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Viking FK stürmt in den Sonnenuntergang - Kattem IF chancenlos beim 3:0

Eliteserien | 3. Spieltag | 07.07.26 | Viking FK - Kattem IF 3:0

Es war einer dieser Abende in Stavanger, an denen der Ball einfach lieber blau als weiß trug. 21.971 Zuschauer erlebten im Viking Stadion einen heißen Sommerabend, an dem Viking FK nach einer zähen ersten Halbzeit endlich zeigte, warum man in der Eliteserien wieder von Europa träumt. Mit einem 3:0 über Kattem IF schrieben die Männer von Markus Frey am 3. Spieltag die erste kleine Liebesgeschichte dieser Saison - zwischen Publikum und Offensive.

Dabei begann das Spiel wie ein nordisches Rätsel: viel Bewegung, wenig Lösung. Schon in der 2. Minute hämmerte Albert Rodriguez den Ball aufs Tor, als wolle er das Aluminium auf Betriebstemperatur bringen. Mykland, der ewige Linksaußen, prüfte gleich mehrmals die Reflexe von Kattems Torwart Gheorghe Keserü, doch der wehrte ab - mal mit den Fäusten, mal mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der sich fragte, warum er diesen Job eigentlich macht.

"Ich hab’ irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir draufgehalten haben", grinste Trainer Frey später. Tatsächlich: 17 Torschüsse für Viking, 3 für Kattem - das spricht Bände. Trotzdem stand es zur Pause 0:0, und die Fans tuschelten schon über den "Fluch der vergebenen Chancen".

Dann kam die 46. Minute, und mit ihr die Erlösung: Jorgen Mykland zog auf links an, flankte passgenau auf Rodriguez - und der junge Mittelstürmer nickte lässig ein. 1:0, das Stadion bebte. "Ich hab’ nur gedacht: endlich", sagte Rodriguez später lachend. Frey hingegen nutzte den Moment, um gleich doppelt zu wechseln - Torwart Dahlin und Mittelfeldtalent Skrtel kamen ins Spiel. "Frischer Wind, auch wenn’s stürmt", kommentierte der Coach trocken.

Kattem IF versuchte nach dem Rückstand, etwas höher zu stehen. Das Problem: Wer höher steht, fällt auch tiefer. In der 66. Minute bedankte sich Rodriguez ein zweites Mal - diesmal nach einem feinen Zuspiel von Linksverteidiger Marcio Henrique. Der Schuss war ebenso trocken wie gnadenlos. 2:0, und die Gäste wirkten plötzlich wie Touristen, die sich im Pressing verirrt hatten. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Kattems Trainer (der lieber anonym bleiben wollte) nach dem Spiel, "aber nach dem zweiten Tor war’s eher ein Überlebenskampf."

Während Kattem mit Ballbesitz (50,1 Prozent!) und gutem Willen glänzte, zog Viking das Tempo an. Frederic Burton, der junge Spielgestalter, sorgte mit präzisen Pässen für Ordnung, und hinten hielt Kapitän Jon Mykland den Laden zusammen, bis er in der 75. Minute Platz machte für Moissejew.

Die letzten Minuten gehörten dann einem, der bis dahin eher still geblieben war: Andrej Anissin. In der 94. Minute nahm er sich ein Herz - oder vielmehr den Ball - und versenkte ihn nach Vorarbeit von Burton aus 18 Metern. 3:0. Ein Tor wie ein Schlussstrich. "Ich wollte einfach nicht, dass der Schiri abpfeift, bevor ich auch mal dran bin", witzelte Anissin im Kabinengang.

Kattem IF hatte zu diesem Zeitpunkt längst den Mut verloren. Ein letzter Schuss von Roger Flo in der 72. Minute ging vorbei, und kurz vor Schluss erhielt Henning Halvorsen noch Gelb - mehr Frust als Foul.

Statistisch mag das Spiel ausgeglichener wirken, als es war: 50 Prozent Ballbesitz für Kattem, doch die Zahlen lügen hier wie gedruckt. Viking spielte aggressiv, offensiv, mit Flügeln, Herz und Humor. Kattem dagegen war brav, balanciert - und letztlich zahm.

Trainer Markus Frey brachte es nach Abpfiff auf den Punkt: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon 17 Mal aufs Tor schießt, dann darf wenigstens jeder Zweite rein. Sie haben mich erhört."

Und so verabschiedete sich Stavanger in die Nacht - mit drei Punkten, drei Toren und einem Gefühl, das Fans lieben: Der Glaube, dass dies erst der Anfang ist.

Am Ausgang hörte man einen älteren Fan murmeln: "Das war wieder Viking-Fußball, wie er sein soll - laut, schnell, und mit einem kleinen Augenzwinkern." Recht hat er. Denn an diesem Abend war alles blau, was zählt.

07.07.2026 21:08
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