Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Velbert schießt Schwerin aus dem Stadion - 4:0 und kein bisschen gnädig

Wenn ein Heimspiel an einem kalten Januarabend zum Fußballfest wird, dann weil 22 Männer beschlossen haben, dass der Ball heute bitteschön nur in eine Richtung rollt. So geschehen am 6. Spieltag der Regionalliga B, als die SSVg Velbert Eintracht Schwerin mit einem 4:0 (1:0) nach Hause schickte. 3 637 Zuschauer auf der Christopeit-Sportanlage durften sich die Hände reiben - teils wegen der Kälte, teils wegen der Spielfreude ihrer Mannschaft.

"Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir aufs Tor geschossen haben", grinste Velberts Trainer Klaus Bock nach dem Schlusspfiff. Man kann es ihm nachsehen: 24 Torschüsse seiner Mannschaft standen gerade einmal drei der Gäste gegenüber. Ballbesitz? 58 zu 42 Prozent. Es war kein Spiel, es war fast eine Machtdemonstration.

Schon in der 14. Minute brachte Bendt Sondergaard die Gastgeber in Führung, nachdem Einar Villadsen ihn mit einem butterweichen Pass bedient hatte. Sondergaard nahm den Ball an, schaute kurz, und schob ihn dann so kühl ins lange Eck, dass Schwerins Keeper Marvin Holz für einen Moment aussah, als hätte er die Heizung ausgeschaltet. "Ich hab’ einfach geschossen und gehofft, dass der Ball nicht wieder vom Pfosten zurückkommt", sagte Sondergaard danach und grinste so breit wie sein Torjubel.

Eintracht Schwerin versuchte, Struktur in das eigene Spiel zu bringen, doch schon nach einer halben Stunde mussten sie den ersten Rückschlag hinnehmen: Rechtsaußen Nico Rudolph verletzte sich und musste raus. "Ab da war es schwer, unsere rechte Seite dichtzuhalten", räumte Trainer Thomas Krause später ein. Ein Satz, der noch untertrieben war.

Denn in der zweiten Halbzeit brachen alle Dämme. In der 52. Minute erhöhte Rene Bettencourt nach Vorarbeit von Gianluigi Perrone auf 2:0 - ein wuchtiger Schuss ins kurze Eck, der so laut im Netz einschlug, dass selbst die Velberter Ersatzbank kurz zusammenzuckte. Acht Minuten später traf dann Perrone selbst, diesmal nach Pass von Villadsen. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er lachend zu, "aber wenn der Ball dann so reingeht, sag ich natürlich: Absicht!"

Spätestens jetzt war Schwerin nur noch Statist in einem Spiel, das Velbert nach Belieben bestimmte. Logan Davonport, der schon in der Anfangsphase mehrere Chancen liegen gelassen hatte, durfte sich in der 68. Minute schließlich auch in die Torschützenliste eintragen. Sondergaard hatte ihm den Ball mustergültig aufgelegt, und Davonport traf - endlich. "Ich hätte den Ball auch mit den Augen reingeschrien, wenn’s nötig gewesen wäre", witzelte er nach dem Spiel.

Eintracht Schwerin stemmte sich tapfer, aber vergeblich gegen die Niederlage. Robin Brückner und Marcel Brinkmann versuchten es mit Distanzschüssen, die aber höchstens als Material für ein Torwart-Trainingsvideo taugten. Gelbe Karten für Kay Hansen (18.) und Felix Krebs (65.) zeigten immerhin, dass man sich nicht kampflos ergeben wollte. Doch die Defensive blieb löchrig wie ein alter Trainingspulli.

Velbert spielte das Ergebnis souverän herunter, nahm sich sogar den Luxus, noch einige Großchancen liegenzulassen. In der 77. Minute sah Rechtsverteidiger Davib O’Brien Gelb - möglicherweise nur, um sich auch mal ins Spielprotokoll einzutragen. Trainer Bock nahm’s gelassen: "Wenn die einzige Verwarnung aus Langeweile passiert, kann ich damit leben."

Während Schwerins Coach Krause nach dem Spiel mit gesenktem Kopf in Richtung Kabine ging, suchte Bock den Schulterschluss mit seinen Spielern. "Das war heute Fußball, wie ich ihn mir wünsche: mutig, kreativ, gnadenlos", sagte er. Dann fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu: "Aber nächste Woche dürfen sie’s gern wiederholen - der Tabellenplatz ist schließlich noch nicht aufgestiegen."

Eintracht Schwerin dagegen muss sich nach dieser Lehrstunde neu sortieren. "Wir haben gesehen, was passiert, wenn man jeden Ball nur halbherzig spielt", murmelte Kapitän Markus Pan. Seine Worte gingen fast im Jubel der Velberter Fans unter, die ihre Mannschaft feierten, als hätte sie gerade den DFB-Pokal gewonnen.

So endete ein Abend, an dem SSVg Velbert alles richtig machte - vom ersten Pass bis zum letzten Applaus. Wer dabei war, wird sich erinnern: an vier Tore, an kalte Finger, und an die Erkenntnis, dass manchmal selbst in der Regionalliga ganz großer Fußball gespielt wird.

Und irgendwo in Schwerin dürfte man sich fragen, ob der Bus auf der Rückfahrt wenigstens defensiv sicher stand.

17.03.643987 21:37
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Luciano ist kein Brasilianer, er ist ein Athlet.
Berti Vogts
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager