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VfB Speldorf zerlegt Falke Hannover - Fünf Tore nach der Pause

4875 Zuschauer hatten sich an diesem lauen Maiabend in Speldorf eingefunden, und wer nach 45 Minuten schon gähnte, der wurde für seine Geduld reich belohnt. Denn was der VfB Speldorf nach dem Seitenwechsel auf den Rasen zauberte, war eine Viertelstunde Fußball im Rausch - und für Falke Hannover ein lehrreiches Kapitel in Sachen Demütigung. 5:0 hieß es am Ende, und das war sogar noch schmeichelhaft für die Gäste.

Dabei hatte die erste Halbzeit kaum erahnen lassen, was folgen sollte. Speldorf rannte und kombinierte, doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie. "Ich hab irgendwann gefragt, ob das Tor vielleicht kleiner ist als sonst", witzelte Stürmer Aitor Melendez später. Falke Hannover verteidigte tapfer, Keeper Iker Futre flog durch den Strafraum wie ein junger Held aus einem Superheldenfilm - nur ohne Happy End.

Dann kam die 51. Minute, und mit ihr der Dosenöffner. Timm Stumpf, 38 Jahre jung und offenbar in der Blüte seiner dritten Karriere, flankte butterweich von rechts auf Melendez. Der Spanier ließ sich nicht zweimal bitten und wuchtete den Ball per Volley ins Netz. "Da war einfach alles perfekt - der Pass, der Wind, mein Fuß… vielleicht sogar der Rasen", grinste Melendez nach dem Spiel.

Kaum hatten die Fans das erste Tor bejubelt, stand es auch schon 2:0. Zwei Minuten später nämlich setzte sich der junge Javier Manu auf links durch, zog einfach mal ab - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er kleinlaut zu. Doch manchmal belohnt der Fußball auch Ungeplantes.

Falke Hannover? Nun ja, sie versuchten es. Offensiv ausgerichtet waren sie laut Taktikzettel, aber offensiv gefährlich wurden sie nie. Ganze zwei Torschüsse schafften die Gäste im gesamten Spiel - einer in Halbzeit eins, einer in Halbzeit zwei. Beide so harmlos, dass Speldorf-Keeper Simone Altomonte sich vermutlich mehr über die frische Luft freute als über die Paraden.

In der 64. Minute durfte dann Vorlagengeber Stumpf selbst jubeln. Eine Ecke von rechts segelte durch den Strafraum, Falke verpasste alles, und Stumpf drückte den Ball über die Linie. 3:0, und die Messe war gelesen. Trainer Jakob Meier drehte sich da schon lässig zur Bank: "Ich hab den Jungs gesagt, jetzt bitte keine Kunststücke, wir haben noch andere Spiele", verriet er später.

Doch seine Spieler hörten natürlich nicht auf. In der 80. Minute tanzte Mario Demo an der linken Außenlinie zwei Gegenspieler aus, legte quer, und Melendez schnürte sein Doppelpack. Der Jubel war ausgelassen, die Gästespieler hingegen blickten schon auf die Stadionuhr - wohl in der Hoffnung, sie möge Mitleid haben.

Tat sie nicht. Denn in der Nachspielzeit durfte auch Asier Espriu noch ran. Ein feiner Pass von Javier Manu, ein trockener Abschluss - 5:0, und das Publikum tobte. "Wir wollten zeigen, dass wir mehr können als 0:0 zur Pause", sagte Espriu und grinste breit.

Statistisch war der Abend eine klare Angelegenheit: 24 Torschüsse für Speldorf, 59,8 Prozent Ballbesitz, 58,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Falke Hannover hingegen wirkte, als hätten sie den Abend unter dem Motto "Erfahrung sammeln" gebucht. Trainer der Gäste, ein sichtlich ernüchterter Coach, fasste es trocken zusammen: "Wenn man fünf Dinger kassiert, muss man nicht viel analysieren. Wir waren einfach zu nett."

Auch Schiedsrichterfreund Morten Nilsen aus der Speldorfer Abwehr hatte noch seinen Moment, als er in der 89. Minute Gelb sah. "Ich wollte nur den Ball holen", verteidigte er sich lachend - was selbst der Unparteiische mit einem Schulterzucken quittierte.

Als das Stadionlicht langsam erlosch, standen die Speldorfer Spieler Arm in Arm vor der Fankurve. Es war kein Sieg, es war ein Statement: Der VfB lebt, und wie! Falke Hannover dagegen wird sich fragen müssen, wie man nach einer passablen ersten Hälfte so auseinanderfallen kann.

Vielleicht hatte es Aitor Melendez am besten auf den Punkt gebracht: "Manchmal dauert’s 45 Minuten, bis der Kaffee wirkt."

Und an diesem Abend wirkte er stark.

16.01.644000 11:26
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Toni Polster
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