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Ein lauer Januarabend in Rio de Janeiro, 38.126 Zuschauer, die Sonne versinkt hinter der Tribüne, und Vasco da Gama tanzt. Der Auftakt der Gruppenrunde der Amerikaliga hätte für die Brasilianer kaum besser laufen können: ein 3:0 über CF Herediano, das so kontrolliert und leichtfüßig wirkte, dass selbst der Ball zeitweise zu lächeln schien. Schon nach zehn Minuten begann das Spektakel. Leon Nickel, 19 Jahre jung und offenbar ohne Respekt vor irgendwem, zog nach Zuspiel von Ingo Da Cru aus halbrechter Position ab - und der Ball schlug unhaltbar im langen Eck ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Nickel später grinsend zu, "aber gut, jetzt steht’s 1:0, also war’s wohl Absicht." Trainer Patrick Kunz Gouveia lachte laut auf, als er das hörte: "Wenn alle meine Spieler so ’versehentlich’ treffen, bin ich ein glücklicher Mann." Herediano, das laut Aufstellung offensiv beginnen wollte, blieb die meiste Zeit Statist in einem Stück, das Vasco schrieb und inszenierte. 56 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, und das, obwohl man nicht einmal besonders aggressiv presste - Vasco spielte mit Geduld, Passsicherheit und einer Eleganz, die an die besseren Tage des südamerikanischen Fußballs erinnerte. In der 36. Minute folgte dann das, was Kommentatoren gern als "Abwehrtor" feiern: Innenverteidiger Miguel Tiago stieg nach einer Ecke von Samuel Henderson am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf zum 2:0 ins Netz. "Ich trainiere das nie", sagte Tiago nach dem Spiel mit einem Schulterzucken. "Vielleicht sollte ich anfangen." CF Herediano hingegen wirkte, als hätte man sie auf eine falsche Zeitzone eingestellt. Drei Torschüsse in 90 Minuten - zwei davon eher höfliche Rückgaben an Vasco-Keeper Joao Antunez. Stürmer Dimas de Almeida versuchte es in der 23. Minute wuchtig aus der Distanz, doch der Ball segelte ins Niemandsland. "Wir haben offensiv gespielt", meinte Heredianos Trainer nach dem Spiel sarkastisch, "aber offenbar in Richtung eigener Eckfahne." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Vasco ließ den Ball laufen, Herediano hinterher. In der 56. Minute machte Koenraad Sleeper den Deckel drauf. Nach feiner Vorarbeit von Constantin Nowak schob der linke Flügelstürmer überlegt ein - 3:0, und das Stadion vibrierte. Sleeper klopfte sich danach auf die Brust und rief in Richtung Tribüne: "Für euch!" Später gab er zu: "Ich hab eigentlich nach Luft geschnappt, aber wenn die Fans das anders interpretieren wollen, bitte schön." Danach spielte Vasco das Ergebnis souverän herunter. Nur eine Szene sorgte kurz für Aufregung: In der 78. Minute sah Linksverteidiger Jeno Lisztes Gelb, nachdem er einen Gegner zart umgegrätscht hatte. "Ich wollte ihm nur beim Aufstehen helfen", verteidigte er sich mit einem Augenzwinkern. Statistisch war das Ergebnis so klar wie das Spiel selbst: 17:3 Torschüsse, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 56 Prozent Ballbesitz für die Hausherren. Herediano lief, kämpfte, rackerte - aber eben meist dem Ball hinterher. Vascos Trainer Kunz Gouveia zeigte sich nach Abpfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Drei Tore sind schön, keine Gegentore sind besser. Aber wenn Leon Nickel nach einem Spiel schon glaubt, er sei Pelé, müssen wir reden." Nickel selbst konterte charmant: "Ich hab von Pelé nur Videos gesehen. Aber klar, wenn er mich mal anruft, geh ich ans Telefon." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit rhythmischem Applaus, und man konnte das Gefühl haben, dass da etwas zusammenwächst - jung, frech, technisch stark. Herediano dagegen wird noch eine Weile grübeln. Ihr Trainer sprach von "einem Lernprozess", was in der Fußballsprache meist so viel heißt wie: "Wir wissen auch nicht genau, warum das so schiefging." Fazit: Vasco da Gama startete mit einem überzeugenden 3:0 in die Gruppenrunde der Amerikaliga, spielte Herediano regelrecht schwindelig und fand in Leon Nickel einen neuen Publikumsliebling. Und wer weiß - vielleicht hat in Rio an diesem Abend wirklich ein neuer Stern aufgeblitzt. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn die so weitermachen, tanzt hier bald die ganze Liga Samba." 29.03.643987 08:54 |
Sprücheklopfer
Deutschland wird auf Jahre hin unbesiegbar sein.
Franz Beckenbauer nach dem WM-Titel 1990