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Es war einer dieser Abende im Azteca, an denen 59.000 Zuschauer gleichzeitig schwitzten, fluchten und jubelten - manchmal alles in derselben Minute. Am 28. Spieltag der 1. Liga Mexiko bezwang CD Cruz Azul die Pumas Nacional mit 1:0 (1:0). Das Ergebnis klingt knapp, doch es war eine Partie voll kleiner Dramen, taktischer Ironie und eines großen Helden: Silvestre Veloso. Der 27-jährige Linksaußen traf in der 42. Minute nach mustergültigem Zuspiel von Thalis Ardizoglou. "Ich habe nur den Fuß hingehalten", grinste Veloso später und zwinkerte. "Thalis hat den Ball so weich gespielt, ich hätte ihn fast gestreichelt statt geschossen." Der Ball jedoch küsste das Tornetz - und die Stimmung im Stadion explodierte. Bis dahin hatten die Pumas eigentlich besser begonnen. Schon in der 5. Minute prüfte Srdan Tadic den Cruz-Azul-Keeper Alkinoos Katranas mit einem kernigen Distanzschuss. Zwei Minuten später war es Martin Djalo, der ebenfalls sein Glück versuchte. Trainer Andy Nordlicht, mit Sonnenbrille und nordischer Ruhe, blieb unbewegt: "Wir wollten sie früh stressen, aber der Ball hatte andere Pläne." Tatsächlich schien Cruz Azul erst nach einer Viertelstunde aufzuwachen. Kurt Götz kassierte in Minute 15 eine Gelbe Karte - und genau das war der Weckruf. "Ich hab nur den Rasen gepflegt", verteidigte sich Götz schmunzelnd. Danach legten die Hausherren an Tempo zu. Andrew Hunt, der bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Betonmischers, prüfte Keeper Corey Locklear in der 26. Minute, Emanuele Jacurso flankte, Gallardo wirbelte - und dann kam Veloso. Sein Treffer kurz vor der Pause fiel aus dem Nichts und doch mit Ansage. Cruz Azul hatte zu diesem Zeitpunkt 59 Prozent Ballbesitz und das Spiel im Griff, während Pumas’ Offensive zunehmend verpuffte. "Wir waren zu nett", seufzte Nordlicht später. "Vielleicht hätten wir ihnen den Ball mal wegnehmen sollen." In der zweiten Halbzeit dann viel Wille, wenig Wirkung. Pumas brachte frische Kräfte: Marvin Klug und Yekta Akagündüz kamen zur Stunde, später auch Fabio Goncalves. Doch die Defensive der Hausherren stand wie ein Betonblock in der mexikanischen Sonne. "Defensiv ist sexy", erklärte Trainer Chucky Mandu trocken. Seine Mannschaft spielte tatsächlich, wie es die Daten verraten, mit defensiver Ausrichtung, balanciertem Angriff und null Pressing - und genau das funktionierte. Die Pumas rannten an, schossen sechs Mal aufs Tor, aber Katranas ließ keinen durch. In der 78. Minute donnerte Roberto Olivadi noch einmal aufs Gehäuse, doch der Keeper fischte den Ball aus dem Winkel, als hätte er Greifarme. In der Nachspielzeit versuchte es Yekta Akagündüz ein letztes Mal - der Ball flog in den Nachthimmel, vermutlich noch immer unterwegs Richtung Guadalajara. Auf der anderen Seite blieb Cruz Azul gefährlich, ohne zu glänzen. Veloso hätte in der 83. Minute fast nachgelegt, Hunt traf in Minute 91 nur den Pfosten. "Vielleicht wollte er das Netz schonen", frotzelte Mandu. Die Statistik lügt nicht, aber sie erzählt auch keine ganze Geschichte: 10 Torschüsse für Cruz Azul, 6 für Pumas, 59 Prozent Ballbesitz für die Hausherren. Doch was in Zahlen nüchtern aussieht, war auf dem Rasen ein zähes, intensives Ringen. Gelbe Karten für Götz, Ardizoglou und Tadic würzten das Ganze mit der nötigen Schärfe. Nach Abpfiff um 21:53 Uhr klatschten die Fans rhythmisch, als wollten sie die Zeit anhalten. Veloso winkte, Ardizoglou umarmte ihn, Mandu lächelte sein seltenes Lächeln. "Wir haben nicht schön gespielt", gab er zu, "aber Schönheit ist ohnehin überschätzt - drei Punkte sind hübscher." Pumas-Coach Nordlicht stand derweil an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und blickte gen Himmel. "Vielleicht war das Glück heute blau", murmelte er. Ein 1:0 also, das in keiner Highlight-Show episch wirken wird, aber in der Tabelle zählt. Cruz Azul festigt damit seinen Platz im oberen Drittel, während Pumas weiter um Anschluss an die internationalen Ränge kämpft. Und irgendwo, zwischen Pfiffen, Applaus und einem letzten Stadionbier, sagte ein Fan in die Nacht: "War kein Feuerwerk, aber immerhin ein Funken Hoffnung." So klingt Fußball in Mexiko - manchmal genügt ein einziger Schuss, um eine Stadt zum Lächeln zu bringen. 09.12.643987 01:58 |
Sprücheklopfer
Einige haben von einem recht guten Spiel gesprochen. Da frage ich mich, ob ich zum Augen- oder zum Ohrenarzt muss.
Andreas Möller nach einer 1:3-Niederlage des BVB in Bielefeld