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Es war einer dieser Abende in Udine, an denen 38.806 Zuschauer mit offenen Mündern, aber leeren Händen nach Hause gingen. Der FC Udinese hatte Palermo Calcio zu Gast, und obwohl die Gastgeber alles versuchten - von schönem Kombinationsspiel bis hin zu wütenden Flanken in der Nachspielzeit - stand am Ende ein schmuckloses, aber gnadenlos effektives 0:1 auf der Anzeigetafel. Das goldene Tor fiel in der 31. Minute, als Palermos Rechtsaußen Rafael de la Fuente nach einer mustergültigen Vorlage des jungen Emanuele Tarsia trocken abschloss. "Ich habe einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste de la Fuente nach dem Spiel, während er sich die Schweißperlen aus dem Bart wischte. "Wir wollten ruhig bleiben und auf unsere Chance warten - und die kam eben früh." Ruhig bleiben war ohnehin das Motto der Sizilianer: Nur vier Torschüsse, aber einer davon saß. Udinese-Coach Terentino Berlin dagegen stand nach dem Abpfiff etwas ratlos am Spielfeldrand. "Wir haben das Spiel gemacht, die Statistik gewonnen und trotzdem verloren", murmelte er. 13 Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 46 Prozent Ballbesitz - Zahlen, die eigentlich auf einen dominanten Auftritt hindeuten. Aber Fußball ist bekanntlich kein Rechenexempel, und Palermo hatte offenbar das Mathebuch einfach zugeklappt. Die Partie begann mit einem Warnschuss der Gäste: Schon in der 7. Minute prüfte Cesc Navarro Udineses Keeper Bilic mit einem strammen Distanzschuss. Danach übernahm Udinese das Zepter, Bernardo Doreste versuchte es aus der Distanz, Sergio Gnabry legte nach - doch Palermos junger Schlussmann Ethan Miller war stets auf dem Posten. "Ich hab’ heute mehr Bälle gefangen als in meiner ganzen Jugendzeit", lachte der 26-Jährige später. Dann kam jene verhängnisvolle 31. Minute: Palermo kombinierte sich ungewohnt forsch durchs Mittelfeld. Tarsia, gerade einmal 20 Jahre alt und mit einer Ruhe am Ball, als hätte er schon 200 Spiele in den Beinen, legte quer auf de la Fuente - der Rest war Präzision und Routine. Ein Schuss, ein Tor, ein Jubel, der die Heimkurve verstummen ließ. Udinese reagierte wütend. Enrique Doreste prüfte Miller gleich zweimal kurz vor der Pause, doch es blieb beim 0:1. Nach der Halbzeit stellte Berlin die Taktik auf volles Risiko um: offensiv, mit starkem Pressing, vollem Einsatz. Man merkte den Spielern an, dass sie das Spiel nicht verlieren wollten - Jacinto Pelayo rackerte vorne, Enrico Acri kam nach seiner Einwechslung mit frischem Schwung, und Francesco Malito schoss in der 74. Minute aus spitzem Winkel knapp am Pfosten vorbei. Palermo dagegen blieb stoisch. Kein Pressing, kein unnötiges Risiko, stattdessen viel Ruhe, kurze Pässe, Zeitspiel auf italienische Art. Selbst der 17-jährige Fabio Mendicino, ein Innenverteidiger mit Milchgesicht, haute in der 38. Minute einfach mal drauf - sein Schuss verfehlte das Tor zwar deutlich, brachte aber immerhin ein Raunen auf die Tribünen. In der 54. Minute sah Udineses Rechtsverteidiger Marcio Andrade Gelb, nachdem er Cesc Navarro etwas zu leidenschaftlich "begrüßte". "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte Andrade, während Palermo-Trainer - der sich vornehm im Hintergrund hielt - bloß schmunzelte. In der Schlussphase warf Udinese alles nach vorn. Berlin brachte frische Kräfte: Acri und Etxebarria sollten das Mittelfeld beleben, Lionel Couto rückte für den erschöpften Nani in die Innenverteidigung. Doch es half alles nichts. Pelayo scheiterte in der 84. Minute erneut, Acri drosch in der Nachspielzeit (91.) einen Ball über den Fangzaun, und Malitos letzter Versuch in der 96. Minute landete in den Armen von Miller, der den Ball umklammerte, als hinge sein Leben davon ab. Nach dem Abpfiff war die Stimmung entsprechend geteilt. Palermo jubelte über einen Auswärtssieg, der mehr mit Disziplin als mit Spektakel zu tun hatte. "Wir wussten, dass Udinese kommen würde wie ein Gewitter - wir haben einfach den Regenschirm aufgespannt", meinte Torschütze de la Fuente mit einem Augenzwinkern. Udinese dagegen suchte Trost in Statistiken. "Wenn man 13 Mal aufs Tor schießt, muss irgendwann einer rein", seufzte Pelayo. "Vielleicht nächstes Mal." Bleibt die Erkenntnis eines typischen Serie-B-Abends: Wer das Tor trifft, hat recht. Palermo tat’s einmal - Udinese nie. Und so fährt der Sizilianer mit drei Punkten heim, während in Udine die Flutlichtmasten noch leuchten, aber keiner mehr hinschaut. Oder wie ein alter Fan auf der Tribüne sagte, während er seinen Schal einrollte: "Schön gespielt, Jungs. Nur leider auf das falsche Ziel." 22.04.644003 13:40 |
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Otto Rehhagel