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Es war ein frostiger Dienstagabend in Graz, aber die 42.916 Zuschauer im Stadion bekamen ein Spiel serviert, das an Dramatik kaum zu überbieten war. Am Ende jubelten die Gäste aus Wien - die Veilchen gewannen mit 2:1 bei Rot-Weiß Graz, nachdem sie lange Zeit hinterhergelaufen waren. Die erste Hälfte war eine dieser Halbzeiten, über die man später sagt: "Hätte man sich sparen können." Beide Teams neutralisierten sich, und der Ballbesitz von 57 zu 43 Prozent zugunsten der Wiener spiegelte das wider - viel Kontrolle, wenig Ertrag. Graz-Trainer Carsten Krause stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und rief irgendwann resigniert seinem Mittelfeld zu: "Jungs, das Tor steht immer noch da vorne!" Nach dem Pausentee wurde es endlich lebendiger. In der 51. Minute brach das Stadion in Jubel aus: Jonas Held, der zentrale Mittelfeldmotor der Grazer, fasste sich nach einem feinen Zuspiel von Jay Thackeray ein Herz und schoss aus 18 Metern trocken ins rechte Eck. Der Ball zischte so präzise, dass Wiens Keeper Fabio Velasquez nur noch die kalte Winterluft greifen konnte. "Ich hab einfach abgezogen, weil keiner rauskam", grinste Held später. "Und dann war er halt drin. Schade, dass’s am Ende nix wert war." Danach versuchte Graz, den knappen Vorsprung zu verwalten, während Wien langsam den Druck erhöhte. Coach Sonja Leder reagierte mit kluger Personalpolitik, brachte in der 66. Minute Marcio Marco für den müden Babovic - und ließ ihr Team danach über die Flügel anrennen. Die Statistik sollte ihr Recht geben: 15 Torschüsse, viele über die Außen, und am Ende auch die entscheidenden Treffer. In Minute 76 dann der Ausgleich: Zdravko Kahriman tanzte auf der linken Seite seinen Gegenspieler schwindlig und legte perfekt in den Rückraum. Dort stand Vitorino Postiga - und der Portugiese schob cool zum 1:1 ein. "Ich hab nur gewartet, dass Zdravko endlich flankt", lachte Postiga nach der Partie. "Er wollte wohl erst sicher sein, dass ich auch wirklich hinschaue." Graz reagierte mit zwei Wechseln, versuchte frische Energie zu bringen: Baiao kam für Held, Bellegarde ersetzte Thackeray. Doch dann passierte das, was Fußball so grausam schön macht. In der 89. Minute, kurz nachdem sich beide Teams mit Gelben Karten eine kleine Scharmützel-Pause gegönnt hatten, schlugen die Veilchen noch einmal zu. Oliver Ireland, der rechte Flitzer, hebelte mit einem butterweichen Pass die Grazer Abwehr aus. Billy Madigan, 22 Jahre jung und mit einer Engelsgeduld ausgestattet, nahm den Ball mit der Brust an und schob ihn eiskalt an Keeper Ibano vorbei. 2:1 Wien. "In so Momenten hörst du gar nichts mehr", beschrieb Madigan später den Augenblick des Siegtores. "Nur dein Herz und die eigene Stimme, die sagt: Schieß endlich!" Die letzten Minuten waren ein einziges Aufbäumen der Grazer. Selbst Linksverteidiger Uwe Heise probierte es in der Nachspielzeit mit einem Verzweiflungsschuss, der aber genauso in den klaren Nachthimmel flog wie die Hoffnungen der Heimfans. Trainer Krause, sichtlich angefressen, fasste das Spiel trocken zusammen: "Wir haben’s verloren, weil wir aufgehört haben, Fußball zu spielen. Punkt." Sein Gegenüber Sonja Leder hingegen hatte allen Grund zur Freude: "Wir haben geduldig gearbeitet, ruhig geblieben und am Ende das Spiel verdient gedreht." Die Zahlen stützen sie: Mehr Ballbesitz, etwas bessere Zweikampfquote (52 zu 48 Prozent), mehr Schüsse aufs Tor - und das alles mit einem Team, das bis zur 75. Minute wie eingeschläfert wirkte. Ab da aber spielten die Wiener, als hätte jemand den violetten Turbo gezündet. Ein kleiner Wermutstropfen für Graz: Rechtsverteidiger Meik Kluge musste in der 79. Minute verletzt raus. "Wahrscheinlich eine Zerrung", murmelte er beim Verlassen des Platzes. "Aber wenigstens hab ich’s versucht, bevor die anderen eingeschlafen sind." Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Wiener vor ihrem Fanblock, während die Grazer Spieler mit hängenden Köpfen auf dem Rasen stehen blieben. Das Publikum verabschiedete sie dennoch mit Applaus - vielleicht auch aus Mitleid, vielleicht aus Stolz auf eine kämpferische, aber glücklose Leistung. Fazit: Rot-Weiß Graz zeigte Herz, aber am Ende hatte Veilchen Wien mehr Köpfchen. Ein Spiel, das man in Graz wohl noch ein paar Tage diskutieren wird - und in Wien bei einem Glas Heurigen sicher mit einem zufriedenen Lächeln. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne süffisant formulierte: "Die Grazer haben den Wein geöffnet, aber die Wiener haben ihn ausgetrunken." 27.08.643987 01:03 |
Sprücheklopfer
Gewollt hab ich schon gemocht, aber gedurft ham sie mich nicht gelassen.
Lothar Matthäus weshalb er nicht deutscher Bundestrainer wurde