Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Velbert zerlegt Schwerin - Sondergaard tanzt, Bischoff trifft und Schwerin staunt

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die Flutlichtanlage in Schwerin vielleicht ein wenig zu hell eingestellt war - denn was die 4062 Zuschauer am 23. Spieltag der Regionalliga B zu sehen bekamen, war ein schonungsloses Aufleuchten der Unterschiede zwischen Eintracht Schwerin und der SSVg Velbert. 1:4 hieß es am Ende, und das Ergebnis war so klar wie verdient.

Schon in der zwölften Minute machte Velberts dänischer Flügelmann Bendt Sondergaard deutlich, dass er an diesem Abend keine Lust auf Zurückhaltung hatte. Nach einem schnellen Doppelpass mit Christo Boschinow zog er aus halbrechter Position ab - 0:1. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach rein", grinste Sondergaard später, als er mit einem Schweißband auf der Stirn und einem Becher Wasser in der Hand durch die Mixed Zone schlenderte.

Nur vier Minuten später wurde es kurios: Velberts Torhüter Dimas Bischoff, offenbar vom Offensivdrang seines Teams angesteckt, verwandelte nach einem weiten Befreiungsschlag und einem fatalen Aufsetzer den Ball ins Schweriner Netz - 0:2. "Das war natürlich so geplant", witzelte Bischoff und bekam von Trainer Klaus Bock ein halb amüsiertes, halb genervtes Schulterklopfen.

Eintracht Schwerin, von Trainer Thomas Krause mit offensiver Ausrichtung ins Spiel geschickt, brauchte fast eine halbe Stunde, um sich vom Schock zu erholen. In der 28. Minute war es dann Nico Rudolph, der nach einer schönen Kombination über Brückner und Ahrens den Anschluss erzielte. Das Publikum jubelte, als sei das 1:2 bereits der Ausgleich - ein sympathischer Irrtum, wie sich nur vier Minuten später herausstellen sollte.

Denn Andre Bender, Velberts bulliger Mittelstürmer, ließ sich nicht lumpen. Nach Vorlage von Rechtsverteidiger Davib O’Brien knallte er den Ball aus 16 Metern trocken ins rechte Eck. 1:3 - und Schwerins Torwart Marvin Holz warf einen Blick gen Himmel, der irgendwo zwischen Resignation und Stoizismus pendelte.

"Wir wollten in der Pause nochmal alles umstellen", erklärte Krause später. "Aber ehrlich gesagt - da war nicht mehr viel umzustellen." Seine Spieler mühten sich redlich, doch Velbert kontrollierte Ball und Gegner. 54 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüsse zeugen von einer Überlegenheit, die auf dem Rasen noch deutlicher wirkte. Schwerin kam auf nur sechs Abschlüsse - und die meisten davon aus der Verzweiflung heraus.

Pascal Brenner, Schwerins blutjunger Linksaußen, versuchte es gleich dreimal zwischen Minute 30 und 55, scheiterte aber ebenso regelmäßig an Bischoff, der nach seinem kuriosen Tor nun auch noch seine eigentliche Aufgabe bravourös erledigte. "Ich hab ihm gesagt, er soll sich auf die Hände konzentrieren, nicht auf die Füße", scherzte Trainer Bock über seinen Torschützen im Tor.

In der 83. Minute setzte Sondergaard den Schlusspunkt - natürlich er. Nach feiner Vorarbeit des erfahrenen Laurent Delmas schlenzte er den Ball lässig ins lange Eck. 1:4. Der Jubel der Gäste klang mehr nach Erleichterung als nach Triumph; das Spiel war da längst entschieden.

Schwerin kassierte in der Schlussphase noch zwei Gelbe Karten (Weller 54., Pan 77.), was weniger mit Härte als mit Frust zu tun hatte. "Wenn du ständig hinterherläufst, siehst du halt irgendwann Gelb", kommentierte Krause trocken.

Auf der Pressekonferenz grinste Velberts Coach Bock breit: "Wir waren heute einfach gieriger. Und wenn sogar der Torwart trifft, weißt du, dass der Fußballgott gerade Spaß hat."

Sein Gegenüber Krause nahm’s mit Galgenhumor: "Ich überlege, ob ich nächste Woche auch meinen Keeper in den Sturm schicke - schlechter kann’s ja kaum laufen."

Fakt ist: Velbert spielte erwachsener, zielstrebiger, schlicht besser. Sondergaard war der überragende Mann des Abends, Bender der Vollstrecker, Bischoff der Exot mit Torinstinkt. Schwerin dagegen bleibt in der unteren Tabellenhälfte stecken - mit der Erkenntnis, dass man Offensivfußball zwar ankündigen kann, ihn aber auch umsetzen muss.

Als die Flutlichter erloschen, blieb den Fans der Eintracht immerhin die Gewissheit, ein denkwürdiges Spiel gesehen zu haben - wenn auch aus den falschen Gründen. Einer rief beim Hinausgehen: "Nächstes Mal geht der Ball rein, Jungs!" Ein anderer entgegnete: "Ja - aber hoffentlich in deren Tor."

So klang Schwerin an diesem Abend: ein bisschen bitter, ein bisschen trotzig - und erstaunlich humorvoll für ein 1:4.

12.10.643987 08:25
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der Abstieg trifft sicher eine Mannschaft, die noch gar nicht damit rechnet.
Friedel Rausch kurz bevor er mit dem Club absteigen musste
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager