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Ein Montagabend in Bösingen, Flutlicht, 4500 Zuschauer, Bratwurstduft und diese unvergleichliche Mischung aus Hoffnung und Nervosität, die in der Luft liegt, wenn der VfB Bösingen zum Heimspiel bittet. Doch am Ende des 15. Spieltags der 3. Liga Deutschland (2. Div) hatte das Publikum zwar ein Fußballfest gesehen - aber keines, das die Gastgeber feiern konnten: 2:3 hieß es nach 90 intensiven Minuten gegen Weiler im Allgäu. Dabei begann alles so vielversprechend. Keine sechs Minuten waren gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz der Gäste. Nelson Roy, Bösingens quirliger Rechtsaußen, nahm einen Pass von Pal Herlovsen direkt und knallte die Kugel ins linke Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Roy später, "manchmal muss man nicht nachdenken - das ist bei uns Stürmern grundsätzlich eine gute Regel." Doch Weiler im Allgäu ließ sich von diesem frühen Schock nicht beirren. Ganze sieben Minuten später antwortete Linus Berger, der nach perfekter Vorarbeit von Nick Scherer den Ausgleich erzielte (13.). Und als die Bösinger Abwehr noch überlegte, ob sie sich wieder fangen sollte, schlug Robin Born in der 22. Minute eiskalt zu - wieder auf Vorlage von Scherer. 1:2, und plötzlich wirkte Weiler so, als hätten sie Blut geleckt. "Da haben wir uns ein bisschen selbst eingelullt", gestand VfB-Trainer Charlie Brown hinterher. "Wir dachten, wir hätten das Spiel im Griff - dabei hatten wir nur den Ball." Ganz Unrecht hat er nicht: Laut Statistik lagen beide Teams fast gleichauf im Ballbesitz (50,1 % für Bösingen), doch Weiler schoss deutlich häufiger aufs Tor (19 zu 12). Und oft auch gefährlicher. Kurz vor der Pause gab’s dann eine Szene, die sinnbildlich für den Abend stand: Tal Zorea grätschte beherzt, aber einen Tick zu spät - Gelb. Der anschließende Freistoß brachte zwar nichts ein, doch die Gäste hatten das Momentum. Nach dem Seitenwechsel versuchte Bösingen, mit Schwung zurückzukommen. Aber es war wieder Weiler, das traf: Robin Born legte in der 59. Minute nach, diesmal nach feinem Zuspiel von Michael Siebert. 1:3, und die 50 mitgereisten Allgäuer Fans auf der Haupttribüne jubelten, als wäre gerade die Champions League gewonnen. Kurz darauf musste Bösingen wechseln - Mittelfeldmotor Nuno Fontàs verletzte sich (57.) und wurde durch Stanislaw Dudka ersetzt. Trainer Brown schüttelte nur den Kopf: "Natürlich verletzt sich der, der gerade am besten drauf ist." Doch die Hausherren gaben sich nicht auf. In der 66. Minute war es erneut Nelson Roy, der den Ball nach einem Vorstoß über rechts von Marco Roi ins Netz drückte - 2:3, und das Stadion erwachte noch einmal. "Da dachte ich: Jetzt drehen wir’s", sagte Kapitän Herlovsen später. "Aber Weiler stand wie eine Wand." In den Schlussminuten drückte Bösingen, was das Zeug hielt. Tibor Szabo prüfte den Keeper in Minute 61, Roy schoss noch zweimal knapp vorbei (66., 74.), und Trainer Brown tigerte an der Seitenlinie, als wolle er selbst eingewechselt werden. "Ich hab mir fast die Schuhe gebunden", witzelte er hinterher, "aber dann fiel mir ein, dass ich mit 48 wohl eher die Linie als den Ball treffe." Weiler-Coach Mino Raiola sah’s gelassen: "Wir wussten, dass sie kommen würden. Aber unsere Jungs haben das clever runtergespielt. Ein bisschen italienische Schule, wenn Sie so wollen." Die Schlussphase brachte dann mehr Gelbe Karten als Torchancen - Adamski (62.), Roi (78.) und Seton (90.) sahen noch Gelb, während Weiler die Uhr herunterspielte. Born, der Doppeltorschütze, wurde in der 60. Minute ausgewechselt und erhielt beim Abgang Beifall von den Heimfans - eine seltene, faire Geste. Als Schiedsrichter Dr. Kleinschmidt schließlich abpfiff, sank Charlie Brown auf die Spielerbank, während die Gäste ausgelassen jubelten. "Das war ein richtig guter Kick", meinte Weilers Stürmer Jannick Fritsch beim Rausgehen, "auch wenn unser Busfahrer jetzt wieder zwei Stunden Landstraße vor sich hat." Fazit: Weiler im Allgäu zeigte die reifere Spielanlage, nutzte seine Chancen gnadenlos und entführte verdient drei Punkte. Bösingen kämpfte tapfer, aber zu oft fehlte die letzte Konsequenz - im Zweikampf wie im Abschluss. Oder wie es ein älterer Fan auf der Tribüne trocken kommentierte: "Schön gespielt, Jungs - aber schön allein gewinnt halt keinen Blumentopf." Und genau so fühlte es sich an: ein schöner, bitterer Fußballabend in Bösingen. 22.04.643994 11:40 |
Sprücheklopfer
Ich wollte in taktischer Hinsicht ins Spiel von außen her eingreifen. Aber als der Schiedsrichterassistent die Einwechslung eines meiner wichtigsten Ergänzungsspieler übersehen hatte, wurde ich langsam ungehalten.
Christoph Daum