Anpfiff
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Velbert schießt Reichenbach in 180 Sekunden ins Staunen

Wenn man im Fußball von einem "Sturmlauf" spricht, dann meint man selten drei Minuten, die alles entscheiden. Doch genau so lief es beim 22. Spieltag der 3. Liga zwischen dem TSV Reichenbach und der SSVg Velbert. 10.498 Zuschauer im Reichenbacher Stadion dürften sich noch verwundert die Augen gerieben haben, als die Anzeigetafel nach 24 Minuten schon 0:3 zeigte - und das aus Sicht der Gastgeber.

Batu Kazim, 34 Jahre jung und offenbar noch immer mit der Spritzigkeit eines Studenten im Frühling, eröffnete in der 22. Minute den Torreigen. Nach einem präzisen Pass von Vitorino Barros schob der Routinier überlegt ein. Kaum hatte der Stadionsprecher den Namen ausgesprochen, zappelte der Ball erneut im Netz: Logan Davonport (23.) traf nach Vorarbeit von David Greenwald. Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, legte Kazim in der 24. Minute gleich noch einen drauf - diesmal nach Zuspiel von Gianluigi Perrone.

"Ich hab’ kurz gedacht, wir spielen in Reichenbach mit dem Wind im Rücken, aber das war wohl einfach Batu im Sturm", grinste Velberts Trainer Klaus Bock nach dem Spiel.

Für Reichenbach-Coach Lutz Köhler war die Anfangsphase dagegen ein Albtraum. "Das war wie ein schlechter Traum, aus dem man nicht aufwachen kann", knurrte er später. "Drei Torschüsse, drei Tore - das schafft sonst nur mein Sohn auf der PlayStation."

Doch wer glaubte, das Spiel sei damit entschieden, hatte die Moral der Reichenbacher unterschätzt. Gerade einmal sechs Minuten später traf Sergio Arino (30.) nach schöner Vorarbeit von Waldemar Svensson zum 1:3. Und als Rafael Longas in der 36. Minute mit einem satten Linksschuss auf 2:3 verkürzte, bebte die Tribüne. "Da dachten wir: Jetzt geht’s los!", rief ein Fan mit Bierbecher in der Hand - und verschüttete prompt die Hälfte.

Danach aber war Schluss mit Torrausch. Velbert, mit 53,7 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüssen das aktivere Team, verwaltete das Ergebnis clever. Reichenbach kam zwar auf neun Abschlüsse, doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Besonders bitter: In der 62. Minute musste Pavel Rosicky verletzt vom Platz - zur Sicherheit wurde er noch auf der Bank von Teamkollege Brynjar Gottskalksson mit einem Handtuch getröstet.

Kapitän Walter Bock versuchte nach dem Spiel, das Positive zu sehen. "Wir haben nach dem Schock reagiert, das spricht für uns. Aber wenn du in drei Minuten drei Tore kassierst, kannst du auch gleich den Mannschaftsbus rückwärts parken."

Velberts Defensive zeigte sich dagegen abgeklärt - auch wenn Niko Röder in der 67. Minute Gelb sah, als er Arino resolut stoppte. Später meinte er lachend: "Ich hab ihn gar nicht getroffen, der ist über den Schatten gesprungen." Der Schiedsrichter sah das anders.

Im zweiten Durchgang spielte Velbert mit viel Routine, ohne das ganz große Risiko. Bock hatte seine Jungs offenbar auf "Verwalten mit Stil" eingestellt. Die taktischen Daten bestätigen das: offensiv ausgerichtet, aber mit sicherem Passspiel - kein Pressing, kein Hauruck, einfach professionell.

Reichenbach mühte sich, doch die Präzision fehlte. Longas versuchte es noch zweimal aus der Distanz (61., 74.), doch Gästetorwart Dimas Bischoff hatte stets die Hände da, wo sie hingehörten.

Nach dem Abpfiff stand auf der Anzeigetafel: 2:3 (2:3). Eine Halbzeit voller Tore, eine zweite voller verpasster Chancen. "Das war ein verrücktes Spiel", fasste Köhler zusammen. "Wir haben eigentlich 87 gute Minuten gespielt - nur die anderen drei waren leider tödlich."

Velberts Doppeltorschütze Kazim nahm es mit Humor: "Ich wollte eigentlich schon nach dem dritten Tor runter, aber der Trainer hat gesagt, ich soll noch ein bisschen laufen, damit’s gut für die Statistik aussieht."

Die Fans verabschiedeten beide Teams mit Applaus - für Velberts Effizienz und Reichenbachs Trotzreaktion. Am Ende blieb ein Spiel, das zeigte, wie schnell Fußball sein kann: drei Minuten, drei Tore, drei Punkte.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Früher hat man in drei Minuten nicht mal das Bier geholt. Heute verlierst du damit ein Spiel."

Und damit ist wohl alles gesagt über diesen turbulenten Fußballabend in Reichenbach.

29.09.643996 16:29
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