// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Es war ein lauer Märzabend im Stadio Friuli, 38.298 Zuschauer, Flutlicht, Pfeifen, Fangesänge - und ein Spiel, das sich anfühlte wie ein fünfaktiges Drama mit Espresso-Pause. Am Ende jubelte der FC Udinese über ein 3:2 gegen den AS Varese, aber leicht hat es der Favorit nicht gehabt. Schon nach zehn Minuten hatte Leonardo Iezzi seinen großen Auftritt. Der rechte Flügelstürmer, der an diesem Abend offenbar mit einem doppelten Espresso zu viel in den Beinen aufgelaufen war, verwandelte eine Vorlage von Rolando Pugliese zum frühen 1:0. Trainer Emiliano Dicetutto sprang an der Seitenlinie auf, als hätte man ihm gerade einen Lottoschein gereicht. "Leo war heute überall - rechts, links, notfalls auch auf meiner Coaching-Zone", grinste er später. Doch wer dachte, das Spiel würde nun zum gemütlichen Heimspaziergang, irrte. Nur zehn Minuten später zirkelte Lucas O’Dea von Varese den Ball aus 20 Metern ins Netz - natürlich nach feiner Vorarbeit von Fabio Cervicati. Varese-Coach Georg Wagner ballte die Faust: "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur mitspielen, sondern mitreden." Und tatsächlich, für einige Minuten sah Udinese aus, als hätte jemand den Stecker gezogen. Aber dann, in der 39. Minute, kam Rene Poulin. Der linke Mittelfeldmann nahm einen Pass von Guillermo Gomes volley - und der Ball zischte wie ein gezielter Brief an den Fußballgott selbst ins obere Eck. 2:1, und das Stadion vibrierte. Ein älterer Herr in Reihe 14 schrie "Das ist Fußball!", während drei Reihen weiter ein kleiner Junge fragte: "Papa, warum schreien die so?" - "Weil sie glücklich sind, mein Sohn. Kurz." Nach der Pause blieb Udinese offensiv, Varese aber lauerte. Es war Leonardo Iezzi, der mit seiner ganzen Kaltschnäuzigkeit - und der Unterstützung von Rechtsverteidiger Jeno Bene - in der 52. Minute das 3:1 erzielte. Das Publikum feierte ihn mit Standing Ovations, und Iezzi grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann war der Ball plötzlich drin. Passiert den Besten." Doch Varese gab nicht auf. In der 72. Minute meldete sich Joseph Schuster zurück, der bullige Mittelstürmer mit der Körpersprache eines Mannes, der schon mal einen Kühlschrank über 90 Minuten verteidigen könnte. 3:2 - und plötzlich war wieder Feuer drin. Die Schlussphase wurde wild. Zwei Gelbe Karten für Varese (Lindblom in der 38., Hyypiä in der Nachspielzeit), ein paar verzweifelte Schüsse von Charles Lujan - und eine Parade des Udinese-Keepers Luca Lange, der in der 88. Minute den Sieg festhielt. "Ich hab den Ball gar nicht gesehen, aber mein Gesicht war im Weg", witzelte er nach dem Spiel. Statistisch war es fast ausgeglichen: 49,5 Prozent Ballbesitz für Udinese, 50,5 für Varese. Doch die Torschussbilanz sprach Bände - 14 zu 7, ein klarer Fingerzeig, wer hier das Spiel machte. Varese presste nur sporadisch, Udinese spielte mit einer angenehm altmodischen Mischung aus Mut und Chaos. In der 66. Minute kam der junge Enrico Acri für Mattia Tomasi, später ersetzte Tord Paulsson den müden Pugliese. Auf Vareses Seite brachte Wagner den frischen Xabi Barbosa und später Angelo Carlucci - man könnte sagen, der Plan war, das Spiel noch einmal aufzumischen. Leider blieb es beim Versuch. Nach dem Abpfiff lobte Dicetutto seine Mannschaft: "Das war kein perfektes Spiel, aber ein ehrliches." Wagner hingegen verzog das Gesicht: "Wir haben zu spät geglaubt, dass wir gewinnen können. Aber wenigstens schön verloren." Iezzi, der Doppelpacker des Abends, wurde als Spieler des Spiels gefeiert. "Ich hab schon mal zwei gemacht - aber da war’s ein Freundschaftsspiel gegen meine Cousins", grinste er, während Poulin ihm liebevoll den Arm umlegte. Und so endete ein Abend, der alles hatte: Tempo, Tore, Theatralik. Udinese bleibt mit diesem 3:2 im oberen Tabellendrittel, Varese dagegen fährt mit hängenden Köpfen, aber erhobenem Stolz nach Hause. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens unterhaltsam." Man kann ihm kaum widersprechen. 08.01.643994 09:18 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat