De Standaard
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Van Guyse schockt Lüttich - Antwerpen siegt eiskalt mit 1:0

Es war ein kalter Januarabend in Lüttich, aber das, was den 37.782 Zuschauern im Stade Maurice Dufrasne geboten wurde, ließ eher den Puls als die Finger gefrieren. Der FC Antwerpen entführte dank eines frühen Treffers von Jonathan Van Guyse drei Punkte aus der wallonischen Fußballhochburg - ein 0:1, das man im Nachhinein als Paradebeispiel für Effizienz bezeichnen darf.

Dabei fing alles so verheißungsvoll für die Gastgeber an. Schon in der ersten Minute prüfte Benjamin Van de Perre den gegnerischen Keeper mit einem satten Schuss - doch Arthur Willimowski im Tor der Gäste hatte an diesem Abend offenbar beschlossen, auf Held zu machen. "Ich hab’ einfach versucht, den Ball zu fangen, nicht die Kälte", witzelte er später in der Mixed Zone, den Kragen seiner Jacke bis unter die Nase gezogen.

Lüttich rannte, kombinierte, flankte - und Antwerpen traf. In der 8. Minute spielte José Ferreira einen Pass in die Tiefe, der so präzise war, dass man ihn fast einrahmen möchte. Jonathan Van Guyse nahm den Ball mit der ersten Berührung mit, mit der zweiten nagelte er ihn ins rechte Eck. 0:1, und das Stadion verstummte für einen Moment, als wäre der Wind selbst beleidigt.

"Wir waren eigentlich gut im Spiel. Aber manchmal ist der Fußball ein bisschen wie das Leben: Du gibst alles, und dein Nachbar gewinnt im Lotto", sagte Lüttich-Trainer Dan Schmitz später mit einem bitteren Lächeln.

Was folgte, war eine Einbahnstraße Richtung Antwerpen-Tor - nur ohne Zielerfolg. 16 Schüsse gaben die Hausherren insgesamt ab, doppelt so viele wie die Gäste, 53 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem kein Treffer. Thibault Van Aken drosch in der 33. Minute den Ball aus zehn Metern über die Latte, als hätte er Angst, den schönen Rasen zu beschädigen.

Zur Pause blieb es beim Rückstand, doch Schmitz’ Jungs kamen mit noch mehr Offensivdrang aus der Kabine. Antwerpen dagegen stellte sich clever - "balanciert", wie es später in der Taktikstatistik heißen würde, aber in Wahrheit war es: Beton. "Wir wussten, dass Lüttich viel Druck machen würde. Also haben wir gemacht, was Belgier am besten können - geduldig sein", grinste Gästecoach Fabrillio Fabio nach dem Spiel.

Die Partie kippte endgültig, als der junge Innenverteidiger Marc Marot binnen drei Minuten zweimal Gelb sah - 67. und 70. Minute, das war’s. Der 21-Jährige stapfte vom Platz, während die Heimfans eine Mischung aus Mitleid und Frust in die kalte Luft schrien. "Ich hab den zweiten Pfiff gar nicht gehört", beteuerte er später. Sein Trainer rollte nur die Augen: "Das ist schwierig, wenn man mit beiden Ohren im Zweikampf ist."

Trotz Unterzahl kämpfte Lüttich weiter, Benjamin Van de Perre sah Gelb (71.), Akin Kursunlu ebenfalls (76.). Die Gastgeber warfen alles nach vorne - manchmal sogar den Ball. Doch Antwerpen verteidigte kompromisslos, mit einer Prise jugendlicher Frechheit: Der 18-jährige Jasper Speeck bekam Gelb, aber auch Szenenapplaus für seine Abgeklärtheit an der Linie.

Die letzten Minuten gehörten den Wechseln. Antwerpen brachte frische Beine - Dorian Scifo, Loic Baus und schließlich den 19-jährigen Ersatztorhüter Brecht Moens, der in der 87. Minute für Willimowski kam. "Ich wollte, dass Brecht auch mal das Gefühl eines Sieges hat", erklärte Fabio schmunzelnd.

Als Schiedsrichter De Clercq nach 93 Minuten abpfiff, sanken die Lütticher Spieler auf die Knie. Dan Schmitz stand wie versteinert an der Seitenlinie, während Van Guyse sich von den mitgereisten Fans feiern ließ. "Ein Tor ist ein Tor, egal wann", sagte der Matchwinner lapidar. "Aber früh ist besser - dann kann man sich den Rest des Spiels auf die Verteidigung konzentrieren."

Die Statistik sprach zwar für Lüttich, das Ergebnis aber für Antwerpen - und am Ende zählt bekanntlich nur das. Ein Spiel, das zeigt, dass man Ballbesitz nicht essen kann, und Chancenverwertung kein Fremdwort bleiben sollte.

Zum Abschied witzelte ein Fan auf der Tribüne: "Wir hätten bis Ostern spielen können, und der Ball wäre immer noch nicht drin gewesen." Vielleicht hat er recht. Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen der Fußball seine eigene Logik schreibt - und sie dem Verlierer in Großbuchstaben unter die Nase hält: 0:1.

Und irgendwo in Antwerpen wird Van Guyse wohl noch immer grinsen.

29.03.643987 16:48
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