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Ein Tor, sechzehn Torschüsse, ein nervöser Trainer an der Seitenlinie - und 32.000 Zuschauer, die sich am Ende fragten, ob das wirklich Fußball oder eher ein Lehrfilm über Chancenverwertung war. Academia Lima gewann am Donnerstagabend beim AD Cienciano mit 1:0, dank eines frühen Treffers von Seppo Uusimäki in der 22. Minute. Der Finne mit der Präzision einer Schweizer Uhr nutzte die einzige wirklich klare Gelegenheit seiner Mannschaft - und das war’s dann auch schon, zumindest was die Tore betrifft. Dabei begann alles wie üblich in Cusco: dünne Luft, volle Tribünen, und ein Gastgeber, der anfangs so tat, als wolle er heute mal zeigen, dass Ballbesitz auch Tore bringen kann. 49 Prozent standen am Ende auf der Statistiktafel - also fast Gleichstand. Nur: Zwei Torschüsse in 90 Minuten sind so etwas wie das fußballerische Äquivalent zu einem Lächeln im Bewerbungsfoto - nett gemeint, aber wirkungslos. "Wir wollten ruhig bleiben und kontrolliert aufbauen", erklärte Ciencianos Trainer nach dem Spiel. Er klang dabei so, als wolle er sich selbst überzeugen. "Aber Lima hat uns früh unter Druck gesetzt." Tatsächlich: Schon in der siebten Minute prüfte Javier Santos den Cienciano-Keeper Gusztav Baroti mit einem satten Schuss, und das war nur der Anfang einer ganzen Flut an Versuchen. In der 22. Minute dann der entscheidende Moment: Nuno Etxeita, der linke Verteidiger der Gäste, marschierte beherzt über seine Seite, flankte halbhoch und halbzufällig Richtung Strafraum. Dort lauerte Uusimäki, stoppte den Ball mit der Brust - und drosch ihn kompromisslos ins rechte Eck. Baroti streckte sich, fand aber nur Luft. 1:0 für Lima, und Trainer Olli Kahn schrie an der Seitenlinie so laut, dass die Höhenmeter kurzzeitig um zwei sanken. "Ich hab ihn angeschrien, weil er endlich mal nicht zu viel nachgedacht hat!", brummte Kahn später mit einem Grinsen. Danach folgte das, was man in Cusco künftig wohl "die große Verteidigungsschlacht ohne Schüsse" nennen wird. Cienciano bemühte sich, aber ihre Offensive wirkte wie ein alter Motor, der nicht mehr anspringt. Timm Moeller versuchte es in der 13. Minute, Joao Antunes in der 15. - beide Male kein Problem für Limas Torwart Luis Enriquez, der vermutlich noch Zeit hatte, den Staub von seinen Handschuhen zu pusten, bevor der Ball ankam. Die Gäste dagegen hatten Lust auf mehr. Santos, Pedivigliano, Carlos Galindo - sie alle feuerten weiter auf das Cienciano-Tor, als gäbe es Punkte für Schussfrequenz. 16 Torschüsse insgesamt, doch nur das eine Tor wollte fallen. In der 40. Minute zirkelte Santos einen Ball über die Latte, in der 47. prüfte Uusimäki erneut Baroti, der diesmal glänzend reagierte. In der zweiten Halbzeit wurde es ruppiger. Joao Gomes sah in der 76. Minute Gelb, nachdem er den jungen Pedro Yago etwas zu herzlich begrüßt hatte. Kahn, inzwischen mit hochgekrempelten Ärmeln, brachte frische Kräfte: erst Yago zur Halbzeit, später Benito in der 62. Minute. Der 18-jährige Flügelspieler verriet nach Spielende, dass er beim Einwechseln "fast vergessen hätte, wie die Luft hier oben schmeckt". Cienciano versuchte in den letzten zehn Minuten, wenigstens noch einen Ball gefährlich vors Tor zu bringen. Doch die Pässe blieben so unpräzise, dass ein Ordner hinter dem Tor nach Abpfiff trocken meinte: "Ich hab heute mehr Bälle gefangen als unser Stürmer." Olli Kahn zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden - auf seine Art. "Ich mag keine 1:0-Siege", knurrte er, "aber ich mag drei Punkte." Uusimäki hingegen grinste breit. "Olli hat gesagt, ich soll einfach schießen, wenn ich Platz habe. Ich wollte nicht hören, was passiert, wenn ich’s nicht mache." Ciencianos Kapitän Luís Manuel fasste es nüchtern zusammen: "Wir haben heute viel gelaufen, aber zu wenig gedacht." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit höflichem Applaus - und ein paar ironischen Pfiffen, die sich nach "Mehr Schüsse!" anhörten. Am Ende bleibt ein Spiel, das statistisch knapper aussah, als es tatsächlich war. Lima hatte mehr Ballbesitz, mehr Mut, mehr Ideen - und vor allem Seppo Uusimäki. Cienciano hatte dagegen nur den Trost, dass man auch mit 49 Prozent Ballbesitz und einem ordentlichen Tackling-Wert von 42 Prozent irgendwie Teil eines Spiels war. Oder, wie ein alter Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn man keinen trifft, sollte man wenigstens schön verlieren." Schön war’s vielleicht nicht - aber immerhin ehrlich. 07.03.643994 06:05 |
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Ich laufe in einer Stunde so viel wie andere Arbeitnehmer in acht.
Mario Basler