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Vegesack kämpft, Weiler trifft: 3:2 für die Gäste im Chancen-Duell

3. Bundesliga (1. Div) | 4. Spieltag | 27.10.26 | SG Vegesack - Weiler im Allgäu 2:3

Es gibt Fußballabende, an denen der Ball den Rasen kaum berührt, weil er ständig unterwegs ist. Und es gibt Abende wie diesen in Vegesack: 13.391 Zuschauer sahen am Dienstagabend ein 2:3 zwischen der SG Vegesack und Weiler im Allgäu - fünf Tore, reichlich Aufregung und eine Heimmannschaft, die mehr Ballbesitz hatte, aber leider nicht mehr Tore.

Der vierte Spieltag der 3. Bundesliga (1. Div) begann um 20.30 Uhr zunächst mit einem Gast, der offenbar nicht zum höflichen Abtasten angereist war. Weiler spielte offensiv, suchte schnell den Weg nach vorn und wurde in der zwölften Minute belohnt. Nick Scherer traf zur Führung, vorbereitet von Asen Todorow. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir nicht nur wegen der schönen Landschaft im Allgäu Fußball spielen", sagte Weilers Trainer Mino Raiola später. Ein Satz, der vermutlich schon vor dem Anpfiff in der Kabine gefallen war - und dort offenbar Wirkung zeigte.

Vegesack antwortete in der 27. Minute. Innenverteidiger Thomas Davonport schaltete sich ein und erzielte nach Vorarbeit von Karsten Busch den Ausgleich. Für einen Moment sah es so aus, als hätte die Partie nun ihren Rhythmus gefunden. Doch Weiler hatte andere Pläne und offenbar auch wenig Interesse an einer längeren Pause zwischen den Toren: Nur zwei Minuten später traf Carsten Vetter zur erneuten Führung. Vorbereitet wurde der Treffer von Marcel Chevallier.

2:1 zur Halbzeit für die Gäste. Vegesack hatte sich bemüht, Weiler aber war effizienter - jene unangenehme Eigenschaft, die Trainer mögen und Gegner grundsätzlich für überbewertet halten.

"Wir hatten den Ball, aber Weiler hatte die besseren Antworten", sagte SG-Coach Neville Omalley. "Das ist ungefähr so, als hätte man zu Hause das größere Sofa, aber der Gast bekommt trotzdem den Fernseher." Eine treffende, wenn auch vermutlich nicht für jede taktische Besprechung geeignete Zusammenfassung.

Direkt nach dem Seitenwechsel wurde es noch bitterer für die Hausherren. In der 47. Minute erhöhte Asen Todorow auf 3:1. Der Innenverteidiger, der zuvor schon Scherer bedient hatte, wurde diesmal selbst zum Vollstrecker; Ben Meister lieferte die Vorarbeit. Vegesack wirkte kurz so, als müsse die Mannschaft erst überprüfen, ob tatsächlich schon wieder gespielt wurde.

Doch die Antwort kam prompt. In der 50. Minute verkürzte Wouter Lansing auf 2:3, Duarte Flores hatte den Treffer vorbereitet. Danach entwickelte sich ein Spiel mit offenem Visier - und gelegentlich mit dem Eindruck, dass die Abwehrreihen ihre Aufgaben eher als unverbindliche Empfehlungen verstanden.

Vegesack drängte, Weiler verteidigte und lauerte auf Konter. Die Hausherren kamen insgesamt auf elf Torschüsse, die Gäste auf neun. Auch beim Ballbesitz lag Vegesack mit 58,1 Prozent vorn. Die Zahlen erzählen deshalb eine leicht boshafte Geschichte: Wer mehr den Ball hat, muss ihn irgendwann auch ins Tor bringen. Weiler gelang das dreimal, Vegesack zweimal.

In der Schlussphase prüfte Vegesack mehrfach Weilers Torwart Robert Schöne, doch der Ausgleich blieb aus. Valentin Söderberg suchte wiederholt den Abschluss, Lansing schoss ebenfalls gefährlich, und in der 89. Minute keimte noch einmal Hoffnung auf. Die Gäste brachten das Ergebnis jedoch über die Zeit. Zwei gelbe Karten für Marcel Chevallier und Ben Meister änderten daran nichts.

"Wir haben heute nicht alles kontrolliert, aber wir haben im richtigen Moment zugeschlagen", sagte Raiola. Omalley nahm die Niederlage sportlich: "58 Prozent Ballbesitz sind leider kein eigenes Tor." Das ist mathematisch korrekt und emotional ungefähr so tröstlich wie ein Regenschirm im Sturm.

So feierte Weiler im Allgäu einen 3:2-Auswärtssieg. Vegesack bleibt die Erkenntnis, dass Fußball manchmal weniger danach fragt, wer das Spiel gestaltet - und mehr danach, wer die entscheidenden fünf Minuten besser nutzt.

27.10.2026 21:09
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