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Unentschieden mit Unterhaltungswert - Darmstadt und Linx teilen sich die Punkte

Ein lauer Märzabend, Flutlicht, 3966 Zuschauer im Böllenfalltor, und zwei Regionalligisten, die es wissen wollten: Der SV Darmstadt und der SV Linx lieferten sich am 3. Spieltag der Regionalliga A ein Duell, das so ziemlich alles bot - Tore, Tempo, Gelbe Karten und sogar eine Prise Tragikomik. Am Ende stand ein 2:2, das keiner so richtig wollte und doch irgendwie passte.

Schon in den ersten Minuten war klar, dass beide Teams keine Lust auf Abtasten hatten. Darmstadt begann engagiert, mit leichtem Ballbesitzvorteil (50,8 Prozent, wenn man es genau wissen will), und suchte früh den Weg nach vorne. In der 19. Minute wurde dieser Mut belohnt: Yves Göbel, der rechte Mittelfeldmann mit der Ruhe eines Zen-Mönchs und dem Schuss eines Presslufthammers, traf nach Vorarbeit von Kurt Bachmann zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Göbel hinterher, "der Ball wollte wohl auch mal ins Netz."

Doch Linx reagierte postwendend. Nur neun Minuten später kombinierte sich der Gast über den rechten Flügel nach vorne, Andreas Menzel legte quer, und der 19-jährige Christian Stein schob eiskalt ein. 1:1 - die Linxer Bank jubelte, Trainer Michal Dickschat ballte die Faust und brüllte irgendwas, das man freundlich als "motivierenden Zuruf" deuten konnte.

Die Lilien ließ das nicht lange kalt. Kurz vor der Pause, in der 44. Minute, war wieder Göbel zur Stelle. Diesmal nach einer butterweichen Flanke von Linksverteidiger Evan Willoughby. Kopfball, Tor, 2:1 - und Darmstadt ging mit verdienter Führung in die Kabine. "Wir waren da klar besser", befand später Göbel, "vielleicht hätten wir den Sack zumachen müssen."

Stimmt. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, drehte Linx auf. Der junge Detlev Miller, 20 Jahre alt und offenbar mit einem Turbo im rechten Fuß ausgestattet, traf in der 54. Minute zum 2:2-Ausgleich. Der Assist kam erneut von der rechten Seite - diesmal über Mark Fritsch, der sich in dieser Phase in einen Dauerläufer verwandelte. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass ich schon wieder renne", lachte Fritsch später, "es war wie im Rausch - leider kein Sieg-Rausch."

Danach entwickelte sich ein Schlagabtausch, der neutralen Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zauberte - und beiden Trainern graue Haare. Linx hatte insgesamt 11 Schüsse aufs Tor, Darmstadt 8; beide Teams spielten weitgehend auf Augenhöhe. In der 60. Minute scheiterte Miller erneut, diesmal an Darmstadts Keeper Kai Büttner, der sich nach der Parade genüsslich durchs Haar fuhr und Richtung Tribüne grinste, als wolle er sagen: "Leute, ich hab’s noch drauf."

In der 80. Minute dann der Schreckmoment: Darmstadts Routinier Harald Wilhelm musste verletzt raus. "Da hat’s mir kurz den Fuß verdreht, nix Wildes", sagte er später, aber sein Gesicht beim Abgang sprach eine andere Sprache. Für ihn kam Kay Geier - der zwar kein Tor erzielte, aber immerhin mit einem beherzten Sprint zur Eckfahne für Szenenapplaus sorgte.

Kurz vor Schluss wurde es nochmal hitzig: Günther Rodriguez sah in der 81. Minute Gelb, nachdem er Miller etwas zu deutlich zeigte, was er von dessen Dribbelkünsten hielt. "War mehr ein freundlicher Klaps", verteidigte sich Rodriguez mit einem Augenzwinkern. Der Schiedsrichter sah das anders.

Die Schlussminuten gehörten dann Linx, das auf den Sieg drängte. Joshua Merz hatte in der 90. Minute die große Chance, doch sein Schuss rauschte knapp am Pfosten vorbei. Dickschat schlug die Hände über dem Kopf zusammen, während Darmstadts Trainer - der den Journalisten gegenüber nur als "der Coach" auftreten wollte - erleichtert durchatmete: "Da haben wir Glück gehabt. Wenn der reingeht, reden wir hier anders."

Statistisch gesehen war’s ein gerechtes Remis: Beide Mannschaften mit fast identischem Ballbesitz, Linx etwas zielstrebiger, Darmstadt mit der besseren ersten Halbzeit. Der neutrale Beobachter spricht von einem "spannenden Fußballabend", der Fan sagt: "Man hätte’s auch gewinnen können."

Und was sagt der Reporter? Nun ja, 2:2 ist das Lieblingsresultat für alle, die sich nicht entscheiden wollen. Darmstadt verschenkte den Sieg, Linx verpasste ihn - und am Ende gingen alle mit einem Schulterzucken nach Hause.

Oder wie Yves Göbel zum Abschied meinte, während er sich die Schuhe auszog: "Wenn man zweimal trifft und’s trotzdem nur zum Unentschieden reicht - dann weiß man, dass Fußball manchmal einfach ein komisches Spiel ist."

Und da hatte er, bei aller Understatement-Kunst, wohl recht.

04.12.643993 16:40
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Die Bayern vertragen keine Härte, und ich bin der erste, der anfängt damit.
Torsten Legat vor dem Spiel VfB Stuttgart gegen Bayern München 1996
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