopfer
Mann! Mehr Abseits geht nicht! Also ehrlich!
Christoph Daum zum Linienrichter